Streitkräfte

Unbesetzte Posten, ältere Soldaten bei der Bundeswehr: Wehrbericht zeigt massive Probleme

Wie jedes Jahr stellt die deutsche Wehrbeauftragte wieder den aktuellen Bericht über den Zustand der Streitkräfte vor. Wieder gibt es Defizite.

Soldaten der Bundeswehr der Nato-Einheit Enhanced Forward Presence Battle Group (eFP-Bataillon).
Soldaten der Bundeswehr der Nato-Einheit Enhanced Forward Presence Battle Group (eFP-Bataillon).Michael Kappeler/dpa

Die Wehrbeauftragte des Bundestages, Eva Högl, bescheinigt der Bundeswehr einen massiven Personalmangel und fordert entschlossene Schritte. „Leider weiterhin verschlechtert hat sich die sehr hohe Anzahl unbesetzter Dienstposten“, schreibt die SPD-Politikerin in ihrem in Berlin vorgelegten Jahresbericht für 2024.

Im Jahr 2020 – dem Beginn ihrer Amtszeit – seien rund 18 Prozent des militärischen Personals in den Laufbahnen oberhalb der Mannschaften unbesetzt gewesen. Ende 2024 seien es sogar knapp 20 Prozent gewesen. Bei den Mannschaften waren im vergangenen Jahr sogar rund 28 Prozent aller Dienstposten unbesetzt gewesen.

Einsatzbereitschaft der Truppe leidet

Ursachen seien neben dem allgemeinen Personalmangel auch Vakanzen – wie durch Ausbildung, Elternzeit, Krankheit oder Freistellung. Die Streitkräfte liefen aber Gefahr, dass die personelle Einsatzbereitschaft erheblich leide, wenn fast jede fünfte Kraft bei Unteroffizieren und Offizieren und mehr als jede vierte Kraft bei den Mannschaften fehle.

„Genügend und vollständig einsatzbereites Personal ist der Schlüssel zur Verteidigungsfähigkeit. Dem ursprünglich bis zum Jahr 2025 gesteckten, jedoch später zeitlich angepassten Ziel, eine Personalstärke von 203.000 Soldatinnen und Soldaten bis zum Jahr 2031 zu erreichen, ist die Bundeswehr im Berichtsjahr erneut nicht nähergekommen“, stellt Högl fest.

Die Zahl der Männer und Frauen in der Bundeswehr sei auf 181.174 sogar leicht gesunken. Högl warnt: „Gleichzeitig wird die Bundeswehr immer älter. Während das Durchschnittsalter Ende 2019 noch 32,4 Jahre betrug, ist es bis Ende 2024 auf 34 Jahre gestiegen.“

Vergangene Berichte zeichnen ähnliches Bild

Die vorangegangenen Berichte hatten wiederholt Kritik unter anderem an der Ausrüstung der Soldatinnen und Soldaten geübt: Die Bundeswehr habe „immer noch von allem zu wenig“, hatte Högl bei der Vorstellung ihres Berichts im vergangenen Jahr gesagt. Zudem hatte sie damals schon einen Mangel an Personal beklagt.

In der Vergangenheit zeigte der Bericht, neben erheblichen Mängeln bei der Ausrüstung, große Defizite bei Personal und Infrastruktur auf. Laut der Wehrbeauftragten sind viele der zugesagten Verbesserungen nur schleppend umgesetzt worden. Trotz des Sondervermögens von 100 Milliarden Euro gebe es weiterhin Munitionsengpässe, veraltete Kasernen und fehlendes Material für die Truppe.

Die Bundeswehr verfehlte auch ihre Rekrutierungsziele, während viele Soldatinnen und Soldaten durch Auslandseinsätze und die gestiegene Verantwortung im Rahmen der Nato überlastet sind. Högl fordert daher eine schnellere und effizientere Modernisierung der Streitkräfte, um die Einsatzbereitschaft zu gewährleisten.