Iran-Krieg

„Dann müssen die Urlaubspläne geändert werden“: Wirtschaftsweise zu steigenden Kerosinpreisen

Die Ökonomin Monika Schnitzer plädiert gegen Entlastungen für alle. Die schlimmsten Folgen des Iran-Kriegs kämen noch auf Verbraucher zu.

Monika Schnitzer kritisiert die Maßnahmen der Bundesregierung.
Monika Schnitzer kritisiert die Maßnahmen der Bundesregierung.Michael Kappeler/dpa

Die Vorsitzende des Sachverständigenrats zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, Monika Schnitzer, hat staatliche Entlastungen bei steigenden Energie- und Kerosinpreisen abgelehnt. Verbraucher müssten höhere Preise spüren, um ihren Verbrauch anzupassen.

Schnitzer warnte die Bundesregierung vor neuen staatlichen Eingriffen bei steigenden Energiepreisen infolge des Iran-Kriegs. Im Gespräch mit der Augsburger Allgemeinen bezeichnete sie den Tankrabatt als „großen Fehler“ und sozial ungerecht. Wohlhabendere Haushalte mit hohem Spritverbrauch profitierten überproportional, obwohl sie weniger auf Unterstützung angewiesen seien.

Wirtschatfsweise: Verbraucher müssen Entwicklung spüren

Höhere Spritpreise signalisierten die Knappheit von Öl, sagte Schnitzer. Verbraucher müssten diese Entwicklung spüren, um ihren Verbrauch anzupassen. „Wenn die Menschen es spüren, fahren sie langsamer und weniger“, erklärte die Ökonomin. Auch ein Tempolimit könne dazu beitragen, den Verbrauch zu senken. Hilfen sollten gezielt denjenigen zugutekommen, die sie tatsächlich benötigten.

Mit Blick auf die bevorstehende Urlaubssaison sprach sich Schnitzer gegen eine staatliche Stützung der Flugpreise aus, sollte Kerosin durch den Iran-Krieg deutlich teurer werden. Würden Flugreisen unerschwinglicher, müssten Urlaubspläne angepasst werden. „Wir können nicht den Sommerurlaub durch Schulden auf Kosten unserer Kinder subventionieren“, sagte sie der Zeitung. Gebe es nicht genug Kerosin, „dann müssen die Urlaubspläne geändert werden“, so die Wirtschaftsweise weiter. „Man kann, auch ohne zu fliegen, einen schönen Urlaub machen.“

Vorwürfe, ihre Position sei realitätsfern, wies Schnitzer zurück. Sie verwies auf ihre Herkunft aus einfachen Verhältnissen und betonte, sie kenne den Umgang mit knappen finanziellen Mitteln aus eigener Erfahrung.

Kerosinmangel wegen Iran-Krieg: KLM streicht Flüge

Die Ökonomin verwies zudem auf mögliche weitere wirtschaftliche Folgen, etwa steigende Lebensmittel- und Transportkosten sowie zunehmenden Inflationsdruck. Sollte sich dieser verfestigen, könnte die Europäische Zentralbank gezwungen sein, die Zinsen anzuheben. „Die schlimmsten Folgen der Sperrung der Straße von Hormus kommen noch auf uns zu“, sagte Schnitzer. Weiter sagte sie, „steigende Flugbenzin-Preise könnten den Urlaub für viele Menschen unerschwinglich machen“.

Die Auswirkungen auf den Luftverkehr sind bereits erkennbar. Der französisch-niederländische Konzern Air France-KLM teilte am Donnerstag mit, dass die Treibstoffrechnung der Gruppe in diesem Jahr auf 9,3 Milliarden Dollar steigen werde – ein Plus von 2,4 Milliarden Dollar gegenüber 2025. Die Tochter KLM streicht laut Mitteilung 80 Hin- und Rückflüge ab dem Flughafen Amsterdam-Schiphol, weil sich diese Verbindungen wegen der gestiegenen Kerosinkosten nach Unternehmensangaben nicht mehr wirtschaftlich betreiben lassen.