Bei einer globalen Erwärmung um zwei Grad Celsius könnte die Zahl der Länder, die in eine kritische Ernährungskrise geraten, von derzeit neun auf 24 ansteigen. Das geht aus einer Analyse des International Institute for Environment and Development (IIED) hervor.
Die Studie zeigt eine massive Ungleichheit: Ernährungssysteme in einkommensschwachen Ländern würden sich durch den Klimawandel siebenmal schneller verschlechtern als in wohlhabenden Staaten. Länder wie Somalia, die Demokratische Republik Kongo, Afghanistan, Haiti und Mosambik wären besonders stark betroffen – dort könnte die Ernährungsunsicherheit laut der Analyse um mehr als 30 Prozent zunehmen. In Hocheinkommensländern läge der Anstieg dagegen bei durchschnittlich drei Prozent.
„Länder, die bereits mit Armut und begrenzten Sicherungsnetzen kämpfen, werden die schnellste Verschlechterung ihrer Ernährungssysteme erleben – obwohl sie am wenigsten zu den globalen Emissionen beigetragen haben“, sagte IIED-Forscherin Ritu Bharadwaj laut Guardian. Einkommensschwache Länder seien nur für ein Prozent der weltweiten Emissionen verantwortlich, während Hoch- und obere Mitteleinkommensländer über 80 Prozent verursachen sollen.
Index misst Verwundbarkeit von Ernährungssystemen
Für die Untersuchung entwickelte das IIED einen Ernährungssicherheitsindex für 162 Länder, der die systemische Verwundbarkeit nationaler Ernährungssysteme bei Erwärmungsszenarien von 1,5, 2 und 4 Grad misst. Der Index untersucht vier Säulen: Verfügbarkeit, Zugänglichkeit, Verwertbarkeit und Nachhaltigkeit von Nahrungsmitteln. Besonders klimaempfindlich sind laut IIED die Bereiche Nachhaltigkeit und Verwertbarkeit – erste Klimaschäden zeigten sich demnach in Wasser-, Sanitär- und Gesundheitssystemen.
Auch wohlhabende Staaten seien nicht immun, betonte Bharadwaj. Die USA etwa erzielten zwar einen hohen Gesamtwert von 8,74 von 10 Punkten, schnitten bei der Nachhaltigkeit mit 7,25 jedoch deutlich schwächer ab als etwa Großbritannien oder Deutschland. „Reiche Länder können sich bei einer heimischen Missernte auf dem Weltmarkt freikaufen“, so Bharadwaj. Doch wenn fragile Staaten systemisch zusammenbrächen, drohe globale Instabilität und Zwangsmigration.
Abdihakim Ainte, Direktor für Ernährungssicherheit der somalischen Regierung, bestätigte laut IIED, dass wiederholte Dürren und Überschwemmungen bereits jetzt Landwirtschaft und lokale Märkte in Somalia massiv störten. Bharadwaj forderte den Ausbau sozialer Sicherungssysteme, Investitionen in klimaresistente Landwirtschaft sowie ein besseres Wasser- und Bodenmanagement.

