Gas-Transport

Serbien: Vucic meldet Fund von Sprengstoff nahe Gas-Pipeline nach Ungarn

In Serbien wurde nach Angaben des Präsidenten Vucic Sprengstoff nahe einer wichtigen Gas-Pipeline gefunden. Auch der ungarische Ministerpräsident äußert sich dazu.

Der ungarische Ministerpräsident Viktor Orbán (r.) und der serbische Präsident Aleksandar Vucic (l.) bei einem Treffen im Jahr 2024
Der ungarische Ministerpräsident Viktor Orbán (r.) und der serbische Präsident Aleksandar Vucic (l.) bei einem Treffen im Jahr 2024Attila Volgyi/imago

Die serbische Polizei und Armee haben nach Angaben von Präsident Aleksandar Vucic Sprengstoff in der Nähe einer Gaspipeline Richtung Ungarn entdeckt. „Unsere Einheiten haben Sprengstoff von verheerender Kraft gefunden“, schrieb Vucic laut der Nachrichtenagentur Reuters auf Instagram. Dieser habe sich in zwei Rucksäcken befunden, die am Sonntag „wenige hundert Meter von der Gaspipeline entfernt“ entdeckt worden seien.

Er habe mit dem ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orbán telefoniert und ihm versichert, ihn über den Stand der Ermittlungen auf dem Laufenden zu halten, hieß es. Orbán erklärte auf X, er habe für Sonntagnachmittag eine Dringlichkeitssitzung des Verteidigungsrates einberufen.

Die Rucksäcke mit Sprengstoff wurden nach serbischen Angaben von Polizei und Armee in der nordserbischen Stadt Kanjiza entdeckt. Über die nahegelegene Pipeline Balkan Stream gelangt russisches Gas über Serbien nach Ungarn. Die Pipeline sei Teil der „kritischen Gasinfrastruktur“, erklärte Orban und berief eine Dringlichkeitssitzung des Nationalen Verteidigungsrats ein.

Vucic: Zünder und Sprengstoff gefunden

Die Balkan Stream-Pipeline, eine Erweiterung der TurkStream-Pipeline, transportiert russisches Erdgas über den Balkan nach Mittel- und Osteuropa, unter anderem nach Ungarn. Vucic erklärte laut Bloomberg, dass Zünder zusammen mit dem nicht näher spezifizierten Sprengstoff gefunden wurden. Schäden wurden zunächst nicht gemeldet.

„Die serbische Armee konnte heute einen Anschlag auf die vitalen Interessen des Landes verhindern“, sagte der serbische Präsident dem Bericht zufolge in einer Stellungnahme, die von einem lokalen Fernsehsender übertragen wurde. „Serbien wird gegen jeden, der seine lebenswichtige Infrastruktur bedroht, unerbittlich vorgehen.“

Der Fundort befindet sich laut Bloomberg in der Nähe der Stadt Kanjiza, rund zehn Kilometer von der ungarischen Grenze entfernt. Weder serbische noch ungarische Behörden machten zunächst Angaben über mögliche Tatverdächtige.

Magyar spricht von möglicher Inszenierung vor der Wahl

Der ungarische Oppositionspolitiker Peter Magyar sprach von einer mutmaßlichen „Aktion unter falscher Flagge“ kurz vor der Wahl. Orbán sei „über die ersten Ermittlungsergebnisse“ informiert worden, sagte Vucic. Er ist ein Verbündeter im Nachbarland, dessen Partei Fidesz in Umfragen vor der Wahl am 12. April deutlich hinter der oppositionellen Tisza-Partei von Magyar liegt.

Magyar zeigte sich im Onlinedienst X skeptisch angesichts des mutmaßlichen Funds. „Seit Wochen erhalten wir aus mehreren Quellen Warnungen, dass Orban - angeblich mit serbischer und russischer Unterstützung - planen könnte, eine weitere Grenze zu überschreiten.“ Es habe Andeutungen gegeben, „dass über Ostern in Serbien möglicherweise ‚zufällig‘ etwas passieren könnte, möglicherweise unter Beteiligung einer Gaspipeline“.

Wahlen in Ungarn stehen bevor

Bereits im Februar hatte Orbán die Sicherheitsvorkehrungen rund um die Energieinfrastruktur in Ungarn verstärken lassen. Damals erklärte er laut Bloomberg wiederholt, die Ukraine plane Maßnahmen zur Störung der ungarischen Energieversorgung. Zwischen Budapest und Kiew schwelt seit Wochen ein Streit über die Unterbrechung von Öllieferungen über die Druschba-Pipeline.