Umfragedesaster

Fünf Prozent hinter AfD: Wie tief will die Union mit Friedrich Merz noch sinken?

Die Union sackt in den Umfragen ab. Merz muss liefern, wenn er Kanzler bleiben will. Die Chancen stehen schlecht. Ein weißer Ritter scharrt schon mit den Hufen.

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU): Hat er noch den Durchblick?
Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU): Hat er noch den Durchblick?dpa

Nur noch auf 22 Prozent kommt die Union in der neuesten Forsa-Umfrage. Fünf Prozentpunkte hinter der AfD. Eine Katastrophe für CDU und CSU. Auch die Zufriedenheit mit Bundeskanzler Friedrich Merz sinkt auf einen neuen Tiefpunkt. Nur noch 15 Prozent der Bevölkerung sind mit Merz’ Arbeit zufrieden – drei Punkte weniger als in der Vorwoche.

Dass Forsa möglicherweise wegen seines Gründers Manfred Güllner als SPD-nahe gilt, hilft der Union auch nicht weiter: Die Meinungsforscher von Insa publizieren zeitgleich ähnliche Werte: Hier liegt die AfD mit 28 Prozent 4,5 Punkte vor der Union. Zudem lässt sich der Abwärtstrend der Union auch bei allen anderen Umfrage-Instituten seit Monaten belegen. Die Frage stellt sich: Wie tief will die Union mit Friedrich Merz noch sinken?

Kommt bald der nächste Wortbruch des Friedrich Merz?

Die Geduld ist auch in der Union begrenzt. Der Unmut in der Bundestagsfraktion und den Parteigliederungen wächst. Zu sehr würde Merz nur ankündigen und die Koalition mit den Sozialdemokraten moderieren, anstatt zu handeln. Und letztlich ließe man sich ein ums andere Mal von den Sozis über den Tisch ziehen – sei es beim Rentenpaket oder bei der Grundsicherung oder beim Tariftreuegesetz. Rhetorisch markiere Merz den Macher und Ordnungspolitiker, de facto sei er jedoch nur Ankündigungskanzler und Erfüllungsgehilfe der SPD, so die Kritik.

Zudem wiegen seine Wortbrüche schwer. So etwa die gemeinsame Abstimmung mit der AfD zum Migrationsantrag der Union im Bundestag im Januar 2025 – trotz angeblich strikter „Brandmauer“. Oder die Aufhebung der Schuldenbremse und den Beschluss der Rekord-Verschuldung über Sondervermögen gemeinsam mit Grünen und SPD im März 2025. „Ich weiß, dass ich einen sehr hohen Kredit in Anspruch genommen habe“, gestand Merz damals gegenüber der FAZ, „auch was meine persönliche Glaubwürdigkeit betrifft.“ Und nun könnte auf Drängen der SPD der nächste Wortbruch erfolgen: Steuererhöhungen, die Merz zuvor mehrfach ausgeschlossen hatte. Dann wäre das Maß voll, der Glaubwürdigkeitsverlust immens. Wie tief will die Union mit Friedrich Merz noch sinken?

Die Union führt nicht, sie wird von der SPD vorgeführt

Merz und die Union sollten einsehen, dass sie ihren Machtanspruch in einer Koalition mit der SPD nur um den Preis der Selbstverleugnung aufrechterhalten können. Je länger sie auf dieser Führung beharren, desto unglaubwürdiger wird die Union. Denn die Union führt nicht. Sie wird von der SPD vorgeführt.

Die CDU muss sich fragen und fragen lassen, ob die Wahl von Friedrich Merz zum Bundesvorsitzenden, zum Kanzlerkandidaten und zum Bundeskanzler nicht ein historischer Irrtum war. Denn: Wie tief will die Union mit Friedrich Merz noch sinken?

Den vorläufigen Tiefpunkt der Merz-Union konnte bislang nur einer unterbieten: Armin Laschet. Er brachte es als Kanzlerkandidat kurz vor der Bundestagswahl im September 2021 bei Forsa auf 19 Prozent. Ebenfalls ein Irrtum der CDU-Geschichte. Sein Wahlergebnis mit 24,1 Prozent war der historische Tiefpunkt der Union. Merz hatte die Union anfangs aus dem Laschet-Tief herausgezogen. Während der Ampel-Jahre lagen CDU/CSU in den Umfragen wieder über 30 Prozent. Bei der letzten Bundestagswahl waren es lediglich 28,5 Prozent. Doch zusammen mit der SPD wird es nicht besser für die Union.

Einen Negativ-Rekord kann Merz niemand nehmen

Die Alternativen wären das Aufkündigen der Koalition und eine Minderheitsregierung – mit Merz oder ohne Merz als Kanzler; oder Neuwahlen – mit Merz oder ohne Merz als Kanzlerkandidaten. Als weißer Ritter stünde selbstverständlich CSU-Chef Markus Söder bereit, der seit Jahren mit den Hufen scharrt. Vielleicht Hendrik Wüst als beliebter NRW-Ministerpräsident einer schwarz-grünen Koalition. Oder doch Jens Spahn, Fraktionsvorsitzender im Bundestag und ewige Nachwuchshoffnung der CDU?

Wird Friedrich Merz vielleicht als der einjährige Kurzzeit-Kanzler in die deutsche Nachkriegsgeschichte eingehen? Ludwig Erhard konnte sich als Adenauer-Nachfolger bis zu seinem Sturz 1966 immerhin etwas mehr als drei Jahre im Bonner Kanzleramt halten. Sein Nachfolger Kurt Georg Kiesinger führte dann bis 1969 die erste Große Koalition nicht einmal ganze drei Jahre. Einen Negativ-Rekord kann Friedrich Merz jedoch keiner nehmen: Er ist der erste Kanzler in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland, der bei seiner Wahl im Bundestag im ersten Wahlgang scheiterte. Wie tief ist doch die Union mit Friedrich Merz bereits gesunken.