Die Ölpreise schlugen am Montag Kapriolen: Zunächst stiegen die Preise zeitweise auf über 119 Dollar pro Barrel und erreichten damit ein Niveau, das seit Mitte 2022 nicht mehr beobachtet wurde. Grund dafür waren die Produktionskürzungen einiger großer Produzenten und die Angst vor anhaltenden Lieferunterbrechungen aufgrund des eskalierenden Krieges zwischen den USA und Israel mit dem Iran. Der Preis sank erst wieder, als die G7-Staaten Überlegungen bekanntgaben, über die Internationale Energie Agentur (IEA) gemeinsam Teile ihrer strategischen Ölreserven auf den Markt zu werfen. Die 32 Mitglieder der IEA halten seit dem Ölpreisschick von 1974 strategische Reserven als Teil eines gemeinsamen Notfallsystems für Ölpreiskrisen. Der Ölpreis stieg am Montagnachmittag erneut, nachdem Frankreich den Plan zum Scheitern brachte. Am Abend schließlich - um 18 MEZ - fielen die Preise wieder auf knapp unter die 100 Dollar-Marke.
Ob die Ausschläge von Insidern benutzt wurden ist nicht bekannt. Die Vorab-Kenntnis politischer Entscheidungen - vor allem der US-Administration - ermöglichen aktuell hohe Gewinn durch Spekulation und Hedging.
Öl-Lager werden gefüllt, weil nicht geliefert werden kann
Für die reale Wirtschaft bliebt die Frage, ob die vorübergehende Nutzung der strategischen Reserven ausreichen würde, um die Probleme rasch in Griff und die Preise wieder nachhaltig zu senken. Denn die Straße von Hormus ist faktisch gesperrt. Daher hat Saudi-Arabien laut Bloomberg mit der Drosselung der Ölproduktion begonnen, da die Blockade der Straße von Hormus die Lagertanks füllt. Gleichzeitig versucht Saudi-Arabien, einen Teil der Lieferungen über das Rote Meer umzuleiten. Die Kürzungen der Saudis, des weltweit größten Ölexporteurs, folgen Produktionseinschränkungen der Vereinigten Arabischen Emirate, Kuwaits und des Irak. Einige dieser Länder haben die Produktion vorsorglich reduziert, um eine zu schnelle Überlastung der Lager und einen vollständigen Produktionsstopp zu vermeiden. Allerding haben die Golfstaaten nur noch wenig Spielraum. Die Lager sind laut dem Datenprovider Kayrros bereits zu 80 Prozent gefüllt. Hält der Krieg länger an, muss die Produktion eingestellt werden. Das ist keine Kleinigkeit, die jederzeit wieder rückgängig gemacht werden kann, im Gegenteil: Existierende Produktionsstätten laufen Gefahr, über lange Zeit oder gar für immer auszufallen.
Ungarn fordert russisches Öl
Besonders betroffen sind die EU, China und weite Teile Asiens. Die ungarische Regierung hat die EU aufgefordert, das Verbot der Nutzung russischen Öls und Gases in allen EU-Ländern aufzuheben, um eine Energieknappheit und einen starken Preisanstieg infolge der Spannungen im Nahen Osten zu verhindern. Dies erklärte der ungarische Außenminister Péter Szijjártó im Anschluss an Dringlichkeitssitzungen des Verteidigungs- und des Energiesicherheitsrates laut dem TV-Sender M1. Bleibt das Verbot bestehen, würde dies „der europäischen Wirtschaft einen extrem schweren Schlag versetzen“. Szijjártó sagte, die EU müsse „unverzüglich und ohne ideologische Vorurteile im Interesse der europäischen Völker und der europäischen Wirtschaft handeln“.
