Nahost

Sirenen auf Nato-Stützpunkt Incirlik: Türkei meldet Rakete aus dem Iran

Der Konflikt mit dem Iran rückt näher an Nato-Territorium. Nach mehreren abgefangenen Raketen warnt die Türkei den Führern des Iran vor weiteren „provokativen Schritten“.

Ein US-Soldat auf dem Nato-Luftwaffenstützpunkt Incirlik in der Türkei. Der Stützpunkt gilt als wichtiger militärischer Standort der Allianz im Nahen Osten.
Ein US-Soldat auf dem Nato-Luftwaffenstützpunkt Incirlik in der Türkei. Der Stützpunkt gilt als wichtiger militärischer Standort der Allianz im Nahen Osten.IMAGO/Eren Bozkurt

Eine aus dem Iran gestartete ballistische Rakete ist nach Angaben des türkischen Verteidigungsministeriums in den Luftraum der Türkei eingedrungen und von Nato-Luftabwehrsystemen abgefangen worden. Die Abwehr sei durch in der östlichen Mittelmeerregion stationierte Luft- und Raketenabwehrkräfte der Allianz erfolgt, erklärte das Ministerium.

Nach türkischen Angaben handelt es sich bereits um den dritten solchen Vorfall innerhalb weniger Tage. Seit Beginn des Monats hätten Nato-Systeme mehrere ballistische Geschosse abgefangen, die aus dem Iran in Richtung Türkei geflogen seien.

Sirenen auf Nato-Stützpunkt Incirlik

Zeitgleich berichteten türkische Medien über Sirenen auf dem von der Nato genutzten Luftwaffenstützpunkt Incirlik im Süden des Landes. Bewohner der nahe gelegenen Stadt Adana seien gegen 03.25 Uhr Ortszeit durch den Alarm geweckt worden, der mehrere Minuten anhielt.

Videos in sozialen Netzwerken zeigten nach Angaben lokaler Medien ein leuchtendes Objekt am Himmel, bei dem es sich möglicherweise um eine Rakete gehandelt habe. Offizielle Stellen äußerten sich zunächst nicht dazu, ob der Nato-Stützpunkt selbst Ziel des Geschosses war.

Der Luftwaffenstützpunkt Incirlik gilt als einer der wichtigsten militärischen Standorte der Allianz im Nahen Osten. Auf dem Gelände sind unter anderem US- und Nato-Truppen stationiert, die dort logistische und militärische Operationen in der Region unterstützen.

Nato verstärkt Luftverteidigung

Die jüngsten Zwischenfälle stehen im Zusammenhang mit der Eskalation des Konflikts zwischen dem Iran und seinen Gegnern im Nahen Osten. In den vergangenen Tagen wurden nach Angaben Ankaras mehrere Raketen abgefangen, die in Richtung türkischen Luftraums unterwegs waren. Die Nato hat daraufhin ihre Luftverteidigung in der Region verstärkt. Obwohl die Türkei innerhalb der Nato über die zweitgrößte Armee verfügt, besitzt das Land bislang kein vollständig eigenes Luftverteidigungssystem.

Die Türkei kündigte zudem an, ein US-amerikanisches Patriot-Flugabwehrsystem im Zentrum des Landes zu stationieren. In der Provinz Malatya befindet sich außerdem der Nato-Radarstützpunkt Kürecik, der laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters wichtige Daten für das Bündnis liefert und in den vergangenen Tagen dazu beitrug, zwei Raketen zu identifizieren, die sich der Türkei näherten.

Nach dem Abschuss einer Rakete am Montag telefonierten der iranische Präsident Massud Peseschkian und der türkische Staatschef Recep Tayyip Erdogan miteinander. Das türkische Präsidialamt erklärte auf X, Peseschkian habe dabei gesagt, die Raketen, die in den türkischen Luftraum eingedrungen seien, seien „nicht iranischen Ursprungs“. Erdogan entgegnete demnach, eine Verletzung des türkischen Luftraums sei unter keinen Umständen akzeptabel und die Türkei werde „alle notwendigen Maßnahmen“ dagegen ergreifen.

Türkei warnt Irans Führung

Die türkische Regierung warnte den Iran wiederholt vor weiteren Verletzungen des türkischen Luftraums. Außenminister Hakan Fidan erklärte in einem Telefonat mit seinem iranischen Amtskollegen, solche Vorfälle seien „inakzeptabel“ und könnten Konsequenzen haben.

Teheran hat nach früheren Zwischenfällen bestritten, gezielt Raketen auf die Türkei abgefeuert zu haben. Der Iran-Krieg droht jedoch zunehmend auf weitere Länder der Region überzugreifen.