Der ukrainische Außenminister Andrij Sybiha hat am Montag in Damaskus Gespräche mit Syriens De-facto-Machthaber Ahmed al-Scharaa, früher bekannt als Abu Muhammad al-Dscholani, geführt. Das berichtet Reuters unter Berufung auf die syrische Nachrichtenagentur Sana. Zu den genauen Inhalten der Gespräche war zunächst nichts bekannt.
Kiew versucht seit dem Sturz des vorigen syrischen Machthabers Baschar al-Assad, der von Russland unterstützt worden war, Beziehungen zur neuen Führung in Damaskus aufzubauen. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte etwa am vergangenen Freitag erklärt, sein Land habe die erste Lieferung von Nahrungsmittelhilfe nach Syrien geschickt. Die Ukraine exportiert traditionell Weizen und Mais in Länder des Nahen Ostens, nicht aber nach Syrien, das in der Assad-Ära Lebensmittel aus Russland importierte. Russische Weizenlieferungen an Syrien wurden wegen der Ungewissheit über die neue Regierung in Damaskus und wegen Zahlungsverzögerungen jedoch ausgesetzt, wie Reuters unter Berufung auf russische und syrische Quellen Anfang Dezember berichtete.
Al-Scharaa behielt sich zuletzt diplomatische Kontakte auch nach Russland vor. In dem Interview sprach sich der Chef der islamistischen Miliz HTS, die den Sturz der Assad-Regierung angeführt hatte, etwa gegen einen vollständigen Abzug Russlands aus Syrien aus. Beide Länder teilten „tiefe strategische Interessen“ sagte al-Scharaa. So stammten sämtliche in Syrien genutzte Waffen aus Russland, viele Kraftwerke des Landes würden von Russen geleitet. „Wir wollen nicht, dass Russland Syrien so verlässt, wie einige sich das wünschen“, betonte der HTS-Chef gegenüber dem saudischen Staatssender Al Arabya.
Nach Umsturz in Syrien: Moskau distanziert sich von Assad
Die russische Regierung distanzierte sich unterdessen vom gestürzten syrischen Machthaber Baschar al-Assad. Bis zu dem Umsturz am 8. Dezember galt Russland neben dem Iran als Schutzmacht des Assad-Regimes. So flog der Kreml Assad und seine Familie ins Exil nach Moskau aus, als die Hauptstadt Damaskus erobert wurde. Der russische Präsident Wladimir Putin hatte danach deutlich gemacht, die Entmachtung des syrischen Präsidenten nicht als eine Niederlage für Russlands seit 2015 in Syrien stationiertes Militär anzusehen.
Der russische Außenminister Sergej Lawrow fand nun noch deutlichere Worte gegen Assad. Er sagte der staatlichen Nachrichtenagentur Tass, der schnelle Umsturz in Syrien vor gut drei Wochen sei auch auf die Unfähigkeit von Ex-Präsident Assad zurückzuführen, die sozialen Probleme im Land zu beheben. „Wir können bereits jetzt sagen, dass einer der Gründe für die Verschlechterung der Lage die Unfähigkeit der damaligen Regierung war, die Grundbedürfnisse der Bevölkerung im sich hinziehenden Bürgerkrieg zu befriedigen.“
Nach den Erfolgen im Kampf gegen den internationalen Terrorismus, an dem auch die russische Luftwaffe beteiligt gewesen sei, hätten sich die Erwartungen der Syrer, dass sich ihr Leben verbessern würde, nicht erfüllt. Daran trügen auch die USA einen großen Teil der Schuld, denn sie hätten eine rohstoffreiche Region im Nordosten Syriens besetzt und durch Sanktionen zudem erheblichen Druck auf die syrische Regierung ausgeübt, hieß es aus Moskau. (mit dpa)

