Der Präsident des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH), Reint Gropp, hält die Debatte über Ostdeutschland als benachteiligtes Gebiet für irreführend und spricht sich für die Abschaffung des Ostbeauftragten der Bundesregierung aus. Die am schnellsten wachsenden Regionen Deutschlands lägen im Osten, sagte er der Deutschen Presse-Agentur.
„Ich bin der Meinung, dass diese Diskussion über Ostdeutschland als ein benachteiligtes Gebiet, das irgendeine besondere Aufmerksamkeit braucht, in die Irre führt", erklärte der Volkswirt. Als Beispiele für die wirtschaftliche Dynamik nannte er das Berliner Umland und Leipzig – Regionen, die nach seinen Angaben schneller wachsen als etwa München.
Gleichzeitig räumte Gropp ein, dass sich in Ostdeutschland auch die am schnellsten schrumpfenden Regionen Deutschlands befänden. Gerade diese Ungleichzeitigkeit macht aus seiner Sicht eine pauschale Ost-West-Betrachtung problematisch.
Ostbeauftragter als Symbol der Benachteiligung
Der IWH-Präsident kritisierte zudem eine verzerrte Wahrnehmung: Die Bezeichnung „ostdeutsch" werde fast ausschließlich in negativem Zusammenhang verwendet. Boomende Städte wie Leipzig oder Berlin samt Umland würden in der öffentlichen Diskussion kaum noch als ostdeutsch wahrgenommen. „Wenn es gut läuft, dann ist es nicht mehr ostdeutsch", bemängelte Gropp. Von dieser einseitigen Betrachtungsweise müsse man sich lösen.
Vor diesem Hintergrund plädierte Gropp dafür, das Amt des Ostbeauftragten abzuschaffen. Die Position sei ein Symbol für die ständig betonte Benachteiligung des Ostens, die so nicht der Realität entspreche. Ostdeutschland könne eine sehr gute Entwicklung vor sich haben – aber nicht, wenn alle ständig dächten, der Osten sei benachteiligt, so der Ökonom.


