Krieg

US-Geheimdienste widersprechen Trump: Iran bleibt stabil trotz Krise

Teheran warnt vor einem langen Krieg. Derweil wächst der Widerspruch zwischen Trumps Aussagen und den Einschätzungen der eigenen Nachrichtendienste zum Zeitpunkt des Kriegsendes.

US-Präsident Donald Trump glaubt, man habe den Iran fast besiegt.
US-Präsident Donald Trump glaubt, man habe den Iran fast besiegt.Julia Demaree Nikhinson

Der Iran hat mit einem langen Zermürbungskrieg gedroht, der die Weltwirtschaft „zerstören“ werde. Ali Fadavi, Berater des Oberbefehlshabers der Islamischen Revolutionsgarden (IRGC), erklärte im iranischen Staatsfernsehen, die USA und Israel müssten „die Möglichkeit in Betracht ziehen, in einen langfristigen Zermürbungskrieg verwickelt zu werden, der die gesamte amerikanische Wirtschaft und die Weltwirtschaft zerstören wird“.

Die IRGC kündigten zudem an, „Wirtschaftszentren und Banken" anzugreifen, die sie mit US- und israelischen Interessen in Verbindung bringen. Zahlreiche internationale Unternehmen begannen daraufhin laut der französischen Zeitung Le Monde, Mitarbeiter aus Dubai abzuziehen.

Trump sieht Iran am Ende – Geheimdienste widersprechen

Derweil wächst der Widerspruch zwischen den Aussagen von US-Präsident Donald Trump und den Einschätzungen der eigenen Nachrichtendienste zum Zeitpunkt des Kriegsendes. Trump bezeichnete den Iran am Mittwoch vor Journalisten in Washington als „so ziemlich am Ende der Fahnenstange“ und sagte in einem Interview mit dem Nachrichtenportal Axios, es gebe „praktisch nichts mehr, was man angreifen könnte“. Gleichzeitig drohte er, die US-Armee könne ihre Angriffe auf „Teile von Teheran und andere Orte“ ausweiten, was einen Wiederaufbau des Iran „fast unmöglich“ machen würde. Er fügte hinzu: „Das wollen wir nicht.“

US-Geheimdienste kommen laut Reuters jedoch zu einem anderen Schluss. Die iranische Führung sei weiterhin weitgehend intakt und nicht in Gefahr, in absehbarer Zeit zu kollabieren, sagten drei mit der Sache vertraute Quellen. Eine „Vielzahl“ von Geheimdienstberichten zeige eine „konsistente Analyse, dass das Regime nicht in Gefahr“ sei und „die Kontrolle über die iranische Öffentlichkeit behalte“. Der jüngste Bericht sei innerhalb der letzten Tage fertiggestellt worden. Weder das Büro des Direktors der Nationalen Nachrichtendienste noch die CIA wollten sich dazu äußern.

Auch Israel teilt Trumps Einschätzung eines baldigen Kriegsendes offenbar nicht. Militärsprecher Brigadegeneral Effie Defrin erklärte in einem TV-Briefing, es gebe noch „eine breite Zielbank“ und Israel werde seine Operationen ausweiten. Auch israelische Offizielle räumten in internen Gesprächen ein, dass es keine Gewissheit gebe, dass der Krieg zum Zusammenbruch der iranischen Regierung führen werde, wie ein hochrangiger Beamter gegenüber Reuters angab.

Kurdische Milizen als Hebel? Geheimdienste sind skeptisch

Ein möglicher Weg zum Sturz des iranischen Regimes durch den Einsatz iranisch-kurdischer Milizen erscheint nach Einschätzung der US-Geheimdienste derweil kaum realistisch. Abdullah Mohtadi, Chef der kurdischen Komala-Partei, sagte in einem Interview mit Reuters, „Zehntausende junger Menschen“ seien bereit, zu den Waffen zu greifen, falls sie US-Unterstützung erhielten. Er habe Berichte erhalten, dass IRGC-Einheiten aus Angst vor US-israelischen Angriffen Stützpunkte in Kurdistangebieten verlassen hätten.

Doch US-Geheimdienstberichte bezweifeln laut der Nachrichtenagentur, dass die kurdischen Gruppen über genügend Feuerkraft und Personal für einen nachhaltigen Kampf verfügen. Trump selbst erklärte am Samstag, er habe einen Einsatz der kurdischen Gruppen im Iran ausgeschlossen. Ein Regimewechsel würde nach Einschätzung einer weiteren Quelle wahrscheinlich eine Bodenoffensive erfordern – eine Option, die die Trump-Regierung bislang nicht ausgeschlossen hat.

Angriffe auf Schiffe in Straße von Hormus

Der Iran verschärfte derweil seine Kontrolle über die Straße von Hormus massiv – eine Meerenge, durch die ein Fünftel der weltweiten Ölversorgung fließt. Iranische Raketen- und Drohnenangriffe haben den Schiffsverkehr dort nahezu zum Erliegen gebracht. Allein innerhalb eines Tages wurden mindestens vier Zwischenfälle mit Schiffen gemeldet.

Ein thailändischer Frachter wurde von zwei Geschossen getroffen, drei Besatzungsmitglieder werden laut der Reederei Precious Shipping vermisst. Bei einem Angriff auf zwei Öltanker nahe dem Irak kam mindestens ein Besatzungsmitglied ums Leben, 38 weitere wurden gerettet. Ein Containerschiff nahe den Vereinigten Arabischen Emiraten wurde von einem „unbekannten Projektil“ getroffen, wie die britische Schifffahrtsbehörde mitteilte.

Am 28. Februar hatten die USA und Israel gemeinsam Luftangriffe auf den Iran begonnen. Bereits am ersten Tag wurde der oberste Führer Ayatollah Ali Chamenei zusammen mit weiteren Mitgliedern der iranischen Führung getötet. Dutzende hochrangige Funktionäre und Kommandeure der Revolutionsgarden kamen seither ums Leben. Dennoch hätten die Revolutionsgarden und die Übergangsführung die Kontrolle über das Land behalten, so die Geheimdienstberichte.