Präsidentschaftswahl

Sassou Nguesso tritt wieder an: Was Europa mit der Kongo-Wahl zu tun hat

Kongos Präsident Sassou Nguesso kandidiert nach 45 Jahren Herrschaft erneut. Für Europa wird die Wahl zum Gewissenskonflikt.

Der amtierende Präsident Denis Sassou Nguesso in der Republik Kongo
Der amtierende Präsident Denis Sassou Nguesso in der Republik KongoSergey Bobylev/imago

In der Republik Kongo findet am 15. März 2026 die Präsidentschaftswahl statt. Amtsinhaber Denis Sassou Nguesso, der seit über vier Jahrzehnten mit nur einer kurzen Unterbrechung regiert, gilt als klarer Favorit. Für Europa und Deutschland wirft die Abstimmung eine unbequeme Frage auf: Wie lassen sich strategische Interessen in Energie- und Klimapolitik mit dem eigenen Anspruch auf Demokratieförderung vereinbaren?

Der 82-jährige Sassou Nguesso hatte seine Kandidatur am 5. Februar 2026 offiziell erklärt, wie AP News berichtete. Bereits Ende 2025 hatte ihn der Kongress seiner Partei PCT als Kandidaten bestimmt, unterstützt von 18 Parteien der präsidentiellen Mehrheit. Insgesamt ließ das Verfassungsgericht im Februar sieben Kandidaten zu. Die größte Oppositionspartei stellt allerdings keinen eigenen Bewerber auf.

Sassou Nguesso ist seit 1979 an der Macht – mit einer Unterbrechung zwischen 1992 und 1997. Im Jahr 2015 ließ er per Referendum Alters- und Amtszeitbegrenzungen abschaffen. Laut Africanews herrschte bei Großkundgebungen in Pointe-Noire verbreiteter Fatalismus: Viele Bürger gingen davon aus, dass das Ergebnis bereits feststehe.

Wahlprozess in der Kritik

Die kongolesische Zivilgesellschaftsorganisation Tournons La Page (TLP) dokumentierte unter anderem im Bericht zur Wahl 2021 systematische Mängel. Darin sprach TLP von einer „mascarade électorale“ – einer Wahlfarce. Kritisiert wurden unter anderem Unregelmäßigkeiten beim Wählerregister, mangelnde Unabhängigkeit der Wahlkommission sowie Probleme bei der Auszählung und Veröffentlichung der Ergebnisse. Für 2026 und 2027 hat TLP einen Aktionsplan vorgelegt, der auf mehr Transparenz bei Wahlgesetzen, eine Deckelung der Wahlkampfausgaben und eine stärkere zivilgesellschaftliche Beobachtung abzielt.

Zudem wurde die Wahl vom ursprünglich geplanten 22. März auf den 15. März vorgezogen – ohne offizielle Begründung, wie die Washington Post unter Berufung auf AP berichtete.

Strategische Interessen Europas

Die Republik Kongo – nicht zu verwechseln mit der wesentlich größeren Demokratischen Republik Kongo – ist OPEC-Mitglied. Rund 80 Prozent der Exporte entfallen auf Erdöl. Laut Trading Economics importiert die EU kongolesisches Rohöl im Umfang von schätzungsweise 60 bis 70 Millionen US-Dollar jährlich (mit Schwankungen je nach Preisen und Mengen). Deutschland bezieht ebenfalls Öl aus dem Land, allerdings in geringem Umfang. Kongo ist damit kein systemrelevanter Lieferant, aber Teil europäischer Diversifizierungsstrategien, die seit dem Ukrainekrieg an Gewicht gewonnen haben.

Neben den Ölressourcen gewinnt die Republik Kongo für Deutschland und die EU durch ihre immense Regenwaldfläche strategische Bedeutung: 65 Prozent des Landes gehören zum Kongobecken, dem zweitgrößten tropischen Regenwald weltweit. Die EU hat hierzu ein Waldpartnerschaftsabkommen geschlossen, das Abholzung eindämmen und nachhaltige Forstwirtschaft fördern soll, während Deutschland und Frankreich Projekte zum Biodiversitätsschutz unterstützen – etwa durch das GIZ-Projektbüro in Brazzaville seit 2023. Diese Kooperationen dienen nicht nur dem Klimaschutz im Rahmen des Green Deals, sondern sichern auch langfristig Rohstoffzugänge unter ESG-Kriterien.

Geopolitischer Wettbewerb und Deutschland Dilemma

In Zentralafrika wächst der Einfluss Chinas, Russlands und der Golfstaaten. Europa versucht, mit der Global-Gateway-Initiative gegenzusteuern. Die Wahl könnte indirekt mitentscheiden, ob sich das Land stärker westlich orientiert oder alternativen Partnern zuwendet.

Für Deutschland und die EU ergibt sich ein Spannungsfeld: Einerseits knüpft Brüssel vertiefte Kooperationen an gute Regierungsführung und Rechtsstaatlichkeit. Andererseits könnte eine zu deutliche Kritik an der Wahl die Zusammenarbeit bei Klima und Rohstoffen erschweren. Gerade weil Kongo wirtschaftlich nicht systemrelevant sei, hätte Europa theoretisch Spielraum, klare Signale in Sachen Demokratie zu setzen, ohne sich selbst massiv zu schaden – ob dieser Spielraum genutzt werde, bleibe eine politische Entscheidung, heißt es in Analysen.