Nato

Trump zieht 5000 Soldaten aus Deutschland ab – Nato muss laut Pistorius europäischer werden

Nach dem angekündigten Abzug von 5000 US-Soldaten fordert Verteidigungsminister Boris Pistorius mehr Verantwortung Europas in der Nato. Der Schritt aus Washington sei „absehbar“ gewesen.

US-Soldaten auf der Air Base Ramstein in Rheinland-Pfalz: Die US-Regierung will rund 5000 Soldaten aus Deutschland abziehen.
US-Soldaten auf der Air Base Ramstein in Rheinland-Pfalz: Die US-Regierung will rund 5000 Soldaten aus Deutschland abziehen.piemags/imago

Die USA wollen in den kommenden Monaten rund 5000 Soldaten aus Deutschland abziehen. Das teilte Pentagon-Sprecher Sean Parnell am Freitag mit. Verteidigungsminister Pete Hegseth habe die Verlegung angeordnet. Der Abzug solle innerhalb von sechs bis zwölf Monaten abgeschlossen werden.

Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) reagierte zurückhaltend auf die Entscheidung aus Washington. Der Schritt sei „absehbar“ gewesen, sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Zugleich warnte Pistorius vor einer zu großen Abhängigkeit Europas von den USA. „Die Nato muss europäischer werden, um transatlantisch bleiben zu können“, erklärte der Minister. Europa müsse mehr Verantwortung für die eigene Sicherheit übernehmen. Deutschland sei dabei bereits auf einem guten Weg. Die Bundeswehr werde vergrößert, Material schneller beschafft und Infrastruktur ausgebaut, sagte Pistorius. Zudem kündigte er Gespräche mit den Partnern der sogenannten „Group of Five“ an – einem sicherheitspolitischen Bündnis aus Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Polen und Italien.

Offiziell begründet Washington den Teilabzug mit einer Überprüfung der amerikanischen Truppenpräsenz in Europa. Der Zeitpunkt ist allerdings brisant: Die Entscheidung folgt unmittelbar auf die schwere Verstimmung zwischen US-Präsident Donald Trump und Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) wegen des Iran-Krieges.

Streit zwischen Trump und Merz eskaliert

Merz hatte den USA Anfang der Woche bei einem Besuch in einer Schule in Mitteldeutschland mangelnde Strategie im Umgang mit dem Iran vorgeworfen. „Die Amerikaner haben offensichtlich keine Strategie“, sagte der Kanzler. Der Iran habe es verstanden, die USA bei Gesprächen „ins Leere laufen zu lassen“. Das ganze Land werde von der iranischen Führung „gedemütigt“.

Trump reagierte ungewöhnlich scharf. Merz habe „keine Ahnung, wovon er spricht“, so der Präsident. Auf seiner Plattform Truth Social schrieb Trump später, der Kanzler mache „einen schrecklichen Job“. Er solle „mehr Zeit in die Beendigung des Krieges mit Russland/der Ukraine investieren“, wo er „völlig ineffektiv“ gewesen sei. Zugleich attackierte Trump die deutsche Migrations- und Energiepolitik. Merz solle sich stärker darum kümmern, „sein kaputtes Land zu reparieren“, schrieb der Präsident. Stattdessen mische sich der Kanzler in Bemühungen ein, „die iranische Nuklearbedrohung zu beseitigen“. Bereits am Donnerstag hatte Trump angedeutet, US-Truppen aus Deutschland abzuziehen. Nun macht das Pentagon Ernst.

US-Präsident Donald Trump und Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) unterhalten sich bei ihrem Treffen.
US-Präsident Donald Trump und Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) unterhalten sich bei ihrem Treffen.Guido Bergmann/dpa

CNN berichtete unter Berufung auf das Verteidigungsministerium, trotz des Abzugs würden weiterhin mehr als 30.000 US-Soldaten in Deutschland stationiert bleiben. Der Sender stellte einen direkten Zusammenhang zwischen dem Streit über den Iran-Krieg und der Entscheidung Trumps her.

„Kein Grund zur Panik, aber ein weiterer Weckruf“

Der Vorsitzende des Verteidigungsausschusses im Bundestag, Thomas Röwekamp (CDU), bezeichnete den möglichen Teilabzug als „keinen Grund zur Panik, aber einen weiteren Weckruf“. Die „dauernden Provokationen“ von Trump seien „inakzeptabel“, sagte er der Rheinischen Post. SPD-Fraktionsvize Siemtje Möller nannte die Ankündigung in der Welt am Sonntag „strategielos“. Die USA profitierten erheblich von ihrer Truppenpräsenz in Deutschland.

