Der Konflikt zwischen der Ukraine und Ungarn scheint eine neue Eskalationsstufe erreicht zu haben. Am Donnerstag sollen laut ukrainischen Medienberichten sieben Mitarbeiter der staatlichen ukrainischen Oschadbank in Budapest festgenommen worden sein. Die Bankangestellten waren mit zwei Geldtransportfahrzeugen auf dem Weg von Österreich in die Ukraine.
Laut einer Erklärung der Oschadbank befanden sich in den beschlagnahmten Fahrzeugen Werte in Höhe von 40 Millionen US-Dollar, 35 Millionen Euro sowie neun Kilogramm Gold. Der Transport sei im Rahmen eines internationalen Abkommens mit der Raiffeisen Bank in Österreich erfolgt und nach europäischen Zollvorschriften ordnungsgemäß registriert gewesen, so die Bank.
Der ukrainische Außenminister Andrii Sybiha erhob auf der Plattform X schwere Vorwürfe gegen Ungarns Regierungschef: „Wir sprechen von Geiselnahme und Gelddiebstahl. Wenn das die ‚Gewalt' ist, die Herr Orbán heute angekündigt hat, dann ist das die Gewalt einer kriminellen Bande. Das ist Staatsterrorismus und Erpressung.“ Dabei bezieht er sich auf eine Rede von Viktor Orbán bei der MOL-Raffinerie am 5. März 2026, in der der ungarische Ministerpräsident erklärte: „Wir werden den Streit um die Druschba-Pipeline mit Gewalt gewinnen.“
Today in Budapest, Hungarian authorities took seven Ukrainian citizens hostage. The reasons are still unknown, as well as their current well-being, or the possibility of contacting them.
— Andrii Sybiha 🇺🇦 (@andrii_sybiha) March 5, 2026
These seven Ukrainians are employees of state-owned Oschadbank, who were operating two bank…
Die Gründe für die Festnahme seien weiterhin unbekannt, ebenso der Aufenthaltsort der Mitarbeiter. Kiew habe eine offizielle Nachricht mit der Forderung nach sofortiger Freilassung übermittelt, so Sybiha.
GPS-Daten zeigen laut Oschadbank, dass sich die Fahrzeuge im Zentrum Budapests in der Nähe einer ungarischen Strafverfolgungsbehörde befinden. Auch die Nationalbank der Ukraine forderte die sofortige Freilassung der Festgenommenen und eine offizielle Erklärung Budapests.
Hintergrund ist der Streit um die Druschba-Ölpipeline
Hintergrund des Konflikts ist die seit Ende Januar unterbrochene Druschba-Ölpipeline, über die russisches Rohöl nach Ungarn und in die Slowakei fließt. Kiew gibt einen russischen Angriff auf Energieinfrastruktur in der Westukraine als Ursache an. Budapest und Bratislava werfen der Ukraine hingegen vor, den Transit absichtlich gestoppt zu haben.
Ungarns Ministerpräsident Orbán hatte noch am selben Tag angekündigt, „politische und finanzielle Mittel“ einzusetzen, um die Wiederaufnahme des Öltransits zu erzwingen, wie Ukrainska Pravda berichtet. Präsident Wolodymyr Selenskyj lehnte eine Wiederherstellung der Pipeline bislang ab.
Ungarn blockierte zuletzt das 20. EU-Sanktionspaket gegen Russland sowie einen 90-Milliarden-Euro-Kredit der EU an die Ukraine. Eine mit der ungarischen Position vertraute Quelle erklärte dem Kyiv Independent, Budapest werde seine Haltung beibehalten, bis die Öllieferungen wieder aufgenommen würden. Analysten bringen Orbáns konfrontativen Kurs auch mit den ungarischen Parlamentswahlen im April in Verbindung, bei denen die regierende Fidesz-Partei in Umfragen hinter der oppositionellen Tisza-Partei liegt.



