Iran-Krieg

Straße von Hormus: Iran soll Indien freie Durchfahrt zugesichert haben – erster Tanker erreicht Mumbai

Indien und der Iran verhandeln offenbar derzeit über sichere Durchfahrten für mehr als 20 feststeckende Öl-Tanker. Ein Schiff soll bereits Rohöl nach Mumbai gebracht haben.

Das unter liberianischer Flagge fahrende Tankschiff Shenlong Suezmax, das Rohöl aus Saudi-Arabien geladen hat und durch die Straße von Hormus gefahren ist, liegt im Hafen von Mumbai.
Das unter liberianischer Flagge fahrende Tankschiff Shenlong Suezmax, das Rohöl aus Saudi-Arabien geladen hat und durch die Straße von Hormus gefahren ist, liegt im Hafen von Mumbai.Rafiq Maqbool/AP

Indien hat Medienberichten zufolge die freie Passage von Schiffen durch die Straße von Hormus zugesichert bekommen. Die Nachrichtenagentur Reuters berichtete unter Berufung auf eine indische Regierungsquellen, der Iran habe indisch beflaggten Tankern die Durchfahrt zugesichert, nachdem die Außenminister beider Länder am Dienstag telefoniert hatten.

Auch die Times of India berichtet von geglückten Durchfahrten. Eine iranische Quelle außerhalb des Landes widersprach dem jedoch und erklärte, eine solche Vereinbarung sei nicht zustande gekommen.

Verhandlungen laufen offenbar noch

Bloomberg zufolge führen Indien und Iran derzeit zumindest „intensive Gespräche“ über die sichere Passage indischer Tankschiffe durch die Straße von Hormus. Dem Bericht nach verhandeln beide Seiten über die Durchfahrt von mehr als 20 Tankern, die mit Rohöl, Flüssiggas (LPG) und verflüssigtem Erdgas (LNG) beladen seit Kriegsbeginn feststecken. Die Verhandlungen würden über die Außenministerien geführt, sagten mit der Sache vertraute Personen der Nachrichtenagentur.

Indiens Außenamtssprecher Randhir Jaiswal bestätigte am Donnerstag, dass Außenminister Subrahmanyam Jaishankar in den vergangenen Tagen dreimal mit seinem iranischen Amtskollegen Seyed Abbas Araghtschi gesprochen habe. Beim jüngsten Gespräch sei es um „Fragen der Schifffahrtssicherheit und der Energiesicherheit Indiens“ gegangen. Weitere Details nannte er nicht.

Indien, der drittgrößte Ölverbraucher der Welt, bezieht laut Bloomberg fast die Hälfte seines Rohöls, zwei Drittel seines LNG und nahezu sein gesamtes LPG aus dem Nahen Osten. Laut Reuters entfallen 40 Prozent der indischen Rohölimporte auf die Route durch die Straße von Hormus.

Tanker durch Straße von Hormus in Mumbai angelandet

Offenbar ist es mindestens einem Schiff mit einer Art Trick gelungen, die Meerenge zu passieren. Wie die Hindustan Times berichtete, durchquerte der unter liberianischer Flagge fahrende Suezmax-Tanker die Straße von Hormus, indem die Besatzung das automatische Identifikationssystem (AIS) des Schiffes abschaltete – ein Vorgehen, das in der Seefahrt als „Going Dark“ bezeichnet wird. Dabei wird das Ortungssignal deaktiviert, das normalerweise Identität, Position und Kurs eines Schiffes an andere Schiffe und Überwachungsbehörden sendet.

Der Tanker hatte am 1. März saudisches Rohöl im Hafen von Ras Tanura geladen. Am 8. März verschwand er der Hindustan Times zufolge von den Ortungssystemen, tauchte einen Tag später wieder auf und erreichte am Mittwochabend den Hafen von Mumbai mit 135.335 Tonnen Rohöl an Bord. Laut Praveen Singh, stellvertretender Hafenmeister der Mumbai Port Authority, wurde die Ladung am Jawahar-Dweep-Terminal entladen und an Raffinerien im Osten Mumbais weitergeleitet. Das von einem indischen Kapitän geführte Schiff war damit dem Bericht zufolge das erste für Indien bestimmte Tankschiff, das die Meerenge seit Kriegsbeginn sicher passierte.

Indien und Iran unterhalten strategische Partnerschaft

Über die strategisch wichtige Meerenge fließt gewöhnlich rund ein Fünftel des weltweiten Rohöls. Seit Beginn des Krieges zwischen den USA, Israel und Iran Ende Februar ist die Wasserstraße faktisch gesperrt. Teheran hat laut Reuters seit Kriegsbeginn mindestens 16 Schiffe in der Meerenge angegriffen. Am Mittwoch wurde etwa ein thailändisches Frachtschiff auf dem Weg zum indischen Hafen Kandla beschossen. Indiens Außenministerium verurteilte den Angriff und erklärte, bei den Angriffen seien auch indische Staatsbürger ums Leben gekommen.

Im Krieg hatte sich Indien bislang neutral positioniert. Die indisch-iranische Partnerschaft wurde bereits zuvor durch internationale Sanktionen gegen den Iran sowie Indiens engere Beziehungen zu den USA, Israel und den Golfstaaten komplizierter. Zudem hatte Indien seine Ölimporte aus Iran wegen der Sanktionen stark reduziert. Beide Brics-Staaten halten bislang dennoch an ihrer strategischen Kooperation und an gemeinsamen Infrastruktur- und Handelsprojekten fest.