Afrika

Spannungen an der äthiopischen Grenze: Droht ein Krieg mit Eritrea?

Der Tigray-Konflikt zwischen der äthiopischen Zentralregierung und Tigray-Kräften wurde nie ganz beigelegt. Wird ein neuer Krieg ausbrechen?

Äthiopische Regierungssoldaten fahren in der Region Tigray.
Äthiopische Regierungssoldaten fahren in der Region Tigray.Ben Curtis/dpa

Äthiopische Bundestruppen und tigrayische Streitkräfte haben sich entlang der Grenze zur nördlichen Region Tigray offenbar in Stellung gebracht. Das berichtete eine westliche Diplomatenquelle am Dienstag gegenüber der Nachrichtenagentur AFP. Die Truppenbewegungen schüren die Angst vor einem erneuten bewaffneten Konflikt.

„Die ENDF (die äthiopische Bundesarmee) umzingelt Tigray“, sagte der Diplomat gegenüber der AFP. Gleichzeitig würden auch tigrayische Einheiten in Richtung ihrer Grenzen vorrücken. „Dass sich so viele Soldaten einander gegenüberstehen, ist kein gutes Zeichen“, warnte die Quelle demnach weiter.

Eine lokale Quelle in Tigray soll die Lage laut AFP bestätigt haben und sprach von einer „massiven Mobilisierung“ auf beiden Seiten. Ohne internationalen Druck auf die Konfliktparteien, ihren Streit durch Dialog beizulegen, steige das Kriegsrisiko, so die tigrayische Quelle.

Tigray: Zwei Jahre Bürgerkrieg

Der Bürgerkrieg in Tigray dauerte von 2020 bis 2022. Damals kämpften Bundestruppen gemeinsam mit lokalen Milizen und der eritreischen Armee gegen Rebellen der Volksbefreiungsfront von Tigray (TPLF). Nach Schätzungen der Afrikanischen Union kamen dabei mindestens 600.000 Menschen ums Leben. Ein Friedensabkommen wurde nie vollständig umgesetzt. Bereits im Januar dieses Jahres kam es zu erneuten Gefechten, die zu einer mehrtägigen Aussetzung des Flugverkehrs von und nach Tigray führten.

Die Beziehungen zwischen Äthiopien und Eritrea, die im Krieg gegen die TPLF noch Verbündete waren, haben sich seither verschlechtert. Die äthiopische Regierung wirft Eritrea vor, die tigrayischen Rebellen mit Waffen zu beliefern – ein Vorwurf, den Asmara zurückweist.

Bereits vergangene Woche forderte der UN-Hochkommissar für Menschenrechte, Volker Türk, alle Konfliktparteien auf, dringend deeskalierende Maßnahmen zu ergreifen, „bevor es zu spät ist“. UN-Sprecher Stéphane Dujarric hatte Ende Januar vor dem „Risiko einer Rückkehr zu einem breiteren Konflikt“ gewarnt.