In der pakistanischen Hauptstadt Islamabad haben in einem Klima gegenseitigen Misstrauens Gespräche zwischen den USA und dem Iran begonnen. Nach Angaben pakistanischer Regierungskreise, über die die BBC berichtet, laufen inzwischen trilaterale direkte Gespräche zwischen den USA, dem Iran und Pakistan. Zuvor waren die Kontakte zunächst indirekt über Vermittler geführt worden.
Während die Delegationen um eine Beruhigung des Konflikts ringen, verschärft US-Präsident Donald Trump den Ton deutlich. Die USA hätten begonnen, Minen in der strategisch wichtigen Straße von Hormus zu räumen, schrieb Trump auf seiner Plattform Truth Social. Dies geschehe „als Gefallen für Länder auf der ganzen Welt“, darunter China, Japan, Südkorea, Frankreich und Deutschland. Diese hätten „nicht den Mut oder den Willen“, selbst zu handeln.
Zugleich erklärte Trump, Irans Militär sei weitgehend zerstört, Marine und Luftwaffe „nicht mehr existent“. Öltanker aus zahlreichen Staaten würden nun in die USA fahren, um dort zu laden. Tatsächlich zeigen aktuelle Daten des Analyseunternehmens Kpler eine deutliche Verschiebung: Demnach waren zuletzt 68 leere Tanker auf dem Weg in die USA, um dort Öl zu laden. Vor Beginn des Krieges lag die Zahl bei 24, im Jahresdurchschnitt bei etwa 27. Ein Analyst sprach laut der Financial Times von einer regelrechten „Armada“ an Schiffen, die amerikanische Häfen ansteuert.erikanische Häfen ansteuert.
US-Vizepräsident J.D. Vance war am Samstagmorgen mit einer hochrangigen Delegation in Islamabad eingetroffen. Zu dem Team gehören unter anderem der Sondergesandte Steve Witkoff sowie Jared Kushner, der Schwiegersohn von US-Präsident Donald Trump. Empfangen wurden sie vom pakistanischen Armeechef Asim Munir und Außenminister Ishaq Dar, wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet.
Die iranische Delegation unter Parlamentspräsident Mohammad Bagher Ghalibaf und Außenminister Abbas Araghtschi war bereits am Freitag in der pakistanischen Hauptstadt angekommen.
Erste direkte Kontakte seit Jahren
Die geplanten Gespräche haben eine besondere Bedeutung. Es ist das erste offizielle direkte Treffen zwischen Vertretern der USA und des Iran seit dem Atomabkommen von 2015.
Nach der Islamischen Revolution 1979 gab es über Jahrzehnte hinweg keine direkten Verhandlungen auf dieser Ebene. US-Präsident Donald Trump hatte das Atomabkommen 2018 während seiner ersten Amtszeit aufgekündigt und damit eine neue Phase der Konfrontation eingeläutet.

Teheran stellt Bedingungen – Beginn ungewiss
Nach fast sechs Wochen Krieg hatten sich die Konfliktparteien auf eine zweiwöchige Feuerpause geeinigt. In dieser Zeit soll unter Vermittlung Pakistans eine dauerhafte Friedenslösung ausgehandelt werden. Vor Beginn der Gespräche traf Vance den pakistanischen Premierminister Shehbaz Sharif. Dieser würdigte laut Mitteilung seines Büros „das Engagement beider Delegationen für einen konstruktiven Dialog“ und äußerte die Hoffnung, die Gespräche könnten „als Sprungbrett für einen dauerhaften Frieden in der Region dienen“. Pakistan sei bereit, seine Vermittlungsbemühungen fortzusetzen, um Fortschritte auf dem Weg zu einem nachhaltigen Frieden zu ermöglichen.
Bis kurz vor Beginn war offen, ob die Gespräche überhaupt stattfinden würden. Teheran knüpft seine Teilnahme an mehrere Vorbedingungen. Parlamentspräsident Mohammad Bagher Ghalibaf erklärte laut iranischen Staatsmedien, eingefrorene Vermögenswerte müssten freigegeben werden. Darüber hinaus fordert der Iran nach Angaben von Reuters eine Lockerung der Sanktionen, Sicherheitsgarantien sowie die Einbindung zentraler Streitpunkte wie der Straße von Hormus in mögliche Vereinbarungen. Zudem verlangt Teheran einen Waffenstillstand im Libanon als Voraussetzung für Verhandlungen.
Die USA und Israel weisen die Forderung zurück, den Libanon-Konflikt in die Gespräche einzubeziehen. Aus ihrer Sicht gehört dieser nicht zur vereinbarten Feuerpause zwischen Washington und Teheran, sondern soll getrennt davon verhandelt werden. Berichten zufolge sollen die USA und der Libanon Israel aufgefordert haben, die Angriffe gegen die Hisbollah vor den Gesprächen auszusetzen.
Das israelische Militär und die proiranische Hisbollah-Miliz liefern sich trotz dessen weiter Gefechte. Bei verschiedenen Angriffen in der Gegend um Nabatija im Süden des Libanon seien zehn Menschen getötet worden, teilte das Gesundheitsministerium in Beirut mit, ein Wohngebäude wurde zerstört. Unter den Opfern waren demnach erneut auch Sanitäter. Auch ein Mitarbeiter des Zivilschutzes sei getötet worden.
Das Israels Armee erklärte, sie gehe weiter gegen Raketenstellungen der Hisbollah vor und habe entsprechende Ziele angegriffen. Die Hisbollah wiederum reklamierte erneut Angriffe auf israelische Stellungen für sich.
Druck aus Washington
In Washington ist der Ton vor den Gesprächen deutlich verschärft worden. Trump drohte am Freitag in einem Interview mit der New York Post, die USA bereiteten sich militärisch auf ein Scheitern der Verhandlungen vor. Kriegsschiffe würden bereits mit „der besten Munition und den besten Waffen“ beladen. Sollte kein Abkommen zustande kommen, werde man diese „sehr effektiv einsetzen“.
Vance zeigte sich vor seiner Abreise nach Pakistan zwar zuversichtlich, machte jedoch klare Grenzen deutlich. „Wenn die Iraner bereit sind, ernsthaft zu verhandeln, sind wir bereit, ihnen die Hand zu reichen“, sagte er. Sollten sie jedoch „Spielchen“ versuchen, werde das US-Team nicht darauf eingehen.
Krieg, Sanktionen und Hormus als zentrale Streitpunkte
Die Gespräche finden vor dem Hintergrund eines erst vor wenigen Tagen vereinbarten Waffenstillstands statt. Nach mehr als fünf Wochen Krieg hatten die USA und der Iran eine zweiwöchige Feuerpause verkündet.
- das iranische Atom- und Raketenprogramm
- die Aufhebung der Sanktionen und Freigabe eingefrorener Vermögenswerte
- die Kontrolle über die Straße von Hormus
- der Konflikt im Libanon
Besonders die Lage in der Straße von Hormus hat globale Auswirkungen. Die von Iran kontrollierte Meerenge ist eine der wichtigsten Transportrouten für Öl und Gas. Störungen dort haben bereits zu erheblichen Verwerfungen auf den Energiemärkten geführt.
Ausnahmezustand in Islamabad
Die pakistanische Hauptstadt steht während der Gespräche unter massiven Sicherheitsvorkehrungen. Tausende Sicherheitskräfte sind im Einsatz, wichtige Straßen wurden gesperrt. Pakistans Innenministerium spricht laut Reuters von einem „mehrschichtigen Sicherheitskonzept“, das eine störungsfreie Durchführung der Verhandlungen gewährleisten soll.



