Der slowakische Ministerpräsident Robert Fico hat den Rücktritt seines nationalen Sicherheitsberaters und ehemaligen Außenministers Miroslav Lajčák nach neuen Enthüllungen im Zusammenhang mit dem US-Sexualstraftäter Jeffrey Epstein akzeptiert. In einem am Samstag im Onlinedienst Facebook veröffentlichten Video würdigte Fico den langjährigen Diplomaten als Persönlichkeit von „unglaublicher außenpolitischer Erfahrung“, deren Ausscheiden er persönlich wie politisch bedauere.
Auslöser des Rücktritts war die Veröffentlichung von Millionen zusätzlicher Epstein-Akten durch das US-Justizministerium. Darin finden sich auch elektronische Nachrichten aus dem Jahr 2018, als Lajčák Außenminister der Slowakei war. Nach Medienberichten hatten Epstein und Lajčák damals Kontakt; der britische Rundfunksender BBC berichtete von einem SMS-Austausch, in dem Epstein dem Minister Frauen angeboten haben soll. Die Nachrichten wurden im Zuge der jüngsten Aktenfreigabe erneut öffentlich bekannt.
„Nicht weil ich etwas Unrechtes getan hätte“: So erklärt Lajčák seinen Rücktritt
Lajčák wies die Vorwürfe „kategorisch“ zurück. In einer Erklärung erklärte er, er habe weder kriminell noch unethisch gehandelt und verurteile die Verbrechen Epsteins ausdrücklich. Der Austausch mit Epstein sei informell gewesen und habe keinerlei Substanz gehabt. Dennoch habe er sich zu dem Schritt entschlossen, um zu verhindern, dass die Affäre politisch gegen den Regierungschef instrumentalisiert werde. „Nicht weil ich etwas Unrechtes getan hätte, sondern damit der Ministerpräsident keinen politischen Schaden erleidet“, erklärte Lajčák.
Fico sagte, Lajčák habe sich mit seinem Rücktritt als „großer Diplomat“ erwiesen. Er betonte zugleich, dass die Regierung die Angelegenheit als abgeschlossen betrachte. Lajčák war zwischen den Jahren 2009 und 2010 sowie von 2012 bis 2020 Außenminister der Slowakei. International bekleidete er unter anderem das Amt des Präsidenten der UN‑Vollversammlung und stand der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) vor. Zuletzt war er EU‑Sonderbeauftragter für den Westbalkan, bevor er als Sicherheitsberater in das Umfeld Ficos wechselte.
Der US-Investor Epstein soll über Jahre hinweg zahlreiche Minderjährige und junge Frauen sexuell missbraucht und teils an Prominente vermittelt haben. Er war im Jahr 2008 erstmals verurteilt worden, erhielt jedoch nach einem umstrittenen Deal mit der Staatsanwaltschaft eine milde Haftstrafe. Im Jahr 2019 wurde er erneut festgenommen; wenig später wurde er tot in seiner Gefängniszelle in New York aufgefunden. Nach offiziellen Angaben beging er Suizid. (mit AFP)


