Die US-amerikanische Billigfluggesellschaft Spirit Airlines hat überraschend ihren Betrieb eingestellt. Das Unternehmen erklärte am Samstag, sämtliche Flüge seien gestrichen worden, der Kundenservice werde eingestellt. Passagiere wurden aufgefordert, nicht mehr zu den Flughäfen zu kommen.
Spirit teilte mit, man habe einen „geordneten Abbau“ der Geschäfte begonnen. Rückerstattungen für mit Kreditkarte bezahlte Tickets sollen automatisch erfolgen. Hilfe bei Umbuchungen auf andere Airlines werde es jedoch nicht geben. Damit verschwindet erstmals seit 25 Jahren wieder eine größere US-Fluggesellschaft vollständig vom Markt. Spirit war mit seinen gelben Flugzeugen und extrem günstigen Tickets zu einem Symbol des amerikanischen Billigflugverkehrs geworden.
Iran-Krieg verschärfte die Krise
Das Unternehmen steckte bereits seit Jahren in finanziellen Schwierigkeiten und hatte zuletzt zweimal Insolvenz angemeldet. Der Krieg zwischen den USA, Israel und dem Iran verschärfte die Lage jedoch dramatisch. Branchenmedien und Analysten sprechen laut Reuters bereits von der ersten großen Airline-Pleite infolge des Iran-Krieges und der explodierenden Kerosinpreise.
Nach Beginn des Konflikts Ende Februar schossen Öl- und Kerosinpreise stark nach oben. Hintergrund war die faktische Blockade der Straße von Hormus durch den Iran. Durch die Meerenge läuft normalerweise ein erheblicher Teil des weltweiten Ölhandels.
CNN berichtete unter Berufung auf Branchenkreise, Spirit habe noch bis zuletzt über ein Rettungspaket mit der Regierung von Donald Trump verhandelt. Eine Gruppe wichtiger Gläubiger habe den Plan jedoch abgelehnt. Trump bestätigte am Freitag, seine Regierung habe Spirit ein „letztes Angebot“ unterbreitet. Eine Einigung kam aber nicht zustande.
17.000 Jobs betroffen
Von der Schließung sind rund 17.000 Arbeitsplätze betroffen, darunter etwa 14.000 direkte Spirit-Beschäftigte. Millionen Passagiere müssen sich kurzfristig neue Flüge suchen. Besonders problematisch dürfte das für Reisende in den USA werden, die auf günstige Tickets angewiesen sind. Spirit galt als Pionier extrem billiger Flugpreise und zwang auch große Airlines dazu, günstigere Basistarife anzubieten.
Branchenexperten rechnen laut CNN nun mit steigenden Flugpreisen in den USA. Nach Angaben des Luftfahrtanalyseunternehmens Cirium hatte Spirit allein für Mai noch rund 9000 Flüge geplant.
Höhere Kerosinpreise setzen Airlines unter Druck
Die Krise trifft nicht nur Spirit. Hohe Kerosinpreise belasten derzeit die gesamte Branche. Fluggesellschaften gehören zu den Unternehmen, die besonders stark von steigenden Ölpreisen betroffen sind.
American Airlines erklärte zuletzt, bereits ein Anstieg des Kerosinpreises um einen Cent koste das Unternehmen im Jahr rund 50 Millionen US-Dollar zusätzlich. United Airlines warnte sogar vor möglichen Mehrkosten von bis zu 11 Milliarden US-Dollar, falls die Preise auf dem aktuellen Niveau bleiben.
Große Fluggesellschaften konnten einen Teil der Belastung bislang durch höhere Ticketpreise und weniger Flüge auffangen. Für Billigfluglinien wie Spirit war das deutlich schwieriger, weil ihr Geschäftsmodell auf extrem niedrigen Preisen basiert.




