Kerosinpreise

Nach Spirit-Pleite: US-Airlines und Regierung organisieren Nothilfe für gestrandete Passagiere

Nach dem Aus der Billigfluglinie Spirit Airlines helfen US-Konkurrenten Tausenden gestrandeten Passagieren. Ein staatliches Rettungspaket lehnt Verkehrsminister Sean Duffy vorerst ab.

Flugzeuge der insolventen US-Airline Spirit Airlines stehen nach dem Betriebsstopp auf dem Flughafen Fort Lauderdale in Florida.
Flugzeuge der insolventen US-Airline Spirit Airlines stehen nach dem Betriebsstopp auf dem Flughafen Fort Lauderdale in Florida.GIORGIO VIERA/AFP

Die großen US-Fluggesellschaften United Airlines, Delta Air Lines, JetBlue und Southwest haben angekündigt, Ticketpreise für ehemalige Spirit-Kunden zu deckeln, die nach der Einstellung des Flugbetriebs am Samstag umbuchen müssen. Voraussetzung für den vergünstigten Tarif ist die Vorlage einer Buchungsnummer einer gestrichenen Spirit-Verbindung. Zusätzlich bieten die Konkurrenten kostenlose Plätze an, damit Beschäftigte der insolventen Airline nach Hause gelangen.

„Das ist die Luftfahrtbranche, die einspringt“, sagte US-Verkehrsminister Sean Duffy auf einer Pressekonferenz. Er bestätigte, dass Gläubiger einen von der Trump-Regierung vermittelten Rettungsplan über 500 Millionen US-Dollar abgelehnt hätten, mit dem Spirit durch das Insolvenzverfahren hätte geführt werden sollen. Zu den Gegnern des Pakets zählte laut Reuters Ken Griffins Hedgefonds Citadel, einer der größten Anleihegläubiger der Airline. Die Begründung: Eine staatliche Finanzierung mit Vorrang vor bestehenden Forderungen hätte deren Ansprüche entwertet.

Durch die Liquidation gehen nach Angaben des Unternehmens rund 15.000 Stellen bei Mitarbeitenden und Vertragspartnern verloren. Spirit hatte zuletzt rund fünf Prozent aller US-Inlandsflüge bedient. Eine Fluggesellschaft dieser Größe ist in den USA seit zwei Jahrzehnten nicht mehr abgewickelt worden. Allein zwischen dem 1. und 15. Mai waren 4.119 Inlandsflüge mit insgesamt 809.638 Sitzplätzen geplant, wie Daten des Luftfahrtanalysten Cirium zeigen. Im Februar hatte Spirit etwa 1,7 Millionen Inlandspassagiere befördert, der Marktanteil war von 5,1 auf 3,9 Prozent gefallen.

Kerosinpreise sprengten Sanierungsplan

Auslöser des Zusammenbruchs ist nach Einschätzung der Regierung der durch den zweimonatigen Iran-Krieg verursachte Anstieg der Kerosinpreise. Der Sanierungsplan von Spirit war von Kosten in Höhe von etwa 2,24 US-Dollar pro Gallone für 2026 und 2,14 US-Dollar für 2027 ausgegangen. Ende April lag der Preis bei rund 4,51 US-Dollar pro Gallone. Treibstoff macht etwa ein Viertel der Betriebskosten von Fluggesellschaften aus. Iran blockiert weiterhin nahezu den gesamten Verkehr durch die Straße von Hormus, die US-Marine sperrt iranische Häfen ab – trotz einer brüchigen Waffenruhe.

Spirit hatte bereits vor dem Ölpreisschock Schwierigkeiten, profitabel zu wirtschaften, und seit 2019 keinen Gewinn mehr ausgewiesen. Die Airline hatte binnen eines Jahres zweimal Gläubigerschutz beantragt. Duffy nutzte die Pressekonferenz für einen Seitenhieb auf die Vorgängerregierung von Joe Biden: Deren Blockade der für 2024 geplanten Fusion zwischen JetBlue und Spirit habe den Weg für den jetzigen Kollaps geebnet.

Regierung lehnt Branchen-Rettungspaket vorerst ab

Laut Duffy haben US-Billigfluggesellschaften staatliche Hilfen in Höhe von 2,5 Milliarden US-Dollar zur Bewältigung der höheren Treibstoffkosten beantragt. Eine staatliche Rettung halte er jedoch „zum jetzigen Zeitpunkt“ nicht für nötig. Präsident Donald Trump hatte sich für die 500 Millionen US-Dollar zur Rettung von Spirit eingesetzt – gegen den Widerstand enger Berater und vieler Republikaner im Kongress.

Vom Aus profitieren dürften Konkurrenten wie JetBlue und Frontier Airlines, die ebenfalls unter den gestiegenen Kosten leiden. Spirit hatte sein Geschäft auf besonders günstige Tarife für sparsame Reisende ausgerichtet, die auf Zusatzleistungen wie aufgegebenes Gepäck oder Sitzplatzreservierungen verzichten. Diese Nachfrage ließ nach der Pandemie nach, weil Passagiere zunehmend Komfort und Erlebnisreisen bevorzugten.

Auf der Plattform X häuften sich am Wochenende nostalgische Beiträge zum Aus der Airline. „Auf Wiedersehen SpiritAirlines. Diejenigen von uns im ‚D‘ (Detroit), eurem ehemaligen zweiten Drehkreuz #DTW, werden euch vermissen“, schrieb der Account @IUTruthtellers2. Am Flughafen Orlando zeigten die Abflugtafeln in roter Schrift gestrichene Spirit-Verbindungen von Nashville bis San Juan in Puerto Rico.