Grünen-Chefin Franziska Brantner warnte vor einer zu großen Abhängigkeit von Trump in Sicherheitsfragen. Linken-Fraktionschef Sören Pellmann begrüßte den Schritt dagegen ausdrücklich. „Jeder Soldat, der Deutschland verlässt, ist ein Schritt in die richtige Richtung“, sagte er mit Blick auf US-Militärbasen in Deutschland.

Der AfD-Verteidigungspolitiker Jan Nolte sprach von einem eher symbolischen Schritt. Der CDU-Abgeordnete Peter Beyer wies Spekulationen zurück, es handle sich um eine direkte „Bestrafungsaktion“ gegen Friedrich Merz. Dabei gehe es um längerfristige Planungen.

Deutschland bleibt wichtigster US-Standort in Europa

Deutschland ist der wichtigste amerikanische Militärstandort in Europa. Nach Daten des US Defense Manpower Data Center waren zuletzt mehr als 36.000 aktive US-Soldaten dauerhaft in der Bundesrepublik stationiert. Nur Japan beherbergt außerhalb der USA mehr amerikanische Streitkräfte. In ganz Europa sind rund 86.000 US-Soldaten stationiert.

Zu den zentralen Standorten gehören die Ramstein Air Base in Rheinland-Pfalz, das Militärkrankenhaus in Landstuhl, der Truppenübungsplatz Grafenwöhr in Bayern sowie die Kommandozentralen des Europa- und Afrika-Kommandos der US-Streitkräfte in Stuttgart. Ramstein gilt als zentrale Luftdrehscheibe der USA für Europa und den Nahen Osten. Verwundete Soldaten aus Auslandseinsätzen werden häufig zunächst nach Landstuhl gebracht.

Besonders betroffen wären vom Abzug deutsche Regionen mit großen US-Standorten. Allein rund um Ramstein hängt ein erheblicher Teil der Wirtschaftskraft indirekt von der Präsenz der Amerikaner ab.
Der Bürgermeister der Gemeinde Ramstein, Ralf Hechler (CDU), bezifferte die wirtschaftliche Bedeutung der US-Streitkräfte auf mehr als zwei Milliarden US-Dollar pro Fiskaljahr. Dabei gehe es nicht nur um Aufträge und Mieten, sondern auch um persönliche Beziehungen: Viele Amerikaner seien „Nachbarn und oft Freunde“.

Folgen für Sicherheit und Wirtschaft

Welche Einheiten konkret abgezogen werden, ist bislang unklar. Sicherheitspolitisch hätte ein Teilabzug zunächst keine unmittelbaren Folgen. Dennoch wächst in Berlin die Sorge, dass die USA ihr Engagement in Europa schrittweise zurückfahren könnten.

Trump hatte zuletzt auch mit Truppenreduzierungen in Italien und Spanien gedroht. Beide Länder hätten die USA im Konflikt mit dem Iran „nicht unterstützt“, sagte der Präsident. Auf eine entsprechende Journalistenfrage im Oval Office antwortete Trump am Donnerstag: „Das werde ich wahrscheinlich tun, warum sollte ich es auch nicht tun?“ Trump griff die Regierungen in Rom und Madrid scharf an. „Italien war uns überhaupt keine Hilfe, und Spanien war schrecklich, absolut schrecklich“, sagte er.

Trump hatte ähnliche Pläne schon einmal

Bereits während seiner ersten Amtszeit hatte Trump angekündigt, Tausende Soldaten aus Deutschland abzuziehen. Damals wollte er rund 12.000 der etwa 35.000 Soldaten verlegen und warf Deutschland zu geringe Verteidigungsausgaben vor. Der damalige US-Kongress blockierte Teile der Pläne. Trumps Nachfolger Joe Biden nahm die Entscheidung später zurück.

Inzwischen hat Deutschland seine Militärausgaben deutlich erhöht. Nach Angaben der Bundesregierung sollen die Verteidigungsausgaben 2027 auf mehr als 105 Milliarden Euro steigen. Damit würde Deutschland deutlich über dem Nato-Ziel von zwei Prozent der Wirtschaftsleistung liegen.

Ob der jetzige Teilabzug tatsächlich vollständig umgesetzt wird, bleibt dennoch offen. In den USA gelten gesetzliche Mindestgrenzen für dauerhaft in Europa stationierte Soldaten. Außerdem gilt Trump in Sicherheitsfragen als sprunghaft. Beobachter in Washington schließen daher nicht aus, dass die Ankündigung auch als politisches Druckmittel gedacht ist.