Energie

Putin reagiert auf EU-Sanktionen: Stellt Russland Gaslieferungen noch früher ein?

Russlands Präsident Wladimir Putin bringt einen vorzeitigen Ausstieg aus dem europäischen Gasmarkt ins Spiel. Moskau könnte seine Lieferungen schon vor neuen EU-Sanktionen einstellen.

Der russische Präsident Wladimir Putin
Der russische Präsident Wladimir PutinKristina SolovyovaKremlin/AP

Russlands Präsident Wladimir Putin hat angedeutet, dass Moskau seine Gaslieferungen in die Europäische Union möglicherweise schon vor weiteren EU-Sanktionen einstellen könnte. In einem Interview mit dem russischen Fernsehsender Rossija sagte Putin laut dem Wirtschaftsportal RBC, Russland könne „vielleicht“ schon jetzt den europäischen Gasmarkt verlassen und sich stärker auf andere Absatzmärkte konzentrieren.

„Jetzt öffnen sich andere Märkte. Vielleicht ist es für uns sogar vorteilhafter, die Lieferungen nach Europa sofort einzustellen und uns auf diese neuen Märkte zu konzentrieren“, sagte Putin. Zugleich betonte er, es handele sich zunächst nur um „Gedanken laut ausgesprochen“ und nicht um eine endgültige Entscheidung. Er wolle die Regierung jedoch beauftragen, gemeinsam mit Energiekonzernen eine mögliche vorzeitige Abkehr vom europäischen Markt zu prüfen.

Hintergrund sind neue Sanktionen der Europäischen Union gegen russische Energieexporte. Die EU hat beschlossen, Gasimporte aus Russland schrittweise zu beenden. Flüssiggas aus Russland soll spätestens ab dem 1. Januar 2027 nicht mehr importiert werden, Pipelinegas bis Ende September 2027.

Putin weist Verantwortung für steigende Gaspreise zurück

Putin wies zugleich die Darstellung zurück, steigende Gaspreise in Europa seien eine Folge geringerer russischer Lieferungen. Wichtige Anbieter wie Algerien, Norwegen, die Vereinigten Staaten und Russland hätten ihre Mengen nicht reduziert, sagte er. Die Preisentwicklung erklärte der Präsident mit der Lage auf den Weltmärkten – unter anderem durch den Krieg im Nahen Osten und Störungen im Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus.

Russland hat seine Gasexporte in den vergangenen Jahren zunehmend auf andere Regionen verlagert, vor allem nach Asien. Ein zentraler Abnehmer ist China, das über die Pipeline „Kraft Sibiriens“ beliefert wird. Auch in Staaten der ehemaligen Sowjetunion sowie in die Türkei liefert Russland weiterhin Pipelinegas.