Indien hat am Dienstag wegen gestörter Lieferungen von Flüssigerdgas (LNG) die Verteilung von Erdgas neu geordnet und neue Prioritäten gesetzt. Die Regierung nahm die Düngemittelindustrie mit einer neuen Verordnung in die Prioritätenliste auf, um Ausfälle bei der Produktion von Dünger zu verhindern.
Priorität für Dünger und Grundversorgung
Nach einer am Montag veröffentlichten Verordnung des Erdöl- und Erdgasministeriums sollen Düngemittelwerke mindestens 70 Prozent ihres durchschnittlichen Gasverbrauchs der vergangenen sechs Monate erhalten. Die Maßnahme solle die Versorgung der Landwirtschaft sichern und verhindern, dass die bevorstehende Aussaatsaison durch die Störungen auf dem Energiemarkt beeinträchtigt wird.
Nach einer Regierungsmitteilung, über die Reuters berichtete, sollen Haushalte und der Verkehrssektor weiterhin vollständig versorgt werden. Für die Teeindustrie, das verarbeitende Gewerbe und andere Industriekunden sind demnach 80 Prozent der bisherigen Mengen vorgesehen. Indien deckt rund die Hälfte seines Gasverbrauchs durch Importe. Vor den jüngsten Störungen kamen drei Fünftel davon aus dem Nahen Osten.
Lieferungen über Straße von Hormus gefährdet
Wie die indische Zeitung Indian Express berichtete, hatte Petronet LNG, der größte LNG-Importeur und Terminalbetreiber des Landes, Anfang März wegen der Sicherheitslage an der Straße von Hormus höhere Gewalt geltend gemacht. Indiens führendes staatliches Erdgasunternehmen GAIL teilte zudem in einer Börsenmitteilung mit, dass ein Langfristlieferant betroffen sei und die Folgen für nachgelagerte Kunden geprüft würden.
Indische Medien berichten zudem, die Regierung prüfe zusätzliche Flüssigerdgas-Importe aus anderen Lieferländern und weitere Umverteilungen zwischen den Sektoren. Damit versucht Neu-Delhi, die Folgen des externen Schocks für Industrie, Düngemittelproduktion und private Verbraucher zu begrenzen.


