Deutschland hat gerade alle Hände voll zu tun: Seit Wochen hält ein gestrandeter Wal in der Ostsee die Republik in Atem, mal wird er für so gut wie tot erklärt, dann schwappt wieder eine Welle der Hoffnung durch die Nachrichten.
Timmy (oder Hope) ist längst Teil von biederer Buckelwal-Folklore, wird in Liedern verwurstet und symbolisch umdeutet, noch bevor er sich vielleicht wieder in tieferen Gewässern freischwimmen darf.
Derzeit fährt der Wal per Lastkahn die dänische Küste entlang, wo man etwas weniger emotional auf die Sache blickt. Das dänische Umweltministerium hat der Deutschen Presse-Agentur mitgeteilt, dass man gestrandete Meeressäugetiere in Dänemark prinzipiell nicht rette.
Strandungen als natürlich vorkommendes Phänomen
Strandungen seien demnach „ein natürlich vorkommendes Phänomen“ und Wale sollten generell „nicht durch menschliches Eingreifen gerettet oder gestört“ werden. Zu dem konkreten Fall des an der Ostseeküste gestrandeten Buckelwals äußerte sich das Ministerium zwar nicht, dennoch lässt die Auskunft aufhorchen.
Allerdings ist bei Timmy auch nicht der Staat, sondern eine private Initiative für die Bergung verantwortlich. Gegen den Rat vieler Wissenschaftler versucht die private Initiative seit Mitte April, den gestrandeten Wal zu bergen und lebend in die Nordsee oder in den Atlantik zu bringen.

Zuvor waren verschiedene Ideen zur Walrettung vom Umweltministerium geprüft und verworfen worden. Walstrandungen werden in Mecklenburg-Vorpommern insgesamt nur vereinzelt registriert, gelten im weiteren Kontext der Ostsee jedoch nicht als seltenes Phänomen.
In Dänemark gab es zu Jahresbeginn eine ungewöhnliche Häufung, bei der mehrere Pottwale in der Nordsee nahe Fanø verendeten. Meist handelt es sich um junge männliche Pottwale, die sich auf der Wanderung nach Süden verirren.
Und so schaut das Ausland bisweilen mit Erstaunen auf die rührselige Art, wie in Deutschland der kranke Buckelwal in der Ostsee begleitet wird. In Spanien, Portugal, Dänemark oder Japan kommt es viel häufiger vor, dass Tiere stranden. Rettungsaktionen gibt es dort kaum.


