Russland setzt im Krieg gegen die Ukraine zunehmend auf neue Drohnentechniken und hybride Methoden jenseits klassischer Frontlinien. Ukrainische Sicherheits- und Militärexperten warnen vor einer wachsenden Bedrohung durch sogenannte „Mothership“-Drohnen, wie der Kyiv Independent berichtete. Dabei handelt es sich um größere unbemannte Fluggeräte, die kleinere FPV-Drohnen transportieren und diese nahe am Zielgebiet absetzen.
Nach Angaben ukrainischer Behörden ermöglichen diese Trägerdrohnen Angriffe aus deutlich größerer Entfernung als bislang üblich. Während FPV-Drohnen früher meist nur in einem Radius von 20 bis 30 Kilometern eingesetzt werden konnten, lassen sich die kleineren Systeme weit hinter die Front bringen. Gesteuert werden sie häufig über zivile Mobilfunknetze. Russische Einheiten nutzen nach ukrainischen Erkenntnissen ukrainische SIM-Karten und LTE-Netze, um die Drohnen aus der Ferne zu lenken – teils direkt vom russischen Staatsgebiet aus.
Ukraine erwägt Ausweispflicht für SIM-Karten
Als Reaktion erwägt die Regierung in Kiew, den Verkauf von SIM-Karten künftig an eine Ausweispflicht zu koppeln. Ziel ist es, den Missbrauch ziviler Kommunikationsnetze für militärische Zwecke einzudämmen. Sicherheitsberater räumen jedoch ein, dass ein solcher Schritt politisch umstritten wäre, da er tief in den Alltag der Bevölkerung eingreifen würde. Zudem könne die Maßnahme die Bedrohung allenfalls begrenzen, nicht vollständig beseitigen.
Parallel zu den technischen Entwicklungen beobachten ukrainische Behörden verstärkte Versuche der Einflussnahme auf staatliche Institutionen. Antikorruptionsstellen berichten von Einschüchterungsversuchen, Abhörfunden und koordinierten Diffamierungskampagnen in sozialen Netzwerken. Über dem Gelände der ukrainischen Antikorruptionsstaatsanwaltschaft SAPO wurden Medienberichten zufolge nachts eine unbekannte Drohne gesichtet. Die Polizei ermittelt. Unklar ist bisher, von wo aus die Drohne gesteuert wurde und wer der Eigentümer ist.
Militärexperten sehen in dem Vorgehen Moskaus ein typisches Muster hybrider Kriegsführung: militärischer Druck, technologische Innovation und Informationsoperationen greifen ineinander. Ziel sei es, staatliche Strukturen zu verunsichern, Vertrauen in Institutionen zu untergraben und die Belastbarkeit der ukrainischen Gesellschaft zu testen – auch fernab der eigentlichen Front.