Streit zwischen USA und Israel
Die israelische Luftwaffe hatte am Sonntag mehrere Ölanlagen im Iran in Brand gesetzt. Ob dies in Abstimmung mit den Amerikanern geschehen ist ist unklar. Laut einem Bericht von Axios vom Sonntag ist es zu einem Disput zwischen den USA und Israel über Israels Angriffe auf 30 iranische Ölanlagen gekommen. Die Journalisten Barak Ravid und Marc Caputo schrieben, die Angriffe seien „weit über das hinausgegangen, was die USA erwartet hatten, nachdem Israel sie im Voraus informiert hatte“. Die USA befürchteten, dass „israelische Angriffe auf Infrastruktur, die der iranischen Bevölkerung dient, strategisch kontraproduktiv sein könnten, die iranische Gesellschaft zur Unterstützung des Regimes mobilisieren und die Ölpreise in die Höhe treiben“. Die israelischen Streitkräfte (IDF) erklärten in einer Stellungnahme, die Treibstofflager würden „vom iranischen Regime genutzt, um verschiedene Abnehmer, darunter auch das Militär, mit Treibstoff zu versorgen.“
Muss Nato ran?
Sollte es zu grundlegenden Differenzen zwischen der israelischen und der US-amerikanischen Regierung kommen, könnte unter Umstände die Nato Israel zur Seite stehen: Die Nato hat am Montag eine aus dem Iran auf die Türkei abgefeuerte ballistische Rakete abgefangen, wie das Verteidigungsministerium mitteilte. Bereits am 4. März hatte die Nato eine ähnliche Rakete abgefangen und daraufhin ihre Raketenabwehr in der Region verstärkt. Die tatsächliche Urheberschaft der Raketen ist zur Stunde unklar. Sollten sich die Angriffe wiederholen und die Täterschaft des Iran festgestellt werden, könnte dies den Bündnisfall auslösen. Teheran hatte zuvor erklärt, der Iran feuere keine Raketen auf die Nachbarn und hatte ausdrücklich die Türkei erwähnt. Ankara scheint sich auch noch nicht sicher zu, sein, wer die Rakete abgeschossen hat und rief „alle“ Kriegsteilnehmer, „insbesondere den Iran“, zu besonderer Zurückhaltung auf.
Wer will den Irak reinziehen?
Wie unübersichtlich die Lage ist zeigen Zwischenfälle und Desinformationen in der Region: Kuwait informierte den Irak, dass einige der Angriffe auf Kuwait von irakischem Territorium ausgingen, und bat Bagdad um Intervention, um diese zu beenden. Laut Al Jazeera teilte der Irak mit, dass das Land „die Logik des Krieges im Allgemeinen und insbesondere die Nutzung seines Territoriums als Ausgangspunkt für Angriffe auf Nachbarländer ablehnt“. Man werden „alle notwendigen Maßnahmen ergreifen, um die Verantwortlichen für jegliche Handlungen zu verfolgen, die den Interessen des Landes und seinen Beziehungen zu den Nachbarländern schaden“. Im Irak operieren unter anderem kurdische Verbände. Auch die USA und ihre Verbündete sind im Irak weiter präsent.
VAE empört über Falschmeldungen in Isarel
Die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) protestierten in sehr scharfen Worten gegen „Falschmeldungen“, die laut der Times of Israel mehrere israelische Medien zeitgleich in die Welt gesetzt hatten. Die Berichte zitierten anonyme israelische Beamte, die angaben, die Vereinigten Arabischen Emirate hätten nach Konsultationen zwischen Israel und den VAE am Wochenende eine Entsalzungsanlage im Iran angegriffen. Die VAE dementierten die Meldung entschieden. Ein israelischer Regierungssprecher ermahnte die Medien des Landes, Leaks niemals ungeprüft zu übernehmen.
Trumps Welt
Trump hält die Ölpreise in der ihm eigenen Logik für ein vorübergehendes Problem. Er schrieb auf seiner Website Truth Social: Die kurzfristigen Ölpreise, die nach dem Ende der iranischen Atombedrohung rapide fallen werden, sind ein sehr geringer Preis für die Sicherheit und den Frieden der USA und der Welt. Nur Narren würden das anders sehen! (letzter Satz in Großbuchstaben, also geschrien) Präsident DJT
Am Montag sagte Trump dem Sender CBS: „Der Krieg könnte bald vorbei sein.“ Die Ölpreise fielen daraufhin.
