Rüstung

Selenskyj triumphiert nach Trump-Spitze: „Ukraine hat jetzt Karten in der Hand“

Noch vor einem Jahr habe man ihm im Weißen Haus gesagt, die Ukraine habe keine Karten in der Hand. Heute sieht sich Selenskyj in einer anderen Position.

US-Präsident Donald Trump und Wolodymyr Selenskyj, Präsident der Ukraine, zogen zuletzt Kartenspielvergleiche zur geopolitischen Position der Ukraine heran.
US-Präsident Donald Trump und Wolodymyr Selenskyj, Präsident der Ukraine, zogen zuletzt Kartenspielvergleiche zur geopolitischen Position der Ukraine heran.Alex Brandon/AP

Die Ukraine sieht sich in einer grundlegend veränderten geopolitischen Position. In einem Interview mit dem irischen Blogger Caolan Robertson erklärte Präsident Wolodymyr Selenskyj, sein Land verfüge nun über die entscheidenden Trümpfe in der internationalen Sicherheitspolitik. Noch vor einem Jahr habe man ihm im Weißen Haus gesagt, die Ukraine habe keine Karten in der Hand. Heute bitte Washington Kiew um Hilfe – nicht Frankreich, nicht Deutschland, nicht Großbritannien.

„Ein gutes Gefühl“, kommentierte Selenskyj die Lage. Die Grundlage dafür seien die ukrainischen Soldaten und eine massiv ausgebaute heimische Rüstungsproduktion. Die USA hätten die Ukraine gebeten, Experten und Ausrüstung zum Schutz amerikanischer Militärbasen in Jordanien zu entsenden. Gespräche über eine ähnliche Unterstützung für Saudi-Arabien liefen bereits. „Ich bin sehr stolz, dass wir unseren amerikanischen Partnern helfen können“, sagte Selenskyj.

Die Karten habe man schon länger gehabt, so der Präsident weiter: „Vor einem Jahr hatte ich sie auch schon. Wir haben sie nur nicht gezeigt. Jetzt versteht jeder, dass wir sie haben.“ Trump hatte seine Aussage zu Kiews fehlenden Karten zuletzt mehrfach wiederholt.

Rüstungsdeal mit Saudi-Arabien steht offenbar bevor

Derzeit zeichnet sich ein massiver Rüstungsdeal mit Saudi-Arabien ab. Laut dem Kyiv Independent hat ein saudisches Rüstungsunternehmen bereits einen Vertrag über ukrainische Abfangraketen unterzeichnet. Zwei anonyme Quellen aus der ukrainischen Rüstungsindustrie bestätigten dem Portal laufende Verhandlungen über ein deutlich größeres Waffengeschäft. Eine Quelle sprach von einem „riesigen Deal“, der möglicherweise schon am 11. März besiegelt werden könnte. Weder das saudische Außenministerium noch die saudische Botschaft in Kiew reagierten auf Anfragen.

Hintergrund ist die wachsende Bedrohung durch iranische Shahed-Drohnen, die im Zuge des Konflikts zwischen den USA, Israel und dem Iran auch gegen Golfstaaten eingesetzt werden. Selenskyj erklärte, er habe mit dem saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman über die Lage gesprochen. „Die Ukraine kämpft seit Jahren gegen Shaheds, und kein anderes Land der Welt verfügt über eine vergleichbare Erfahrung“, schrieb er auf Telegram.

Günstige Drohnen statt teurer Raketen

Das zentrale Argument für ukrainische Technologie ist das Kostenverhältnis: Westliche Abfangraketen wie die US-amerikanische Patriot kosten mehrere Millionen Dollar pro Stück – gegen Drohnen, die in Massenproduktion für wenige zehntausend Dollar entstehen, ist das kaum tragbar. Selenskyj wies darauf hin, dass allein Anfang März innerhalb von drei Tagen mehr als 800 solcher teuren Raketen im Nahen Osten eingesetzt worden seien – mehr als die Ukraine seit 2022 insgesamt erhalten habe.

Die Ukraine hat eigene kostengünstige Abfangdrohnen entwickelt, darunter den „Octopus“ von TAF Industries, die P1Sun von Skyfall und die „Sting“-Drohne von Wild Hornets. Letztere produziert nach eigenen Angaben mehr als 10.000 Einheiten monatlich. Der ukrainische Oberbefehlshaber Oleksandr Syrskyj teilte mit, Abfangdrohnen hätten allein im Februar fast 6300 Einsätze geflogen und über 1500 russische Drohnen zerstört.

Selenskyj warnt vor Weltkrieg, Kiew muss um Aufmerksamkeit fürchten

Im selben Interview warnte Selenskyj eindringlich vor einer Eskalation des globalen Konflikts. Sollte der Krieg im Nahen Osten nicht rasch gestoppt werden, könne daraus ein Weltkrieg entstehen. „Es könnte passieren. Ja, natürlich“, sagte er. Die Welt sei darauf nicht vorbereitet – weder Europa noch die USA. Zwar rüsteten einzelne Länder wie Deutschland und die nordischen Staaten auf, doch die Zeit reiche nicht. Selbst die starke US-Armee habe keine Erfahrung mit modernem Landkrieg, wie ihn die Ukraine seit drei Jahren führe.

Die Eskalation im Nahen Osten ist jedoch nicht nur positiv für Kiew. Die internationale Aufmerksamkeit wurde von der Ukraine weggelenkt, die geplante nächste Runde der trilateralen Gespräche zwischen den USA, Russland und der Ukraine wurde kurzfristig verschoben. Russland profitiert derweil doppelt von der Lage: Moskau gewinnt Zeit im Krieg gegen die Ukraine, während steigende Ölpreise die russischen Staatseinnahmen in die Höhe treiben.

Auch wird innerhalb der Ukraine teils kritisch gefragt, warum Drohnenexperten und Abfangtechnologie in den Nahen Osten entsandt werden, während russische Drohnenangriffe auf ukrainische Städte unvermindert andauern und versprochene Verteidigungssysteme nur langsam an der Front ankommen. Die größte Gefahr liege demnach laut Sicherheitskreisen auf strategischer Ebene: Sollten steigende Energiepreise Europa stärker unter Druck setzen, könnte die westliche Unterstützung für die Ukraine bröckeln – während Russlands Rolle als Energielieferant an Gewicht gewinnt.


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