Ukraine-Krieg

Ukrainische Drohnen treffen russische Ölhäfen an der Ostsee

Nach Angriffen auf die Ostseehäfen Ust-Luga und Primorsk wurden dort die Verladungen ausgesetzt. Beide Terminals sind für Russlands Rohöl- und Diesel-Export zentral.

Tanks des staatlichen Ölpipeline-Betreibers Transneft im Ölterminal von Ust-Luga
Tanks des staatlichen Ölpipeline-Betreibers Transneft im Ölterminal von Ust-Lugadpa/Stringer

Die russischen Ostseehäfen Ust-Luga und Primorsk haben am Mittwoch die Verladung von Rohöl und Ölprodukten eingestellt. Anlass war ein ukrainischer Drohnenangriff in der Nacht zum 25. März, nach dem im Hafengebiet von Ust-Luga ein Brand ausgebrochen war, wie zwei Branchenquellen Reuters sagten. Die Nachrichtenagentur bezeichnete den Angriff als einen der schwersten Schläge gegen russische Öl-Exportanlagen seit Beginn des Ukraine-Krieges.

Alexander Drosdenko, Gouverneur des Leningrader Gebiets, teilte am Mittwoch mit, das Feuer sei nach einem ukrainischen Drohnenangriff auf die Region ausgebrochen. Opfer gebe es nach bisherigem Stand nicht. Ein mit der Lage vertrauter Insider sagte Reuters unter der Bedingung der Anonymität, das Terminal sei abgeriegelt worden und Tanks stünden in Flammen.

Die beiden Häfen Ust-Luga und Primorsk befinden sich westlich von Sankt Petersburg und liegen rund 140 Kilomter auseinander.

Rauch bis nach Finnland sichtbar

Auf nicht verifizierten Telegram-Videos waren am Mittwoch dichte schwarze Rauchsäulen über dem Finnischen Meerbusen zu sehen. Reuters berichtete unter Berufung auf Quellen, der Brand sei bis nach Finnland sichtbar gewesen. Mutmaßlich handelte es sich dabei um das Feuer im Hafen Ust-Luga.

Das ukrainische Verteidigungsportal ArmyInform meldete am selben Tag, die Streitkräfte hätten in einer gemeinsamen Operation Anlagen eines russischen Öl- und Gaskonzerns im Hafengebiet nahe Sankt Petersburg getroffen.

Zweiter Exportstopp innerhalb weniger Tage

Die Ukraine hat zuletzt die Angriffe auf das russische Hinterland verstärkt. In der Nacht zu Montag wurde der Hafen Primorsk bei einem Drohnenangriff beschädigt. Ein Treibstofftank hatte Berichten zufolge Feuer gefangen.

Schon im September 2025 war Primorsk Ziel eines ukrainischen Drohnenangriffs. Dabei wurden Teile der Liegeplätze getroffen, die Öllieferungen waren danach für mehrere Tage unterbrochen. Der Angriff galt auch deshalb als bemerkenswert, weil Primorsk als größter russischer Ölhafen an der Ostsee weit von der ukrainischen Grenze entfernt liegt. Er passte damit in die ukrainische Strategie, nicht nur Ziele nahe der Front, sondern auch Raffinerien, Energieanlagen und andere kriegswichtige Infrastruktur tief im russischen Hinterland anzugreifen.

Der erneute Lieferstopp am Mittwoch trifft damit zwei der wichtigsten Öl-Exportterminals des Landes. Primorsk kann nach Branchenangaben täglich mehr als eine Million Barrel Rohöl umschlagen und ist ein zentraler Verladeort für den russischen Leitöltyp Urals sowie für Diesel. Ust-Luga setzte im vergangenen Jahr laut Branchenquellen 32,9 Millionen Tonnen Ölprodukte um, Primorsk 16,8 Millionen Tonnen.

Das russische Verteidigungsministerium erklärte am Mittwoch, in der Nacht seien landesweit 389 ukrainische Drohnen abgefangen worden, darunter auch über dem Leningrader Gebiet. Die Ukraine hat ihre Angriffe auf russische Energieanlagen in den vergangenen Wochen verstärkt – mit dem Ziel, Russlands Kriegswirtschaft zu schwächen, während die von Washington vermittelten Friedensgespräche stocken.