Die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe hat die Festnahme eines mutmaßlichen Spions für Russland in Nordrhein-Westfalen bekannt gegeben. Der ukrainische Staatsangehörige Vitalii M. wurde bereits am Freitag in Hagen vorläufig festgenommen und sitzt seit Samstag in Untersuchungshaft.
Dem Beschuldigten wird den Angaben zufolge geheimdienstliche Agententätigkeit nach Paragraf 99 Absatz 1 Nummer 1 des Strafgesetzbuches vorgeworfen. Diese Vorschrift stellt unter Strafe, wer für den Geheimdienst einer fremden Macht eine geheimdienstliche Tätigkeit gegen die Bundesrepublik Deutschland ausübt. Im Grundtatbestand droht eine Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren, in besonders schweren Fällen bis zu zehn Jahre.
Verdächtiger späht Ukraine-Kämpfer aus
Laut dem Haftbefehl soll Vitalii M. spätestens seit November 2025 im Auftrag eines russischen Geheimdienstes Informationen über einen in Deutschland lebenden Mann gesammelt haben. Die Zielperson hatte sich nach Beginn des russischen Angriffskrieges wohl für die ukrainischen Streitkräfte an Kampfhandlungen beteiligt.
Die Bundesanwaltschaft geht davon aus, dass die Ausspähaktion vermutlich auch der Vorbereitung weiterer geheimdienstlicher Operationen gegen die Zielperson diente. Die polizeilichen Ermittlungen führt das Polizeipräsidium Hagen.
Dritter Spionagefall innerhalb weniger Monate
Der Fall reiht sich in eine wachsende Serie russischer Geheimdienstoperationen auf deutschem Boden ein. Erst wenige Tage zuvor hatte die Bundesanwaltschaft zwei Personen festnehmen lassen, die einen Drohnen-Lieferanten für die Ukraine ausgespäht haben sollen. Im Januar 2026 wurde in Berlin eine Deutsch-Ukrainerin gefasst, die über einen Kontaktmann in der russischen Botschaft kriegsrelevante Informationen weitergegeben haben soll. Seit März 2026 läuft zudem in Stuttgart ein Prozess gegen drei Ukrainer, die im russischen Auftrag Sabotageakte mit Paketbomben vorbereitet haben sollen.
Das Bundesamt für Verfassungsschutz warnt vor einer deutlich verschärften Bedrohungslage durch russische Spionage und Sabotage seit Beginn des Angriffskrieges gegen die Ukraine. Russische Dienste setzen dabei zunehmend auf sogenannte Wegwerfagenten – Personen, die über soziale Medien oder Telegram für geringe Geldbeträge angeworben werden und oft nicht wissen, dass sie für einen Geheimdienst arbeiten.


