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Können Sie sich vorstellen, dass irgendein deutscher Bundesminister eine Nachricht an Präsident Donald Trump schicken würde, in der er ihn auffordert, persönliche Sanktionen gegen zwei der höchsten deutschen Repräsentanten der Justiz zu verhängen – etwa gegen den Generalbundesanwalt oder den Präsidenten des Bundesverfassungsgerichts? Vermutlich würden Sie denken, es handele sich um den Stoff eines satirischen Theaterstücks mit futuristischer Botschaft. Ist es aber nicht. Genau das hat kürzlich die israelische Umweltministerin getan.
Sie wandte sich an Trump mit der Bitte, persönliche Sanktionen gegen den israelischen Generalstaatsanwalt und den Präsidenten des Obersten Gerichtshofs Israels zu verhängen. Der Generalstaatsanwalt wird von der israelischen Rechten als regierungsfeindlich wahrgenommen, und der Präsident des Obersten Gerichtshofs als illegitim. Beide sind ständig Ziel massiver Attacken und offener Drohungen.
Doch indem die Ministerin Trump bat, ihre „Drecksarbeit“ zu erledigen, ging sie noch einen Schritt weiter. Ihre Botschaft an Trump war eine Aufforderung zu direkter Intervention und zu Sanktionen gegen die Justizführung, um eine Begnadigung für Premierminister Benjamin Netanjahu zu erleichtern. Netanjahu steht derzeit in einem scheinbar endlosen Prozess und ist wegen Bestechung und Untreue angeklagt. Er und seine Verbündeten behaupten, es handle sich um konstruierte, fingierte Verfahren.
Trumps Intervention bei Herzog
Die Bitte um Trumps Intervention in eine eindeutig innenpolitische Angelegenheit mag wie kindisches Verhalten erscheinen, ähnlich wie eine Mutter, die ihrem Kind sagt: „Warte, bis dein Vater nach Hause kommt.“ Doch so ist es nicht. Israel ist kein Kind, und Trump ist kein „Sugar Daddy“ – es sei denn, man macht ihn dazu.
Auf einer viel tieferen Ebene ist es ein offener Akt beschämender Aufgabe der israelischen Souveränität, der eine Reihe von Ereignissen ausgelöst hat.
Eines davon ist eine Petition, formuliert von einem israelischen Anwalt und Professor für Verfassungsrecht und unterzeichnet von 100.000 rechtsgerichteten Israelis, die Trump auffordern, „die Verhängung von Sanktionen gegen innere Feinde des jüdischen Staates zu prüfen, ähnlich den Sanktionen gegen den Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag“. Die in dieser Petition genannten Staatsfeinde sind wiederum derselbe Generalstaatsanwalt und der Präsident des Obersten Gerichtshofs. So wird der amerikanische Präsident, der von seiner eigenen Opposition als Bedrohung für die amerikanische Demokratie betrachtet wird, von führenden Kreisen Israels gebeten, die israelische Demokratie zu retten.
Um ehrlich zu sein: Trump selbst hat die Tür für ein solches Verhalten geöffnet. Bei seinem kurzen Besuch in Israel im Oktober 2025 wurde er eingeladen, vor dem Plenum der Knesset zu sprechen. Mitten in einer sehr langen Rede wandte er sich plötzlich an den israelischen Präsidenten Isaac Herzog und fragte kokett: „Warum begnadigen Sie Bibi nicht?“ Alle Mitglieder der Koalition brachen in donnernden Applaus aus.
Aus Freundschaft wird Unterwerfung
Rückblickend könnte dieses Ereignis als Wendepunkt in den israelisch-amerikanischen Beziehungen gelten. Aus einer Freundschaft, die auf gemeinsamen Interessen und Werten basierte, ist eine Art Unterwerfung geworden. Nachdem er den Boden bereitet hatte, wandte sich Trump noch fünf weitere Male an Herzog und drängte ihn, den Prozess zu beschleunigen. Als Herzog nicht innerhalb des von Trump vorgegebenen Zeitrahmen lieferte, bezeichnete Trump ihn offen als „Schande“. Herzog braucht sich nicht allzu sehr grämen. In einem Interview aus dem Jahr 2021 hatte Trump Netanjahu wegen Illoyalität scharf kritisiert und mit den Worten abgeschlossen: „Fuck him“. Netanjahus damalige „Sünde“ bestand darin, Präsident Joe Biden zu seinem Wahlsieg 2020 gratuliert zu haben, während Trump das Ergebnis noch anfocht.
Heute bezeichnete Trump den israelischen Premierminister als „Kriegsheld“. Dieses sprunghafte Verhalten mag auf persönlicher Ebene amüsant oder launisch erscheinen, doch im Umgang mit nationalen und sicherheitspolitischen Fragen ist es alles andere als lustig. Was passiert, wenn Israel – derzeit enger Verbündeter im Krieg mit dem Iran – in Ungnade fällt? Alles hat seinen Preis.
