Die Ukraine hofft nach einer Lockerung japanischer Waffenexportregeln erstmals auf direkte Militärlieferungen aus Tokio. „Das erlaubt uns, darüber zu sprechen“, sagte der ukrainische Botschafter in Japan, Jurij Lutowinow, der Nachrichtenagentur Reuters. „Theoretisch ist das ein sehr großer Schritt nach vorn.“
Die Regierung von Premierministerin Sanae Takaichi hatte vergangene Woche neue Ausnahmen bei den bislang strengen Exportregeln beschlossen. Zwar bleiben Waffenlieferungen in aktive Kriegsgebiete offiziell verboten. Künftig sind jedoch Ausnahmen möglich, wenn Japans eigene Sicherheitsinteressen betroffen sind. In Kiew wird das als möglicher Wendepunkt gesehen.
Japan fürchtet Folgen eines russischen Sieges
Japans Regierung verbindet den Ukraine-Krieg zunehmend mit der eigenen Sicherheitslage in Ostasien. Tokio warnt seit Jahren vor Chinas wachsendem militärischem Druck rund um Taiwan. Teile des japanischen Staatsgebiets liegen nur rund 110 Kilometer von der Insel entfernt.
Bereits kurz nach Beginn des russischen Angriffskriegs hatte Japans damaliger Premierminister Fumio Kishida erklärt: „Die Ukraine von heute könnte Ostasien von morgen sein.“ Seine Nachfolgerin Takaichi treibt den militärischen Ausbau Japans weiter voran.
Auch Botschafter Lutowinow zog diese Verbindung nun deutlich. Sollte die Ukraine verlieren, könne dies einen geopolitischen „Dominoeffekt“ auslösen. Sicherheit in Europa und im Indopazifik lasse sich nicht mehr voneinander trennen.
Streit mit Russland wegen ukrainischer Drohnen
Die Beziehungen zwischen Russland und Japan hatten sich zuletzt bereits wegen gemeinsamer Drohnenprojekte mit der Ukraine massiv verschlechtert. Das Tokioter Unternehmen Terra Drone kündigte erst diese Woche eine neue Partnerschaft mit dem ukrainischen Hersteller WinnyLab an. Gemeinsam sollen Abfangdrohnen weiterentwickelt werden. Bereits im März hatte Terra Drone in ein weiteres ukrainisches Drohnenunternehmen investiert.
Russland reagierte damals scharf. Das Außenministerium in Moskau bestellte den japanischen Botschafter ein und sprach von einem „offen feindseligen“ Schritt, der russische Sicherheitsinteressen verletze. Die Beziehungen zu Japan hätten unter der Regierung Takaichi „einen historischen Tiefpunkt“ erreicht.
Ukraine wirbt um Luftabwehr und Investitionen
Die Ukraine hofft nun nicht nur auf Technologiekooperationen, sondern auch auf Hilfe bei Luftabwehrsystemen. Laut Lutowinow könnte Japan Investitionen für neue ukrainische Abwehrsysteme bereitstellen, um die Abhängigkeit von US-Patriot-Raketen zu reduzieren. „Wir haben alle industriellen Kapazitäten für die Produktion. Aber wir brauchen Investitionen“, sagte der Botschafter Reuters.
Zudem laufen nach seinen Angaben Gespräche über eine mögliche Beteiligung Japans an einem Nato-Programm zur Finanzierung von Waffen und Munition für die Ukraine.
Auch japanische Elektronikhersteller könnten für die ukrainische Drohnenproduktion wichtiger werden. Bislang stammen viele Komponenten aus China. „Wir wollen nicht nur bitten“, sagte Lutowinow. „Die Technologie Japans und die Erfahrung der Ukraine zusammen könnten ein Produkt höchster Klasse schaffen.“


