Politik

Sozialausgaben gemessen an BIP nicht teurer als vor zehn Jahren

Kanzler Merz zufolge ist der Sozialstaat nicht mehr finanzierbar. Zahlen des Statistischen Bundesamt zeigen, die Ausgaben sind gemessen am BIP nicht gestiegen.

Die Bundesregierung debattiert aktuell über eine Reform des Sozialstaats.
Die Bundesregierung debattiert aktuell über eine Reform des Sozialstaats.Florian Gaertner/Imago

Die Sozialausgaben der Bundesregierung liegen gemessen an der deutschen Wirtschaftskraft heute nicht höher als vor zehn Jahren. Der Bund brachte 2024 einen Anteil von 5,53 Prozent des Bruttoinlandsprodukts für soziale Sicherung auf, wie aus der Antwort des Statistischen Bundesamt auf eine Anfrage des Linken-Abgeordneten Dietmar Bartsch hervorgeht. 2015 waren es demnach 5,64 Prozent.

Die schwarz-rote Regierungskoalition debattiert derzeit über Reformen bei den Sozialausgaben. Im Zuge dieser Debatte hatte Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) unter anderem behauptet: „Der Sozialstaat, wie wir ihn heute haben, ist mit dem, was wir volkswirtschaftlich leisten, nicht mehr finanzierbar.“ Bartsch übte nun deutliche Kritik an Merz' Aussage. Das sei „de facto eine Lügenkampagne gegen den Sozialstaat“, meinte Bartsch. „Seine Behauptung, wir könnten ihn uns nicht mehr leisten, ist falsch.“

Sozialausgaben vor 25 Jahren bei 5,63 Prozent des BIP

Nicht der Sozialstaat sprenge den Haushalt, sondern die Aufrüstungspolitik, sagte der frühere Linken-Fraktionschef. „Unsere Botschaft an die Bundesregierung ist unmissverständlich: Hände weg vom Sozialstaat.“

Die Angaben des Statistischen Bundesamts zeigen, dass die staatlichen Ausgaben für soziale Sicherung zwar in absoluten Zahlen stark zugelegt haben – aber eben auch das Bruttoinlandsprodukt. Das BIP wuchs von 2,13 Billionen Euro im Jahr 2000 auf 4,33 Billionen Euro im vergangenen Jahr. Damals lagen die Sozialausgaben bei 5,63 Prozent des BIP.

Bildungsausgaben seit 2000 kontinuierlich gestiegen

Auch die staatlichen Ausgaben für das Gesundheitswesen liegen in etwa auf dem Niveau des Jahres 2000: Damals war der Anteil für diesen Posten 0,21 Prozent des BIP, 2024 waren es 0,20 Prozent. Allerdings lagen die Werte 2010 (0,19 Prozent) und 2015 (0,19 Prozent) zeitweise niedriger. Kontinuierlich gestiegen ist laut dieser Statistik der Anteil am BIP, den der Staat für Bildung ausgibt: von 0,25 Prozent im Jahr 2000 auf 0,52 Prozent 2024.

Mit dem Begriff „Sozialstaat“ sind häufig nicht nur die vom Staat mit Steuermitteln bezahlten Leistungen wie etwa das Bürgergeld gemeint sind. Es geht meist auch um die Sozialversicherungen für Rente, Gesundheit oder Pflege. Diese bekommen zwar teils staatliche Zuschüsse, finanzieren sich aber zum Großteil aus Beiträgen von Arbeitnehmern und Arbeitgebern. Rechnet man öffentliche, vom Staat vorgeschriebene und freiwillige Ausgaben für Soziales zusammen, erreicht die Summe gut 30 Prozent des BIP, wie die gewerkschaftsnahe Hans-Böckler-Stiftung 2024 vorrechnete.