Trumps Intervention in Netanjahus Prozess basiert auf zwei unterschiedlichen Motiven. Das eine ist sehr persönlich. Quellen aus dem Umfeld beider sagen, Trump identifiziere sich in gewisser Weise mit Netanjahu und teile dessen Gefühl, vom Justizsystem und feindlichen Medien verfolgt zu werden.
Auf einer ganz anderen Ebene ist dies Trumps Weg, mehr Kontrolle über Israel zu erlangen. Wenn Netanjahu behauptet, er habe den Nahen Osten bereits verändert, ist das sicherlich nicht ganz zutreffend. Nicht nur wegen des anhaltenden Krieges mit der Hisbollah im Norden und der Wiedererstarkung der Hamas im Gazastreifen – sondern auch, weil beide Waffenstillstandsabkommen von Amerika, also von Trump, verfasst und durchgesetzt wurden.
Die USA sind weiterhin die wichtigste Instanz in den Schlichtungsmechanismen zwischen den Parteien. Im Zwölf-Tage-Krieg zwischen Israel und Iran war Trump der Hauptarchitekt des Waffenstillstands, der den Konflikt im Juni 2025 beendete. Nach einigen israelisch-amerikanischen Operationen verkündete Trump am Vorabend des 23. Juni auf seinem Netzwerk Truth Social, dass ein Waffenstillstand erreicht worden sei. Er setzte Premierminister Netanjahu aktiv unter Druck, das Abkommen zu akzeptieren.
Aus Bewunderung wurde Verehrung
Als Israel dennoch einen weiteren Angriff durchführen wollte, griff Trump aktiv ein und befahl den Jets der israelischen Luftwaffe, in der Luft kehrtzumachen und zu ihren Stützpunkten zurückzukehren. Israel gehorchte. Auf seinem Netzwerk fasste Trump diesen Vorfall mit den Worten zusammen: „Israel muss sich abkühlen.“
Trump nennt systematisch Länder und Territorien, die er kontrollieren möchte. Der Nahe Osten bildet da keine Ausnahme, und Israel ist ein effektiver Kanal, um dorthin zu gelangen. Paradoxerweise ist es gerade das rechtsnationalistische Lager, das stets den Anspruch erhebt, den Patriotismus zu verkörpern, das das Land stärker als jede frühere Regierung in Richtung einer Unterordnung seiner Souveränität führt.
Seit seiner ersten Amtszeit ist Trump zu einem amerikanischen Idol der israelischen Rechten geworden. Mit Netanjahu verbundene Medien haben aktiv für ihn geworben. Als er die amerikanische Botschaft nach Jerusalem verlegte und die israelische Souveränität über die Golanhöhen anerkannte – und damit 52 Jahre US-Politik umkehrte –, verwandelte sich Bewunderung in Verehrung.

Siedlung namens „Trump Heights“ auf den Golanhöhen
2020 bewilligte die israelische Regierung fast 2,5 Millionen Dollar für die Finanzierung einer Siedlung namens „Trump Heights“ auf den Golanhöhen. Der Ort wurde durch eine Rakete aus dem Libanon beschädigt. Nun, da die beiden Armeen im perfekten Zusammenspiel gemeinsam gegen den Iran kämpfen, steigt die Dankbarkeit ins Unermessliche.
In einem historischen Schritt wurde Trump eingeladen, den Israel-Preis – den israelischen „Nobelpreis“ – entgegenzunehmen, der am Unabhängigkeitstag Ende April verliehen wird. Trump wurde eingeladen, teilzunehmen, doch angesichts der anhaltenden Kriegssituation erscheint der Besuch unwahrscheinlich. Netanjahu ist darüber etwas enttäuscht, da Trumps Besuch gut in seinen Wahlkampf gepasst hätte.
Dennoch verdienen die Gründe für die Preisverleihung Aufmerksamkeit. In der offiziellen Begründung wird Trumps Rolle bei den Abraham-Abkommen und seine Anerkennung Jerusalems als Hauptstadt Israels hervorgehoben. Merkwürdigerweise wird seine wichtige Rolle bei der Freilassung israelischer Geiseln aus Gaza nicht einmal erwähnt – ein Erfolg, den Netanjahu offenbar für sich allein beanspruchen möchte.
Die Beziehungen zwischen Trump und Netanjahu werden nun auf die Probe gestellt. Nicht nur ihre persönlichen Beziehungen, sondern auch die tatsächlichen Interessen beider Länder.
Viel Erfahrung beim Schuldzuweisen
Die Beweggründe für den Krieg mit dem Iran überschnitten sich anfangs; nach dessen Ende könnte das anders aussehen. Israel könnte mehr Zeit benötigen, als Trump bereit ist zu gewähren. Sowohl er als auch Netanjahu stehen vor Wahlen – Trump vor den Zwischenwahlen, Netanjahu vor Parlamentswahlen. Beide müssen Siege und Erfolge vorweisen können, die nicht zwangsläufig miteinander übereinstimmen.



