Verteidigungsministerium

Russland „zum Frieden zwingen“: Ukraine stellt „Kriegsplan“ mit drei Zielen vor

Das ukrainische Verteidigungsministerium will seine Strategie in Zukunft auf drei Punkte konzentrieren. Was ist vorgesehen?

Der ukrainische Verteidigungsminister <a href="https://www.berliner-zeitung.de/news/postenwechsel-ukraine-selenskyj-will-mychailo-fedorow-zum-verteidigungsminister-machen-li.10012448">Mychailo Fedorow</a>&nbsp;bei einem Treffen der Ukraine Defense Contact Group im Nato-Hauptquartier in Brüssel
Der ukrainische Verteidigungsminister Mychailo Fedorow bei einem Treffen der Ukraine Defense Contact Group im Nato-Hauptquartier in BrüsselDursun Aydemir/Anadolu Agency/imago

Die Ukraine will offenbar ihre Verteidigung neu ausrichten. „Wir wünschen uns Frieden mehr als alle anderen auf der Welt“, erklärte der ukrainische Verteidigungsminister Mychailo Fedorow laut einer Mitteilung seines Ministeriums. „Neben der Diplomatie soll unsere Verteidigung so gestärkt werden, dass wir den Feind zum Frieden zwingen.“

Der „Kriegsplan“ der Ukraine verfolgt laut der Erklärung drei Hauptstrategien. Zunächst solle durch „den Aufbau eines mehrstufigen Systems“, eine Aufrüstung von Abfangjägern und organisatorische Veränderungen der Schutz des Luftraums ausgebaut werden. Ziel sei es, Bedrohungen aus der Luft in Echtzeit zu erkennen und mindestens 95 Prozent der Raketen und Drohnen abzufangen.

Ukraine will stärker gegen russische Schattenflotte vorgehen

Als zweiten Punkt wird in der Erklärung die Absicht genannt, Russland „zu Lande, zu Wasser und im Cyberspace“ aufzuhalten, etwa durch eine Verbesserung von Beschaffungssystemen für Waffen, eine datenbasierte Führung der Truppen und Reformen in den Streitkräften. Russland verliere in Donezk 156 Soldaten pro Quadratkilometer, erklärte das ukrainische Verteidigungsministerium. Fallen mehr 200 Soldaten pro Quadratkilometer, sei „ein Vormarsch unmöglich“.

Als dritten Punkt will die Ukraine in Zusammenarbeit mit anderen Ländern stärker gegen die sogenannte Schattenflotte Russlands vorgehen, um die Einnahmen des Landes aus dem Ölsektor zu reduzieren.

Umgesetzt werden soll der Plan durch den Ausbau internationaler Partnerschaften und einen schnellen Zugang zu relevanten Daten. Zudem müsse die Ukraine im Bereich technologischer Innovation „dem Gegner mindestens zehn Schritte voraus sein“, hieß es. Unabhängige Einschätzungen zur Umsetzbarkeit der Ziele lagen zunächst nicht vor.

Putin fordert besseren Schutz russischer Infrastruktur

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte zuvor bei der Münchner Sicherheitskonferenz im Februar über Probleme bei der Beschaffung von Luftverteidigungsraketen gesprochen. Inzwischen habe die Ukraine einen Teil eines Luftverteidigungshilfepakets erhalten, sagte er laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Interfax Ukraine. Jedoch bestehe weiterhin ein Bedarf an Patriot-Raketen.

Parallel dazu forderte der russische Präsident Wladimir Putin den Inlandsgeheimdienst FSB einem Reuters-Bericht zufolge auf, Energie- und Transportinfrastruktur in Russland besser zu schützen. Die Ukraine hat wiederholt russische Öldepots, Raffinerien und Häfen angegriffen. Moskau wirft Kiew außerdem eine Beteiligung an einer Reihe von Attentaten auf hochrangige Militärangehörige vor.

„Da es ihnen nicht gelungen ist, Russland auf dem Schlachtfeld eine strategische Niederlage beizubringen, setzt der Feind nun auf individuellen und Massenterror“, sagte Putin und nannte als Beispiele Sabotage von Infrastruktur, Attentatsversuche und den Beschuss von Städten. „Sie werden bis zum Äußersten gehen und es dann bereuen“, fügte er hinzu.