Ein saudisches Rüstungsunternehmen hat laut Informationen des Kyiv Independent einen Vertrag über den Kauf ukrainischer Abfangraketen unterzeichnet. Darüber hinaus verhandeln Riad und Kiew offenbar über ein weiteres, deutlich größeres Waffengeschäft, das möglicherweise noch in dieser Woche abgeschlossen werden könnte.
Zwei Quellen aus der ukrainischen Rüstungsindustrie, die anonym bleiben wollten, bestätigten dem ukrainischen Nachrichtenportal laufende Verhandlungen zwischen beiden Regierungen. Eine der Quellen sprach von einem „riesigen Deal“, der bereits am 11. März besiegelt werden könnte. Die andere Quelle erklärte, ein Vertrag über ukrainische Luftabwehrraketen sei bereits unterzeichnet worden, wobei ein saudischer Rüstungshersteller als lokaler Vermittler fungiere. Das saudische Außenministerium und die saudische Botschaft in Kiew reagierten laut Kyiv Independent nicht auf Anfragen.
Hintergrund der Verhandlungen sind die jüngsten iranischen Drohnenangriffe auf benachbarte Golfstaaten im Zuge des von den USA und Israel geführten Konflikts mit Teheran. Der Iran hat dabei als Reaktion Schwärme seiner Shahed-Drohnen gegen arabische Nachbarstaaten eingesetzt, was in der Region die Suche nach wirksamer und zugleich bezahlbarer Luftabwehr ausgelöst hat.
Selenskyj bietet Saudi-Arabien Hilfe an
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj erklärte laut Guardian am Samstag, er habe mit dem saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman über die Lage im Nahen Osten gesprochen. „Die Ukraine kämpft seit Jahren gegen Shaheds, und jeder erkennt an, dass kein anderes Land der Welt über eine vergleichbare Erfahrung verfügt“, schrieb Selensky auf Telegram. „Wir sind bereit zu helfen, und erwarten, dass auch unser Volk die nötige Unterstützung erhält.“
Das zentrale Problem konventioneller Luftabwehr ist das Kostenverhältnis: Abfangraketen wie die US-amerikanische Patriot kosten mehrere Millionen Dollar pro Stück – ein kaum tragbares Mittel gegen billige Drohnen, die in Massenproduktion für wenige zehntausend Dollar hergestellt werden.
Selenskyj wies darauf hin, dass allein in drei Tagen Anfang März mehr als 800 solcher teuren Raketen im Nahen Osten eingesetzt worden seien – mehr als die Ukraine seit 2022 erhalten habe.
Ukrainische Abfangdrohnen als günstige Alternative
Die Ukraine hat in den vergangenen Jahren eigene kostengünstige Abfangdrohnen entwickelt, darunter Modelle wie den „Octopus“ von TAF Industries, die P1Sun von Skyfall und die „Sting“-Drohne von Wild Hornets. Ein Vertreter von Wild Hornets erklärte gegenüber dem Kyiv Independent, das Unternehmen produziere derzeit mehr als 10.000 Einheiten pro Monat. An der politischen Entscheidung über den Export sei man jedoch nicht beteiligt.
Der ukrainische Oberbefehlshaber Oleksandr Syrskyj teilte Anfang März mit, Abfangdrohnen hätten im Februar fast 6300 Einsätze geflogen und über 1500 russische Drohnen verschiedener Typen zerstört.
Sorge vor Technologiediebstahl und russischem Einfluss
Kiew kontrolliert seine Rüstungsexporte streng – insbesondere die Abfangtechnologie. Bohdan Popow, Chefanalyst der auf internationalen Waffenhandel spezialisierten Beratungsfirma Triada Trade Partners, sagte dem Kyiv Independent, viele Golfstaaten hätten Interesse an ukrainischen Exporten oder an Technologietransfers signalisiert. Zugleich warnte er: „Auf dem Hightech-Markt versuchen viele private Hersteller, die Technologie direkt zu stehlen.“


