Energie

Kreml meldet: Iran-Krieg lässt Nachfrage nach russischem Öl und Gas steigen

Der Krieg mit dem Iran verschiebt die geopolitischen Kräfte auf dem Energiemarkt. Käufer wie China und Indien wenden sich laut Kreml verstärkt Russland zu.

Moskau: Kremlsprecher Dmitri Peskow
Moskau: Kremlsprecher Dmitri PeskowAlexander Zemlianichenko/AP

Der Krieg mit dem Iran hat nach Angaben des Kremls zu einer deutlich steigenden Nachfrage nach russischem Öl und Gas geführt. „Wir sehen eine signifikante Zunahme der Nachfrage nach russischen Energieressourcen im Zusammenhang mit dem Krieg im Iran“, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow in Moskau. Russland bleibe ein „verlässlicher Lieferant“ von Öl und Gas, sowohl über Pipelines als auch in Form von Flüssigerdgas.

Der Konflikt im Nahen Osten hat den globalen Energiemarkt stark erschüttert. Die wichtige Schifffahrtsroute durch die Straße von Hormus ist wegen der Kämpfe stark beeinträchtigt. Über die Meerenge wird normalerweise ein großer Teil der weltweiten Öl- und Flüssiggaslieferungen transportiert. Die Unsicherheit über mögliche Lieferausfälle hat die Nachfrage nach alternativen Lieferanten steigen lassen.

China und Indien orientieren sich an eigenen Interessen

Nach Angaben des Kremls orientieren sich große Abnehmer russischer Energie wie China und Indien vor allem an ihren eigenen wirtschaftlichen Interessen. Russland könne weiterhin alle bestehenden Lieferverträge erfüllen und die Versorgung seiner Kunden gewährleisten, sagte Peskow.

Über mögliche zusätzliche Liefermengen nach Indien wollte der Kreml jedoch keine Angaben machen. „Wir werden aus offensichtlichen Gründen keine quantitativen Daten veröffentlichen. Es gibt zu viele übelgesinnte Akteure“, erklärte Peskow auf Nachfrage von Journalisten.

Bericht über große Öllieferung nach Indien

Nach einem Bericht der indischen Zeitung The Economic Times könnten Tanker in der kommenden Woche fast 22 Millionen Barrel russischen Öls nach Indien liefern. Damit könnte Neu-Delhi mögliche Engpässe auf dem Energiemarkt ausgleichen, die durch die Eskalation des Konflikts im Nahen Osten entstanden sind. Um die Versorgung auf dem globalen Ölmarkt zu stabilisieren, erlauben die USA Indien für 30 Tage den Kauf von russischem Öl.

Der Krieg zwischen den USA, Israel und dem Iran sorgt weltweit für starke Preisschwankungen bei Öl und Gas. Große Exportländer könnten von der gestiegenen Nachfrage profitieren.

Energiepreise steigen wieder deutlich

Noch vor wenigen Monaten war die Entwicklung für Moskau deutlich ungünstiger. Nach Berechnungen der Nachrichtenagentur Reuters drohten Russlands Einnahmen aus dem Öl- und Gasgeschäft im Januar um rund 46 Prozent gegenüber dem Vorjahr einzubrechen. Hauptursachen waren ein gesunkener Ölpreis und ein stärkerer Rubel, der die Steuereinnahmen aus dem Energiesektor belastete. Beobachter sprachen damals von einem der schwächsten Einnahmenstände seit der Corona-Pandemie.

Die militärische Eskalation im Nahen Osten hat diese Lage nun verändert. Der Konflikt zwischen den USA, Israel und dem Iran sorgt weltweit für steigende Energiepreise und neue Unsicherheit auf den Märkten. Rohöl der Nordseesorte Brent kostet derzeit rund 85,88 US-Dollar pro Barrel und hat sich seit Beginn der Angriffe um mehr als 18 Prozent verteuert.