Angesichts des eskalierenden Konflikts zwischen den USA, Israel und dem Iran im Nahen Osten greifen mehrere südostasiatische Staaten zu teils drastischen Maßnahmen, um ihren Ölverbrauch zu senken. Die Philippinen haben laut einem Bericht der Financial Times für zahlreiche Regierungsbehörden eine Vier-Tage-Woche angeordnet und Dienstreisen auf das Nötigste beschränkt, wie das Präsidialamt am Dienstag mitteilte.
Thailand hat dem Bericht zufolge die meisten Regierungsangestellten ins Homeoffice geschickt und Vietnam fordert Unternehmen auf, Fernarbeit zu fördern. Zudem riefen die Behörden die Bevölkerung dazu auf, Fahrgemeinschaften zu bilden oder auf das Fahrrad umzusteigen. Indonesien hat angekündigt, die staatlichen Treibstoffsubventionen zu erhöhen.
Bericht: Hamsterkäufe in mehreren Ländern
In mehreren Ländern der Region haben bereits Hamsterkäufe an Tankstellen eingesetzt, wie die Financial Times berichtet. Die Reserven unterscheiden sich erheblich: Thailand verfügt über Vorräte für 95 Tage, Indonesien nur für rund 25 Tage. Vietnam hat seine Raffinerien angewiesen, neue Bezugsquellen zu erschließen.
Die Region mit mehr als 700 Millionen Einwohnern ist stark von Öl- und Gasimporten aus dem Nahen Osten abhängig. Lediglich Malaysia und Brunei sind laut Financial Times Nettoexporteure von Öl und Gas. Der Ölpreis stieg seit Beginn des Iran-Konflikts zeitweise auf rund 119 US-Dollar pro Barrel, bevor er auf etwa 90 Dollar zurückfiel, wie die Financial Times berichtet.
Wachstumsschwäche verschärft die Krise
Die Ölpreiskrise trifft Südostasien in einer ohnehin fragilen wirtschaftlichen Phase. Brian Tan, Ökonom bei der Barclays Investment Bank, erklärte gegenüber der Financial Times, das regionale Wachstum werde nur von einzelnen Sektoren wie Künstlicher Intelligenz und Rechenzentren getragen – zu wenig, um breit Arbeitsplätze zu schaffen oder Löhne zu steigern. Die Asiatische Entwicklungsbank prognostiziert für 2026 ein Wachstum von 4,4 Prozent, leicht unter dem Vorjahreswert von 4,5 Prozent.
Indonesien kämpft zudem mit einer schrumpfenden Mittelschicht und sinkender Kaufkraft. Thailand leidet unter hoher Haushaltsverschuldung, einer alternden Bevölkerung und rückläufigem Tourismus.
Zusätzlich droht geldpolitischer Gegenwind: Steigende Energiepreise könnten die Inflation anheizen und Zentralbanken daran hindern, mit Zinssenkungen die Konjunktur zu stützen. Lavanya Venkateswaran von der OCBC Bank hält es sogar für möglich, dass einzelne Notenbanken bis Jahresende die Zinsen anheben müssen. Zugleich betonte sie, die Volkswirtschaften der Region seien strukturell deutlich stabiler als während der Asienkrise 1997: „Es gibt definitiv mehr strukturelle Widerstandsfähigkeit.“


