Die Eskalation rund um Iran sorgt für Unruhe an den Energiemärkten. Nach der faktischen Schließung der Straße von Hormus sind die Preise für Öl und Gas stark gestiegen. Der europäische Referenzpreis für Gas am Handelsplatz TTF kletterte zuletzt zeitweise auf rund 59 Euro je Megawattstunde – den höchsten Stand seit der Energiekrise 2022. Gleichzeitig verschärft sich der Wettbewerb um Flüssigerdgas (LNG), nachdem Katar die Produktion am weltweit größten LNG-Exportkomplex vorübergehend gestoppt hat.
Nun zeigt sich erstmals eine konkrete Folge auf dem Markt: Ein LNG-Tanker hat offenbar als erstes Frachtschiff im Atlantik seine Route von Europa nach Asien geändert. Das berichtet die britische Financial Times (FT) unter Berufung auf Schiffverfolgungsdaten des Informationsdienstes Kpler. Die mit LNG beladene „BW Brussels“ aus Nigeria hatte zunächst Frankreich als Zielhafen angegeben, bevor sie eine Kehrtwende vollzog und Kurs Richtung Kap der Guten Hoffnung nahm. Der Vorgang gilt als weiteres Indiz dafür, dass sich der globale Wettbewerb um Flüssigerdgas weiter verschärft.
„LNG-Tanker fahren dorthin, wo es ökonomisch am sinnvollsten ist“
LNG wird wie Öl global gehandelt. „Wenn Mengen fehlen, steigen die Preise überall, wo LNG den Preis bestimmt – also auch bei uns“, sagte Jakob Schlandt vom Hamburg Institut in einem Bericht von n-tv. Zudem wird LNG in der Regel dorthin geliefert, wo der höchste Preis gilt. In Asien sind die LNG-Preise noch stärker gestiegen als in Europa, da der Kontinent stärker von LNG-Importen per Schiff abhängig ist. „Letztlich fahren LNG- und Öltanker immer dorthin, wo es ökonomisch gerade am sinnvollsten ist. Der Höchstbietende gewinnt“, erklärte Schlandt. Selbst Schiffe, deren Ladung vorher für ein Land bestimmt ist, können auf hoher See noch ihre Richtung ändern.
Die Marktpreise für LNG sind somit stark an die Entwicklungen anderer Länder gebunden. Steigt beispielsweise die Nachfrage in Japan, gehen auch die Preise in Europa rauf. „Wahrscheinlich werden die asiatischen LNG-Preise noch stärker steigen als die europäischen TTF-Preise, um Lieferungen aus dem Atlantikraum anzuziehen“, sagte Gillian Boccara, Leiterin des Bereichs LNG, Gas und Strom bei Kpler, im Bericht der FT. TotalEnergies, der Betreiber des Schiffes „BW Brussels“, reagierte nicht auf eine Anfrage nach einer Stellungnahme.


