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Satellitenbilder: Tausende chinesische Fischerboote nehmen ungewöhnliche Formation ein

Die Spannungen zwischen China und Japan nehmen weiter zu. Berichte deuten nun auf eine mysteriöse Ansammlung von Tausenden Booten im Ostchinesischen Meer hin.

Chinesische Fischerboote auf dem Weg ins Ostchinesische Meer
Chinesische Fischerboote auf dem Weg ins Ostchinesische MeerVCG/imago

Aktuelle Satellitenaufnahmen zeigen Berichten zufolge Tausende chinesischer Schiffe in ungewöhnlicher Formation vor japanisch verwalteten Gewässern im Ostchinesischen Meer. Die Boote seien in engen Rastermustern angeordnet gewesen, statt sich – wie bei kommerzieller Fischerei üblich – weiträumig zu verteilen, wie Analysen kommerzieller Satellitendaten laut einem Bericht des Fachportals India Defence Review am Donnerstag zeigten. Demnach unterscheidet sich die Dichte und relative Unbeweglichkeit der Schiffe klar von üblichen saisonalen Fischereibewegungen.

Bereits am 25. Dezember 2025 sollen laut Kyodo News mehr als 2000 chinesische Fischerboote im Ostchinesischen Meer eine auffällige L-förmige Formation gebildet haben. Am 14. Januar 2026 hätten rund 1400 Schiffe ein ähnliches Manöver wiederholt, berichtete Nikkei Asia.

Mitte Februar griff die japanische Fischereibehörde schließlich durch: Sie beschlagnahmte ein chinesisches Fischerboot in Japans ausschließlicher Wirtschaftszone vor der Präfektur Nagasaki und nahm den 47-jährigen Kapitän fest, wie die Behörde mitteilte. Das Boot habe die Aufforderung zum Anhalten für eine Kontrolle ignoriert und sei geflüchtet.

Die betroffenen Gewässer liegen unter anderem im Umfeld der Senkaku-Inseln, die von Japan verwaltet, aber von Peking beansprucht werden. Die japanische Küstenwache hat inzwischen ihre Patrouillen in der Region verstärkt und Funkwarnungen an Schiffe ausgegeben, die sich den Hoheitsgewässern näherten.

Fischereiflotte als geopolitisches Instrument?

Laut einem Bericht des US-Kongresses verfügt China über rund 200.000 Fischerboote, die vom Staat eingesetzt werden könnten. Der Bericht dokumentierte, dass Pekings Fischereiflotte dazu diene, chinesischen Einfluss auszuweiten und Seewege zu kontrollieren. Die Volksbefreiungsarmee und die Kommunistische Partei behielten demnach die volle Aufsicht über diese Schiffe, so der Kongressbericht.

Die Fachpublikation Asia Times beschrieb die Fischereiflotte nun als ein Instrument sogenannter Grauzonenkriegsführung vergleichbar mit den „kleinen grünen Männchen“, die Russland bei der Annexion der Krim eingesetzt habe. Internationale Seefahrtsregeln verbieten es Marineschiffen, aktiv fischende Boote zu behindern, was Peking nach Einschätzung von Analysten einen rechtlichen Schutzschirm biete.

Zwischen Tokio und Peking ist die Stimmung derzeit angespannt. Japans Regierungschefin Sanae Takaichi hatte im November 2025 erklärt, eine militärische Eskalation des Taiwan-Konflikts könne auch Japan in seiner Existenz bedrohen und einen Militäreinsatz nicht ausgeschlossen. Peking bezeichnete diese Äußerungen als „ungeheuerlich“ und bestellte den japanischen Botschafter ein.

Chinas Außenministerium bekräftigte zuletzt seine Souveränitätsansprüche über die Senkaku-Inseln, ging in seinen Pressekonferenzen jedoch nicht direkt auf die Satellitenbilder ein. Die diplomatischen Kanäle zwischen beiden Ländern seien weiterhin offen, hieß es. Eine offizielle Reaktion Pekings auf die Beschlagnahmung des Fischerbootes durch Japan stand Ende Februar noch aus.