Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat bei einem kurzfristig angekündigten Besuch in Saudi-Arabien ein Abkommen über die Zusammenarbeit im Verteidigungsbereich mit dem Königreich geschlossen. Das Dokument sei vor einem Treffen mit dem saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman in Dschidda unterzeichnet worden, teilte Selenskyj am Freitag auf der Plattform X mit. Es lege den Grundstein für künftige Verträge, technologische Zusammenarbeit und Investitionen, so der ukrainische Staatschef.
„Es stärkt auch die internationale Rolle der Ukraine als Sicherheitspartner“, schrieb Selenskyj über die Kooperation. Kiew sei bereit, seine Erfahrungen und Systeme mit Saudi-Arabien zu teilen. „Saudi-Arabien verfügt auch über Fähigkeiten, die für die Ukraine von Interesse sind, und diese Zusammenarbeit kann für beide Seiten von Vorteil sein“, so Selenskyj.
Beide Seiten hatten Selenskyj zufolge bei dem Treffen auch die Lage im Nahen Osten, die russische Unterstützung für das iranische Regime, die Entwicklungen auf den Energiemärkten sowie mögliche Energiekooperationen besprochen.
We have reached an important Arrangement between the Ministry of Defense of Ukraine and the Ministry of Defense of the Kingdom of Saudi Arabia on defense cooperation. The document was signed ahead of our meeting with the Crown Prince of Saudi Arabia, Mohammed bin Salman Al Saud.… pic.twitter.com/j3aXzLXSNr
— Volodymyr Zelenskyy / Володимир Зеленський (@ZelenskyyUa) March 27, 2026
Drohnenabwehr als Verhandlungsmasse
Hintergrund des Abkommens ist die wachsende Nachfrage nach bezahlbarer Luftabwehr in der Golfregion. Seit den iranischen Drohnenangriffen auf benachbarte Golfstaaten suchen Länder wie Saudi-Arabien nach Alternativen zu den teuren westlichen Abfangraketen. Selenskyj verwies darauf, dass die Ukraine seit nunmehr fünf Jahren denselben Bedrohungen ausgesetzt sei – ballistischen Raketen und Drohnen –, die die iranische Führung derzeit im Nahen Osten einsetzt.
Selenskyj hatte Mitte März vor dem britischen Parlament Parallelen zwischen dem Iran-Konflikt und dem russischen Angriffskrieg gezogen. Ein gemeinsames Verteidigungssystem nach ukrainischem Vorbild könne Angriffe aus dem Iran oder von den Huthi-Rebellen in Echtzeit verfolgen und analysieren, so der Präsident.
Laut dem US-Sender CNBC hat Kiew bereits mehr als 200 Experten in die Region entsandt, um Staaten bei der Abwehr solcher Angriffe zu beraten. Die Ukraine hat in den vergangenen Jahren eigene kostengünstige Abfangdrohnen entwickelt, darunter Modelle wie den „Octopus“ oder die „Sting“-Drohne. Das konventionelle Kostenproblem ist erheblich: US-amerikanische Patriot-Abfangraketen kosten mehrere Millionen Dollar pro Stück – gegen Drohnen, die für wenige zehntausend Dollar in Massenproduktion hergestellt werden.
Berichten zufolge hatte ein saudisches Rüstungsunternehmen bereits Anfang des Monats einen Vertrag über den Kauf ukrainischer Abfangraketen unterzeichnet.
Unsichere westliche Hilfe treibt Kiew zu neuen Partnern
Selenskyjs Annäherung an die Golfstaaten fällt in eine Phase wachsender Unsicherheit bei der westlichen Militärhilfe. Laut Washington Post erwägt das Pentagon, für die Ukraine bestimmte Waffen und Ausrüstung in den Nahen Osten umzuleiten, da der Konflikt mit dem Iran die amerikanischen Munitionsbestände belastet. Zudem blockierte Ungarn zuletzt EU-Hilfen für Kiew mit einem Veto.
Bohdan Popow, Chefanalyst der auf internationalen Waffenhandel spezialisierten Beratungsfirma Triada Trade Partners, warnte gegenüber dem Kyiv Independent Mitte März jedoch auch vor Risiken beim Technologietransfer. Viele private Hersteller versuchten, Hochtechnologie „direkt zu stehlen“.
Besonders heikel sei die Nähe Saudi-Arabiens zu Russland – beide Länder schlossen erst im Dezember ein Abkommen über visafreies Reisen. Gleichzeitig ermögliche die geringere Regulierung in der Golfregion schnellere Geschäftsabschlüsse als mit westlichen Partnern, so Popow.


