US-Präsident Donald Trump hat bei einem privaten Mittagessen am Mittwoch den französischen Präsidenten Emmanuel Macron und dessen Ehefrau Brigitte verspottet. Ein Video der Szene wurde laut der Nachrichtenagentur AFP auf dem offiziellen Youtube-Kanal des Weißen Hauses veröffentlicht, bevor es kurze Zeit später wieder entfernt wurde.
In der Aufnahme sagte Trump über Macron: „Ich rufe also Frankreich an, Macron, dessen Frau ihn extrem schlecht behandelt. Er erholt sich noch immer von ihrem rechten Schwinger an den Kiefer.“
Damit spielte der US-Präsident offenbar auf ein Video aus dem vergangenen Mai an, das Brigitte Macron zeigte, wie sie ihrem Mann bei einer Vietnam-Reise scheinbar ins Gesicht schlug. Macron wies diese Darstellung als Teil einer Desinformationskampagne zurück und erklärte, es habe sich um einen Scherz zwischen den Eheleuten gehandelt.
Kritik aus Frankreich an Trump-Äußerungen
Trump fügte mit Blick auf den Nahost-Krieg hinzu, er habe Macron „um ein bisschen Hilfe am Golf“ gebeten. Dann ahmte er einen französischen Akzent nach und sagte: „Nein, nein, nein, wir können das nicht machen, Donald. Wir können es machen, wenn der Krieg gewonnen ist.“
In Frankreich lösten die Aussagen des US-Präsidenten Empörung aus. Yaël Braun-Pivet, Präsidentin der französischen Nationalversammlung, nannte die Äußerungen „inakzeptabel“. Der Krieg habe „Konsequenzen für das Leben von Millionen Menschen, Menschen sterben auf dem Schlachtfeld, und wir haben einen Präsidenten, der darüber lacht und andere verhöhnt“, sagte sie laut Le Monde dem Sender Franceinfo.
Selbst Manuel Bompard, Koordinator der linken Partei La France Insoumise und ein innenpolitischer Gegner Macrons, stellte sich hinter den Präsidenten: „Sie wissen um das Ausmaß meiner Meinungsverschiedenheiten mit dem Präsidenten, aber dass Donald Trump so mit ihm und seiner Frau spricht – das finde ich absolut inakzeptabel“, sagte er dem Sender BFMTV.
Macron: Aussagen Trumps nicht „angemessen“
Macron bezeichnete die Aussagen Trumps am Donnerstag als „weder elegant noch dem Anlass angemessen“. Er reagierte zudem auf Trumps jüngste Kritik an der Nato. Der US-Präsident hatte das Bündnis in einem am Mittwoch veröffentlichten Interview mit dem britischen Telegraph als „Papiertiger“ bezeichnet.
„Wenn man jeden Tag Zweifel an seinem Engagement nährt, dann höhlt man die Substanz aus“, sagte er bei einem Besuch in der südkoreanischen Hauptstadt Seoul. In einem Bündnis müsse jeder seinen Verpflichtungen gerecht werden. „Man kommentiert das nicht jeden Morgen, weder um zu sagen, dass man sie erfüllen wird, noch dass man sie nicht erfüllen wird“, so Macron.
Es müsse sich für einen gerechten Frieden eingesetzt werden, erklärte er. Macron kritisierte: „Man kann nicht jeden Tag das Gegenteil dessen sagen, was man am Vortag gesagt hat.“ Zudem bezeichnete er eine gewaltsame Öffnung der Straße von Hormus als „unrealistisch“. Die Meerenge, eine wichtige Handelsroute, könne nur „im Einvernehmen mit dem Iran“ wieder geöffnet werden. (mit AFP)


