Ukraine-Krieg

Ukraine trifft Putins Ölindustrie erneut – Feuer in Tuapse lodern weiter

Die Ukraine hat das Ölterminal im russischen Tuapse bereits zum vierten Mal binnen zwei Wochen attackiert. Die Angriffe setzen Russlands wichtige Ölindustrie zunehmend unter Druck.

Dichte Rauchwolken über Tuapse nach früheren Angriffen auf das Ölterminal am Schwarzen Meer.
Dichte Rauchwolken über Tuapse nach früheren Angriffen auf das Ölterminal am Schwarzen Meer.Boris Morozov/Tass/imago

Ukrainische Drohnen haben in der Nacht zum Freitag erneut das russische Ölterminal und die Raffinerie in Tuapse am Schwarzen Meer angegriffen. Russische Behörden bestätigten einen Brand an der Anlage in der Region Krasnodar. Tote oder Verletzte habe es nach offiziellen Angaben nicht gegeben.

Es war bereits der vierte Angriff auf die strategisch wichtige Anlage innerhalb von zwei Wochen. Die Ukraine hatte Attacken auf Tuapse bereits am 16., 20. und 28. April bestätigt. Nach dem dritten Angriff war in dem Gebiet sogar der Ausnahmezustand ausgerufen worden.

Russlands Katastrophenschutz hatte erst am Dienstag erklärt, die tagelangen Brände in Tuapse seien gelöscht worden. Nur einen Tag später gingen die Anlagen nach neuen Drohnenangriffen erneut in Flammen auf.

Russische Flugabwehr erneut überfordert

Anwohner berichteten in sozialen Netzwerken von Explosionen und intensiver Flugabwehr über der Hafenstadt. Nach Angaben russischer Telegram-Kanäle wurden mindestens zehn Drohnen abgeschossen. Zeitweise galten Beschränkungen an Flughäfen der Region. Das russische Verteidigungsministerium erklärte später, landesweit seien in der Nacht insgesamt 141 ukrainische Drohnen abgefangen worden. Unabhängig überprüfen ließen sich diese Angaben zunächst nicht.

Die Raffinerie von Tuapse verarbeitet nach ukrainischen Angaben rund zwölf Millionen Tonnen Öl pro Jahr. Bereits die ersten Angriffe hatten schwere Schäden verursacht. Zahlreiche Tanks wurden zerstört oder beschädigt, ebenso Anlagen zum Verladen von Öl auf Schiffe.

Umweltprobleme und Druck auf Russlands Ölindustrie

Nach den Angriffen kam es offiziellen Angaben zufolge auch zu Ölverschmutzungen und erhöhten Schadstoffwerten in der Luft. Das einst beliebte Urlaubsziel am Schwarzen Meer steht seit Tagen unter dichtem Rauch. Kremlchef Wladimir Putin räumte zuletzt Umweltprobleme ein, erklärte jedoch, die Lage sei unter Kontrolle.

Die Angriffe passen zu einer breiteren Strategie Kiews, russische Öl- und Logistikinfrastruktur immer tiefer im Hinterland zu treffen. Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte erst am Mittwoch erklärt, die Ukraine habe zuletzt ein Ziel mehr als 1500 Kilometer von der Grenze entfernt getroffen. Dabei soll nach Angaben des ukrainischen Geheimdienstes SBU eine Ölpumpstation nahe der russischen Stadt Perm attackiert worden sein. Selenskyj sprach von einer „neuen Etappe“ ukrainischer Angriffe auf Russlands Kriegswirtschaft.

Nach Daten der Nachrichtenagentur Bloomberg erreichten ukrainische Angriffe auf russische Ölanlagen im April den höchsten Stand seit vier Monaten. Demnach sank die russische Raffineriekapazität zeitweise auf den niedrigsten Wert seit 2009.

Russland verstärkt Drohnenangriffe auf Ukraine

Parallel dazu intensivierte auch Russland seine Luftangriffe auf die Ukraine. Nach einer Auswertung der Nachrichtenagentur AFP setzte die russische Armee im April mindestens 6583 Langstreckendrohnen gegen ukrainisches Gebiet ein – so viele wie in keinem Monat seit Beginn des Kriegs.

Allein in der Nacht zum Freitag wurden bei russischen Angriffen auf die Hafenstadt Odessa nach ukrainischen Angaben Wohnhäuser getroffen. Zwei Menschen wurden verletzt. Rettungskräfte betreuten zudem zahlreiche Bewohner wegen Schocksymptomen.