Die Energiekrise infolge des Krieges gegen den Iran zeigt sich am Dienstag in mehreren südostasiatischen Ländern zugleich: Thailand meldet ein schwächeres Exportwachstum als erwartet, Vietnam will ab April Flugstreichungen wegen drohender Kerosinknappheit umsetzen, und der philippinische Präsident hält ein Grounding, also Startverbote für Flugzeuge, für eine reale Möglichkeit.
Thailands Exporte stiegen im Februar um 9,9 Prozent im Jahresvergleich, wie das Handelsministerium am Dienstag mitteilte. Von Reuters befragte Analysten hatten mit einem Plus von 15,8 Prozent gerechnet; im Januar hatte das Wachstum noch bei 24,4 Prozent gelegen. Ministeriumsvertreterin Natiya Suchinda sagte bei einer Pressekonferenz am selben Tag, die Exporte könnten im März wegen höherer Treibstoffpreise, höherer Transportkosten und der Auswirkungen des Nahostkriegs weiter nachlassen. Die Importe legten im Februar um 31,8 Prozent zu. Daraus ergab sich ein Handelsdefizit von 2,83 Milliarden US-Dollar.
Besonders der Reishandel gerät unter Druck. Arada Fuangtong, Leiterin der Außenhandelsabteilung des Ministeriums, sagte am Dienstag, im schlimmsten Fall könnten Thailands Reisexporte 2026 um eine Million Tonnen sinken, sollten Lieferungen in den Nahen Osten vollständig ausfallen. Im vergangenen Jahr exportierte Thailand 1,34 Millionen Tonnen Reis in die Region, davon 75 Prozent in den Irak.
In den ersten zwei Monaten dieses Jahres gingen die Reisexporte bereits um 4,16 Prozent zurück. Der schwächere Baht – seit Jahresbeginn um 3,8 Prozent gefallen – helfe den Exporteuren, reiche aber nicht aus, um die höheren Frachtkosten auszugleichen, sagte Arada. Das Ministerium will im April seine Jahresprognose für Thailands Reisexporte überprüfen. Derzeit reicht sie von einem Rückgang um 3,1 Prozent bis zu einem Anstieg um 1,1 Prozent.
Vietnam streicht 23 Inlandsflüge pro Woche
In Vietnam plant die staatliche Fluggesellschaft Vietnam Airlines, ab April 23 Inlandsflüge pro Woche auf mehreren Strecken zu streichen. Das teilte die vietnamesische Luftfahrtbehörde CAAV am späten Montag mit. Vietnam deckt den Großteil seines Kerosinbedarfs über Importe. Deren Versorgung wird durch den Nahostkrieg gestört. Die Airline priorisiere Verbindungen, die für die internationale Anbindung, den Handel, den Tourismus und die Diplomatie wichtig seien, erklärte die CAAV.
Auf den Philippinen bezeichnete Präsident Ferdinand Marcos Jr. ein Grounding von Flugzeugen wegen Treibstoffmangels am Dienstag als „reale Möglichkeit“, wie Reuters unter Berufung auf den Finanzdienst Bloomberg berichtete. Mehrere Länder hätten philippinischen Airlines mitgeteilt, dass sie deren Maschinen nicht mehr betanken könnten. Die Fluggesellschaften seien deshalb gezwungen, Kerosin für Hin- und Rückflug mitzuführen, sagte Marcos laut dem Bericht.
Singapur warnt vor Asienkrise und aktiviert Notfallpläne
Singapurs Außenminister Vivian Balakrishnan hatte die Lage bereits am Montag in einem Reuters-Interview beschrieben: Die Sperrung der Straße von Hormus sei „im Grunde eine Asienkrise“. Die gesamte Weltwirtschaft sei durch den Konflikt „als Geisel genommen“ worden.
Rund 80 Prozent des durch die Meerenge verschifften Öls gingen an asiatische Abnehmer; Asien beziehe fast 60 Prozent seines Rohöls und petrochemischen Rohstoffs aus dem Nahen Osten. Mehrere Länder, darunter China, hätten bereits Exporte raffinierter Treibstoffe gestoppt, Raffinerien und Petrochemieanlagen in der Region den Betrieb gedrosselt oder höhere Gewalt erklärt.
Balakrishnan warnte, eine Zerstörung von Energieinfrastruktur auf beiden Seiten würde die Versorgungsausfälle weit über die unmittelbare Blockade der Meerenge hinaus verlängern – mit höheren Öl- und Gaspreisen und steigender Inflation. Ob sich die Lage zur Dimension der Asienkrise von 1997/98 ausweite, sei noch nicht absehbar.
Singapur bereite aber Notfallszenarien vor – für die nächsten 18 Stunden, drei Monate und drei Jahre. Er bezeichnete den Krieg der USA und Israels gegen Iran als „nicht notwendig“ und äußerte Zweifel an dessen Legalität. Singapur wolle sich weder auf die Seite der USA noch Chinas drängen lassen, sondern Entscheidungen nach eigenem nationalem Interesse treffen, sagte Balakrishnan.


