Energiepolitik

Übergewinnsteuer für Energiekonzerne: Brüssel stoppt Klingbeils Plan

Der Finanzminister wollte hohe Krisengewinne der Energiebranche EU-weit zusätzlich besteuern. Die Kommission winkt nun ab – und verweist die Mitgliedstaaten auf nationale Lösungen.

Die EU-Kommission hat Lars Klingbeil (SPD), Bundesminister der Finanzen, eine Absage erteilt.
Die EU-Kommission hat Lars Klingbeil (SPD), Bundesminister der Finanzen, eine Absage erteilt.Markus Lenhardt/dpa

Die EU-Kommission hat einer von Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) und mehreren europäischen Amtskollegen geforderten Sondersteuer auf überhöhte Krisengewinne von Energiekonzernen eine Absage erteilt. Eine EU-weite Regelung ist demnach derzeit nicht vorgesehen.

„Die Kommission hat derzeit keine Pläne, Übergewinnsteuern einzuführen, und wir werden nicht darüber spekulieren, ob solche Maßnahmen in Zukunft eingeführt werden oder nicht“, sagte eine Sprecherin der Brüsseler Behörde. Für die Bundesregierung bedeutet die Absage einen Rückschlag: Klingbeil hatte sich gemeinsam mit den Finanz- beziehungsweise Wirtschaftsministern aus Österreich, Italien, Portugal und Spanien für eine solche Abgabe starkgemacht.

Einstimmigkeit der Mitgliedstaaten erforderlich

Energiekommissar Dan Jorgensen hatte bereits am Mittwoch in Brüssel erklärt, eine Entscheidung über eine Abgabe auf EU-Ebene setze die Einigkeit aller Mitgliedstaaten voraus. Diese sehe die Kommission derzeit nicht.

Die Mitgliedstaaten könnten sich aber auf ihre nationalen fiskalischen Befugnisse stützen und entsprechende Maßnahmen zur Besteuerung von Übergewinnen selbst gestalten, hieß es weiter aus der Behörde. „Die Kommission wird die Entscheidungen der Mitgliedstaaten respektieren sowie Unterstützung leisten, bewährte Verfahren für nationale Maßnahmen bereitstellen und deren Auswirkungen auf den Binnenmarkt bewerten“, so die Sprecherin.

Streit innerhalb der Bundesregierung

Damit liegt die Frage einer möglichen Übergewinnsteuer nun politisch wieder allein in Berlin – und sorgt dort weiter für Spannungen innerhalb der schwarz-roten Koalition. Während Klingbeil als Finanzminister für die Abgabe wirbt, hat Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) den Vorstoß ihres Kabinettskollegen kritisiert. Eine gemeinsame Linie der Regierung ist damit bislang nicht erkennbar.

Die EU-Kommission plant darüber hinaus, demnächst einen Legislativvorschlag zur Besteuerung vorzulegen. Damit soll unter anderem sichergestellt werden, dass Strom geringer besteuert wird als fossile Brennstoffe. Für die Industrie und private Verbraucher in Deutschland könnte das mittelfristig spürbare Folgen für die Energiepreise haben. (mit AFP)