Iran-Krieg

Öltanker brennen nahe Irak – immer mehr Angriffe auf Schiffe in der Golfregion

Zwei Öltanker wurden in irakischen Gewässern angegriffen. Ein Besatzungsmitglied starb offenbar. Der Vorfall verstärkt wachsende Sorgen um die globale Ölversorgung.

Öltanker und Frachtschiffe reihen sich in der Straße von Hormus auf.
Öltanker und Frachtschiffe reihen sich in der Straße von Hormus auf.Altaf Qadri/AP

Immer mehr Schiffe im Nahen Osten werden Ziel von Angriffen. Am Donnerstag standen zwei Öltanker nach mutmaßlich iranischen Angriffen in irakischen Gewässern in Brand, wie Reuters berichtet. Die Ölterminals des Landes stellten laut Bloomberg daraufhin ihren Betrieb ein. Bei den getroffenen Schiffen soll es sich um die unter der Flagge der Marshallinseln fahrende „Safesea Vishnu“ und die unter maltesischer Flagge registrierte „Zefyros“ handeln.

Die Tanker scheinen von iranischen, mit Sprengstoff beladenen Booten angegriffen und in Brand gesetzt worden zu sein, berichtete Reuters unter Berufung auf Hafenbeamte und maritime Risikoberatungsunternehmen. Ein Besatzungsmitglied starb offenbar. Zuvor waren bereits drei andere Handelsschiffe im Persischen Golf angegriffen worden, hieß es.

Straße von Hormus blockiert – Ölpreise steigen

Die Straße von Hormus, durch die normalerweise rund ein Fünftel des weltweiten Öl- und Flüssiggastransports fließt, ist seit fast zwei Wochen faktisch blockiert. Irans Revolutionsgarden haben erklärt, jedes Schiff in der Meerenge könne als Ziel betrachtet werden. Zudem soll der Iran laut Quellen von Reuters etwa ein Dutzend Minen in der Wasserstraße verlegt haben. Mindestens 16 Schiffe wurden in der Golfregion seit Kriegsbeginn von Angriffen getroffen.

Die Ölpreise reagierten heftig: Die Sorte Brent stieg im asiatischen Handel am Donnerstag um fast zehn Prozent und kletterte wieder über die Marke von 100 Dollar pro Barrel. Ein Sprecher des iranischen Militärkommandos warnte die USA: „Machen Sie sich auf einen Ölpreis von 200 Dollar pro Barrel gefasst, denn der Ölpreis hängt von der regionalen Sicherheit ab, die Sie destabilisiert haben.“

Es könnte sich bei den jüngsten Angriffen um eine „direkte und energische Reaktion“ des Iran auf eine Ankündigung der Internationalen Energieagentur über eine Freigabe von Ölreserven handeln, sagte Tony Sycamore, Analyst des Trading- und Analyseunternehmens IG, laut Reuters. Die IEA empfahl am Mittwoch die Freigabe von 400 Millionen Barrel aus den globalen strategischen Reserven, um den Ölpreisschock abzufedern.

US-Geheimdienste sehen Führung stabil

US-Präsident Donald Trump erklärte am Mittwoch, US-Streitkräfte hätten 58 iranische Marineschiffe ausgeschaltet und der Iran sei „so gut wie am Ende“. Die US-Geheimdienste kommen allerdings zu einer anderen Einschätzung: Die iranische Führung sei weitgehend intakt und stehe nicht vor einem Zusammenbruch, sagten mehrere Quellen gegenüber Reuters.

Der Iran-Krieg betrifft inzwischen auch Ölinfrastruktur außerhalb der Straße von Hormus. So wurden Schiffe laut Bloomberg angewiesen, das Ölterminal Mina Al Fahal im Oman vorsorglich zu verlassen, nachdem andere Häfen des Landes am Mittwoch von Drohnen angegriffen worden waren. Nach einigen Stunden wurde der Betrieb wieder aufgenommen, wie aus einer Mitteilung eines Hafenagenten hervorging.