Bei einem Schusswaffenangriff im Kiewer Stadtbezirk Holossijiw sind am Samstag mindestens sechs Menschen getötet und 14 weitere verletzt worden, darunter ein zwölfjähriger Junge. Der Täter wurde von Spezialeinheiten der Nationalpolizei erschossen, nachdem er sich in einem Supermarkt verschanzt und Geiseln genommen hatte. Das berichtet der Kyiv Independent.
Bei dem Angreifer handelt es sich nach Angaben von Generalstaatsanwalt Ruslan Krawtschenko um einen 58-jährigen gebürtigen Moskauer, der eine automatische Waffe einsetzte. Präsident Wolodymyr Selenskyj erklärte auf Telegram, der Mann habe lange in der Region Donezk gelebt und sei zuvor strafrechtlich in Erscheinung getreten. Zu den Motiven werde noch ermittelt.
Innenminister Ihor Klymenko zufolge stürmten Beamte der Eliteeinheit KORD den Supermarkt, nachdem Verhandlungen mit dem Täter gescheitert waren. Während des Einsatzes habe der Angreifer auf einen Polizisten geschossen. „Der Einsatz war sehr komplex. Es gab nur wenig Zeit. Der Angreifer weigerte sich zu kommunizieren und war zu keinen Kompromissen bereit. Es waren viele Zivilisten im Supermarkt“, zitiert der Kyiv Independent einen anonymen KORD-Beamten.
Täter besaß registrierten Jagdkarabiner
Klymenko zufolge nutzte der Täter einen registrierten Jagdkarabiner, für den er auch ein ärztliches Attest besaß. In der Ukraine müssen Waffenbesitzer ein solches Attest vorlegen, das ihre gesundheitliche und psychische Eignung zum Führen einer Waffe bescheinigt. Die Staatsanwaltschaft prüfe nun, welche medizinische Einrichtung die Bescheinigung ausgestellt habe. Die Frage nach dem zivilen Waffenbesitz in der Ukraine, die seit Jahren im Parlament blockiert ist, wollte der Minister nicht diskutieren: Das sei „kein Thema für die heutige Diskussion“, berichtet der Kyiv Independent.
Kiews Bürgermeister Vitali Klitschko teilte laut Kyiv Independent mit, dass zunächst fünf Todesopfer gemeldet wurden – vier auf der Straße und eines im Supermarkt. Eine etwa 30-jährige Frau erlag später im Krankenhaus ihren Verletzungen. In einer Wohnung, in der der Verdächtige gemeldet war, brach zudem ein Feuer aus. Ein vier Monate altes Kind erlitt in einer benachbarten Wohnung eine Kohlenmonoxidvergiftung.


