Iran-Krieg

Ukraine vereinbart Verteidigungskooperation mit Emiraten und Katar

Selenskyj bietet den Golfstaaten ukrainische Drohnen-Expertise an – und verhandelt über Gegenleistungen für den Krieg in seinem Land. Nach Saudi-Arabien verkündet er weitere Deals.

Der Energieminister der Vereinigten Arabischen Emirate, Suhail Mohamed al-Mazrouei (r), begrüßt den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj in den Vereinigten Arabischen Emiraten.
Der Energieminister der Vereinigten Arabischen Emirate, Suhail Mohamed al-Mazrouei (r), begrüßt den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj in den Vereinigten Arabischen Emiraten.Hamad Al-Kaabi/UAE PRESIDENTIAL COURT/AFP

Die Ukraine will künftig im Bereich Sicherheit und Verteidigung auch mit den Vereinigten Arabischen Emiraten und Katar zusammenarbeiten. Das gab der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj am Samstag bekannt.

Die erste Ankündigung kam nach einem Treffen mit dem Präsidenten der Emirate, Mohammed bin Sajed al-Nahjan. „Unsere Teams werden die Details ausarbeiten“, schrieb Selenskyj am Samstagvormittag auf Telegram. Am Vortag hatte Kiew bei einem Besuch Selenskyjs in Saudi-Arabien ein ähnliches Abkommen mit dem Königreich geschlossen.

Im Anschluss reiste Selenskyj am Samstag nach Katar. Am Nachmittag schloss der ukrainische Präsident dort eine ähnliche Einigung. „Die Vereinbarung beinhaltet eine Zusammenarbeit in technologischen Bereichen, gemeinsame Investitionen und den Austausch von Fachwissen bei der Abwehr von Raketen und unbemannten Luftsystemen“, erklärte das katarische Verteidigungsministerium.

Hintergrund der diplomatischen Offensive am Golf ist die seit Ende Februar andauernde militärische Auseinandersetzung zwischen den USA und Israel einerseits und dem Iran andererseits. Seit Beginn dieses Konflikts greift Teheran auch mit den USA verbündete Golfstaaten mit Drohnen und Raketen an.

Kostengünstige Drohnenabwehr als Verhandlungsmasse

Die Ukraine verfügt nach fünf Jahren Krieg gegen Russland über umfangreiche Erfahrung in der Abwehr von Drohnen und Raketen. Russland setzt gegen die Ukraine unter anderem Schahed-Drohnen iranischer Bauart ein, die Moskau inzwischen unter der Bezeichnung Geran-2 selbst produziert.

Kiew nutzt zur Abwehr dieser Drohnen vor allem elektronische Störgeräte und mobile Abwehrwaffen – Systeme, die erheblich günstiger sind als die konventionellen Abfangraketen, auf die Golfstaaten bislang setzen. US-amerikanische Patriot-Abfangraketen kosten mehrere Millionen Dollar pro Stück, während die Drohnen, die sie abschießen sollen, für wenige zehntausend Dollar in Serie gefertigt werden.

„Es besteht bereits ein klares Verständnis darüber, wie das System zum Schutz des Luftraums und kritischer Infrastrukturen in den Emiraten durch die Integration ukrainischer Erfahrungen gestärkt werden kann“, erklärte Selenskyj. Kiew habe ein umfassendes Schutzsystem entwickelt, das einen hohen Prozentsatz feindlicher Drohnen und Raketen abfange.

Selenskyj schwebt langfristige Zusammenarbeit vor

Selenskyj betonte, die Ukraine sei nicht nur auf Hilfe angewiesen, sondern auch bereit, jene Partner zu unterstützen, die Kiew unterstützten. Ukrainische Einsatzkräfte sind nach Angaben Selenskyjs bereits seit mehreren Wochen in den Emiraten stationiert, um die dortige Luftverteidigung zu stärken.

Konkret schlug Selenskyj nun eine langfristige Zusammenarbeit vor, die auch die gemeinsame Produktion von Schutzsystemen und die Modernisierung der Verteidigung kritischer Infrastruktur umfassen könne. Die genauen Vereinbarungen werden laut dem ukrainischen Präsidialamt derzeit noch finalisiert.

Beim Treffen mit dem emiratischen Präsidenten sprachen beide Seiten laut dem Kyiv Independent auch über die iranische Blockade der Straße von Hormus, die den Ölpreis weltweit in die Höhe getrieben hat. Die Auswirkungen sind auch in der Ukraine spürbar: Treibstoff- und Düngemittelpreise sind gestiegen, was Unternehmen und Landwirte belastet.

Selenskyj nutzt Krise für strategische Partnerschaften

Die Reise Selenskyjs in die Golfregion folgt einem klaren strategischen Kalkül. Seit Wochen schlägt Kiew vor, seine kostengünstigen Drohnenabwehrsysteme gegen Abfangraketen zu tauschen, die die Ukraine ihrerseits zur Abwehr russischer ballistischer Raketen und Marschflugkörper dringend benötigt.

Die diplomatische Offensive fällt in eine Phase wachsender Unsicherheit bei der westlichen Militärhilfe für die Ukraine. Laut der Washington Post erwägt das Pentagon, ursprünglich für die Ukraine bestimmte Waffen in den Nahen Osten umzuleiten, da der Iran-Konflikt die amerikanischen Munitionsbestände belastet.

Zudem blockierte Ungarn zuletzt EU-Hilfen für Kiew mit einem Veto. Die neuen Partnerschaften am Golf könnten Selenskyj damit auch als Absicherung gegen schwindende westliche Unterstützung dienen.