Der Vivantes-Konzern hat eine Zwei-Klassen-Gesellschaft bei seinen Angestellten etabliert. Bei der Muttergesellschaft wird nach dem Tarifvertrag des öffentlichen Dienstes (TVöD) bezahlt, die Angestellten der Tochtergesellschaften werden deutlich schlechter bezahlt. Jetzt fordern die Gewerkschaften die volle Angleichung an das Tarifniveau der Mutterfirma. Ein erstes Angebot der Arbeitgeber stößt auf Ablehnung.
Der kommunale Krankenhauskonzern Vivantes Netzwerk für Gesundheit GmbH beschäftigt rund 20.000 Menschen an sieben Standorten in Berlin. Neben dem Mutterkonzern existieren zahlreiche Tochtergesellschaften, die überwiegend in den 2000er-Jahren gegründet wurden. Aus Sicht der Gewerkschaften dienten sie dazu, Tarifverträge zu umgehen, etwa durch die Auslagerung von Beschäftigten im Bereich Patientenbegleitservice, Facility-Management, Verpflegung oder Reinigung.
Forderung nach Eingliederung der Töchter
Seit 2021 gilt für die Beschäftigten der Töchter ein eigener Tarifvertrag. Aber dieser liegt deutlich unter dem Niveau des (TVöD) , der für die Mitarbeitenden des Mutterkonzerns maßgeblich ist. Die Gewerkschaft ver.di fordert deshalb in den laufenden Verhandlungen die vollständige Übernahme der Tochterbeschäftigten in den TVöD. Ebenfalls sollten perspektivisch die Auflösung der Tochterfirmen zugunsten einer direkten Anstellung beim Mutterkonzern durchgeführt werden.
Kai Wegner versprach die Auflösung der Vivantes-Töchter
Ein erstes Angebot der Arbeitgeber sieht lediglich eine schrittweise Angleichung der Entgelte bis frühestens 2030 vor. Zudem gilt es nicht für alle Beschäftigten. Ver.di hat das Angebot abgelehnt und befragt seine Mitglieder über die weitere Strategie. Die nächste Verhandlungen sind für Februar geplant. Kommt es zu keiner Einigung, gelten Arbeitskämpfe als nicht ausgeschlossen.
Zugleich richten Arbeitnehmervertreter eine deutliche Botschaft an die Politik: Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) habe zugesagt, dass die Beschäftigten in den Mutterkonzern übernommen werden. Auch im Koaltitionsvertrag sein dieses Ziel explizit verankert. Ein ähnliches Ziel habe die Charité nach rund 50 Tagen Arbeitskampf im vergangenen Jahr erreicht.
Nach Gisela Neunhöffer, stellv. Landesfachbereichsleiterin von Ver.di Berlin-Brandenburg, fördere ein solches Verhalten Politikverdrossenheit. Es gehöre zu den Grundregeln der Demokratie, sich an Versprechen zu halten.
Abschaffung der „künstlichen Spaltung“ bei Vivantes
Als weiteres Argument führen die Gewerkschaften die Krisenfähigkeit an: Beschäftigte des Mutterkonzerns könnten im Krisenfall dienstverpflichtet werden, jene der Tochterfirmen jedoch nicht. Laut Gisela Neunhöffer sei es „völlig absurd“, Beschäftigte, die essentiell zum Krankenhaus gehören, „künstlich zu spalten“. Ohne Reinigung, Sterilisation oder Patientenbegleitung sei kein Krankenhausbetrieb möglich. Ein Vivantes-Konzerns ohne diese Mitarbeiter würde in einer Krise nicht funktionieren.


