US-Präsident Donald Trump hat nach eigenen Angaben direkt auf Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu eingewirkt, die Angriffe im Libanon einzudämmen. „Ich habe mit Bibi gesprochen, und er wird es ruhiger angehen“, sagte Trump dem Sender NBC News. Er habe Netanjahu gebeten, im Libanon „etwas zurückhaltender“ vorzugehen.
Kurz darauf berichtete die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf einen hochrangigen israelischen Beamten, Israel wolle seine Angriffe im Libanon zurückfahren und Gespräche über eine Entwaffnung der Hisbollah aufnehmen.
Gespräche in Washington geplant
Die Verhandlungen sollen nach Angaben mehrerer Quellen in der kommenden Woche in Washington stattfinden, wie unter anderem Axios berichtete. Ein Sprecher des US-Außenministeriums bestätigte gegenüber der AFP, die USA würden ein Treffen ausrichten, um „laufende Waffenstillstandsverhandlungen“ zwischen Israel und dem Libanon zu besprechen. Demnach sollen auf US-Seite der Botschafter im Libanon, Michel Issa, teilnehmen, auf israelischer Seite Botschafter Yechiel Leiter. Offiziell bestätigt wurden die Gespräche von Israel und dem Libanon bislang nicht.
Netanjahu: Gespräche ja – Waffenstillstand nein
Netanjahu erklärte in einer Videobotschaft, er habe angewiesen, so schnell wie möglich Gespräche mit dem Libanon aufzunehmen. Ziel sei die „Entwaffnung der Hisbollah und die Schaffung von Friedensbeziehungen“.
Zugleich machte er deutlich, dass Israel seinen militärischen Kurs nicht grundsätzlich ändert. Einen Waffenstillstand mit dem Libanon gebe es nicht. Die Armee werde die Hisbollah weiterhin „mit Kraft, Präzision und Entschlossenheit“ angreifen. Tatsächlich gingen die Angriffe und Gefechte zuletzt weiter.
Libanon fordert Waffenruhe als Bedingung
Aus Beirut kommen andere Signale. Ein Vertreter der libanesischen Regierung erklärte laut Reuters, Voraussetzung für Verhandlungen sei eine Waffenruhe. Auch der Hisbollah-Abgeordnete Ali Fayyad forderte, ein Waffenstillstand müsse vor weiteren Schritten stehen. Die Hisbollah lehnt direkte Gespräche mit Israel grundsätzlich ab.
Kämpfe gehen trotz Ankündigungen weiter
Ungeachtet der diplomatischen Signale gingen die Kämpfe in der Nacht zum Freitag weiter. Aus dem Libanon wurden Raketen auf Israel abgefeuert, darunter auch in Richtung der Hafenstadt Aschdod im Süden des Landes. In mehreren Regionen, auch im Großraum Tel Aviv, wurde Luftalarm ausgelöst. Die Miliz erklärte, sie habe mehrere Angriffswellen mit Raketen und Drohnen gestartet und dabei israelische Soldaten sowie Ziele im Norden des Landes ins Visier genommen.
Auch am Freitag dauern die Angriffe an. Die israelische Armee griff erneut Ziele im Libanon an, darunter Raketenabschussrampen. Zudem kommt es weiter zu Gefechten in Grenzorten wie Bint Dschbeil.
Konflikt über Waffenruhe-Regeln
Zusätzliche Spannungen entstehen durch widersprüchliche Angaben zu einer Feuerpause. Israel und die USA bestreiten, dass eine im Iran-Konflikt vereinbarte zweiwöchige Waffenruhe auch für den Libanon gilt. Pakistan hatte dies zuvor anders dargestellt. Unmittelbar nach Bekanntgabe der Feuerpause intensivierte Israel seine Angriffe im Libanon.
Iran-Konflikt belastet Gespräche
Parallel beeinflusst das auch die Verhandlungen zwischen dem Iran und den USA. Die Straße von Hormus blieb auch am Freitag trotz Waffenruhe geschlossen und ist damit zum zentralen Streitpunkt geworden. Washington wirft Teheran vor, zugesagte Lockerungen nur unzureichend umzusetzen und den Ölverkehr weiter zu behindern. US-Trump kritisierte, der Iran erfülle die Vereinbarungen „sehr schlecht“.
Teheran wies die Vorwürfe zurück und machte seinerseits die anhaltenden israelischen Angriffe im Libanon für die Blockade verantwortlich, die aus iranischer Sicht gegen die Waffenruhe verstoßen. Beide Seiten legen das Abkommen damit unterschiedlich aus. Ungeachtet dieser Spannungen soll am Samstag in Islamabad eine erste Gesprächsrunde beginnen. Die Zukunft der Schifffahrt durch die Meerenge dürfte dabei eine Schlüsselrolle spielen.




