Migration

Russland verzeichnet drastischen Rückgang bei Einbürgerungen

Russlands Einbürgerungszahlen fallen auf einen Bruchteil des Vorkriegsniveaus. Trotz wachsendem Arbeitskräftemangel setzt die Regierung auf härtere Migrationsgesetze.

Immer weniger Menschen beantragen einen russischen Pass.
Immer weniger Menschen beantragen einen russischen Pass.Alexey Maishev/imago

Die Zahl der Ausländer, die die russische Staatsbürgerschaft erhalten, ist im vierten Jahr in Folge massiv gesunken. Wie die russische Wirtschaftszeitung Kommersant unter Berufung auf Daten des russischen Innenministeriums berichtet, erhielten 2025 nur noch 152.400 Menschen einen russischen Pass – ein Minus von 27,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Zum Vergleich: 2021, dem letzten vollständigen Jahr vor dem Angriffskrieg gegen die Ukraine, waren es noch 735.000.

Auch bei Aufenthaltsgenehmigungen zeigt sich laut Kommersant ein deutlicher Abwärtstrend. Die Zahl der befristeten Aufenthaltserlaubnisse fiel um 29,7 Prozent auf 31.300, die der unbefristeten um 27,3 Prozent auf 156.200. Insgesamt lebten zum Jahreswechsel noch 5,7 Millionen Ausländer legal in Russland – 8,6 Prozent weniger als im Vorjahr.

Gleichzeitig stieg die Zahl der offiziell beschäftigten ausländischen Arbeitskräfte laut Innenministerium auf knapp drei Millionen, ein Plus von 7,6 Prozent. Die Wirtschaft bleibt demnach auf Migranten angewiesen, obwohl die Regierung immer strengere Regeln und Gesetze verabschiedet.

Weitere Verschärfungen in Migrationspolitik

Wie die Moscow Times berichtet, wurden seit Februar 2025 rund 850.000 Personen in ein Kontrollregister aufgenommen, das Betroffenen unter anderem Firmengründungen, Eheschließungen und Kontoeröffnungen untersagt. Die Zahl der Ausweisungen sank allerdings auf 60.000 – ein Drittel des Vorjahreswerts.

Die Duma bereitet laut Novaya Gazeta Europe weitere Verschärfungen vor. Ein Gesetzentwurf des Innenministeriums sieht vor, dass künftig auch die Teilnahme an nicht genehmigten Kundgebungen oder Störungen der öffentlichen Ordnung zur Abschiebung führen können. Bußgelder für illegale Beschäftigung sollen nahezu verdoppelt werden. Parlamentspräsident Wjatscheslaw Wolodin erklärte, seit 2024 seien bereits 22 Bundesgesetze zur Verschärfung der Migrationspolitik verabschiedet worden. Als Auslöser dieser Wende gilt laut Experten der Terroranschlag auf die Crocus City Hall im März 2024.

Die Angreifer waren in die Halle eingedrungen und hatten dort das Feuer eröffnet. Im Anschluss setzten sie das Gebäude in Brand. Es war der schlimmste Anschlag auf russischem Boden seit mehr als 20 Jahren – 149 Menschen wurden getötet und mehr als 600 weitere verletzt.

Die Migrationsdebatte steht dabei im Widerspruch zu Russlands tiefgreifender demographischer Krise. Laut UN-Schätzungen könnte die Bevölkerung bis 2100 um 25 bis 50 Prozent schrumpfen. Wie die Moscow Times berichtet, versucht die Regierung gegenzusteuern – mit finanziellen Anreizen für Mütter und eingeschränktem Zugang zu Schwangerschaftsabbrüchen.