Energielieferung

Trotz US-Embargo: Russische Öl- und Gaslieferungen wohl auf dem Weg nach Kuba

Der Kreml ignoriert offenbar die Ölblockade der US-Regierung. Zwei Schiffe mit Öl und Gas an Bord sollen sich auf dem Weg in Richtung des Inselstaats befinden.

Schiffe der russischen Schattenflotte sollen sich auf dem Weg nach Kuba befinden.
Schiffe der russischen Schattenflotte sollen sich auf dem Weg nach Kuba befinden.Didier Lebrun/imago

Zwei Frachtschiffe mit russischem Öl und Gas befinden sich auf dem Weg nach Kuba und könnten dem Inselstaat die ersten Energielieferungen seit drei Monaten bringen. Das berichtet die Financial Times unter Berufung auf maritime Nachrichtendienste. Die Lieferungen erfolgen in direktem Widerspruch zu dem von US-Präsident Donald Trump verhängten Energieembargo.

Laut dem Mitgründer des Schiffsüberwachungsdienstes TankerTrackers.com, Samir Madani, soll das unter Hongkong-Flagge fahrende Schiff Sea Horse rund 27.000 Tonnen russisches Gas transportieren und voraussichtlich am Montag in Kuba eintreffen. Ein zweites, unter russischer Flagge fahrendes Schiff namens Anatoly Kolodkin mit etwa 100.000 Tonnen Rohöl – umgerechnet rund 725.000 bis 728.000 Barrel – werde voraussichtlich am 4. April anlegen, sagte Madani der Financial Times.

Laut Fox News setzen die Schiffe Täuschungsmanöver ein, darunter das Abschalten des automatischen Identifikationssystems (AIS), um ihre Position zu verschleiern – Methoden, die typisch für Russlands sogenannte Schattenflotte sind, eine Gruppe alternder, unterversicherter Tanker zur Umgehung internationaler Sanktionen, wie der Kyiv Independent berichtet.

US-Embargo und landesweiter Stromausfall

Erst am Montag brach Kubas gesamtes Stromnetz zusammen und stürzte das Land in einen landesweiten Blackout. Am Dienstag konnte die Stromversorgung schrittweise wiederhergestellt werden.

Trump hatte im Januar per Dekret den nationalen Notstand ausgerufen und Kuba als „außergewöhnliche Bedrohung“ für die nationale Sicherheit der USA eingestuft. Zudem drohte er Ländern, die Kuba mit Öl beliefern, mit Strafzöllen. Da der Handel zwischen Washington und Moskau seit dem russischen Einmarsch in die Ukraine ohnehin stark eingeschränkt ist, bleibt laut dem Kyiv Independent unklar, welche wirtschaftlichen Hebel die USA gegen die Lieferungen tatsächlich ansetzen könnten.

Trump verschärfte die Rhetorik zuletzt erheblich: „Ich glaube, ich werde die Ehre haben, Kuba in irgendeiner Form zu übernehmen“, sagte er am 16. März. Am Montag erklärte er im Weißen Haus, er könne mit dem Land alles tun, was er wolle.

Moskau und Havanna reagieren auf Trumps Drohungen

Kubas Präsident Miguel Díaz-Canel wies die Drohungen scharf zurück. „Die Vereinigten Staaten drohen Kuba öffentlich, fast täglich, mit dem gewaltsamen Sturz der verfassungsmäßigen Ordnung“, schrieb er am Dienstag auf X. Jeder „externe Aggressor“ werde auf „unüberwindbaren Widerstand“ treffen.

Kreml-Sprecher Dmitri Peskow erklärte laut der Moscow Times, Russland sei „bereit, jede mögliche Unterstützung“ für Kuba zu leisten. Das russische Außenministerium bekräftigte seine „unerschütterliche Solidarität“ mit der kubanischen Regierung, wie die Financial Times berichtet.

Kuba produziert laut der Financial Times nur einen geringen Teil des benötigten Öls und ist seit Langem auf Importe angewiesen. Die letzte Lieferung war am 9. Januar aus Mexiko eingetroffen. Mexiko stellte weitere Lieferungen offenbar unter US-Druck ein. Auch Venezuela, Kubas wichtigster Öllieferant, fiel aus, nachdem US-Kräfte den venezolanischen Staatschef Nicolás Maduro im Januar festgenommen hatten.

Die humanitäre Lage auf Kuba verschärft sich unterdessen weiter: Krankenhäuser mussten Operationen absagen, die Lebensmittelverteilung ist gestört und Fluggesellschaften haben wegen Treibstoffmangels Flüge gestrichen.