Energiemärkte

Nach Angriff auf katarische LNG-Anlage: Gaspreise schießen um 45 Prozent in die Höhe

Katar hat die Flüssiggasproduktion nach einem Angriff auf die weltweit größte LNG-Anlage gestoppt. Ist Europas Gasversorgung angesichts leerer Speicher jetzt besonders gefährdet?

Katar ist ein bedeutender Exporteur von Flüssigerdgas.
Katar ist ein bedeutender Exporteur von Flüssigerdgas.Clement Mahoudeau/AFP

Der europäische Erdgaspreis ist am Montag massiv gestiegen, nachdem Katar im Zuge der Eskalation im Nahen Osten die Produktion von Flüssigerdgas (LNG) an der weltweit größten Anlage eingestellt hat. Wie Euronews berichtet, kletterte der Referenzpreis am niederländischen TTF-Handelsplatz am frühen Nachmittag um bis zu 45 Prozent auf rund 46 Euro pro Megawattstunde. Auch die britischen Gaspreise am NBP-Handelsplatz zogen kräftig an.

Wie Euronews berichtet, teilte QatarEnergy am frühen Montagnachmittag mit, die LNG-Produktion am riesigen North-Field-Gasfeld nach einem Angriff auf die Anlagen gestoppt zu haben. Nähere Angaben zum Ausmaß der Schäden machte das Unternehmen nicht.

Auslöser der Eskalation an den Energiemärkten sind amerikanische und israelische Angriffe auf den Iran, die die Spannungen in der für die globale Energieversorgung zentralen Region verschärft haben. Laut der Nachrichtenagentur Bloomberg wurde der Produktionsstopp an Katars Ras-Laffan-Anlage durch einen iranischen Drohnenangriff ausgelöst.

Straße von Hormus als Nadelöhr

Im Zentrum der Sorgen steht die Straße von Hormus. Die schmale Meerenge, die maßgeblich vom Iran kontrolliert wird, liegt auf einer der wichtigsten Routen für den weltweiten Öl- und LNG-Transport. Der Iran hat nach den Angriffen begonnen, den Schiffsverkehr durch die Meerenge zu blockieren.

Satellitenbilder zeigten, dass der Tankerverkehr am Wochenende praktisch zum Erliegen gekommen sei. Maurizio Carulli, globaler Energieanalyst bei Quilter Cheviot, geht davon aus, dass Reedereien ihre Schiffe erst wieder durch die Meerenge schicken werden, wenn sich die militärische Lage beruhigt hat – unter anderem wegen fehlender Versicherungsdeckung und aufgrund des Risikos von Schiffsbeschädigungen oder -beschlagnahmungen.

Die Lage auf dem Versicherungsmarkt verschärft sich: Mehr als die Hälfte der weltweit größten Schiffsversicherer will ab Donnerstag keine Kriegsrisikodeckung mehr für Fahrten im Persischen Golf anbieten.

Niedrige Speicherstände machen Europa verwundbar

Obwohl Europa nicht primär von katarischem Gas abhängt, könnten die Auswirkungen laut Analysten dennoch erheblich sein. Katar, nach den USA und Australien der drittgrößte LNG-Exporteur der Welt, liefert etwa zwölf bis 14 Prozent der europäischen LNG-Importe. Seit Russlands Einmarsch in die Ukraine im Februar 2022 hat das Land als Lieferant für Europa an Gewicht gewonnen.

Mike Fulwood vom Oxford Institute for Energy Studies warnte laut Bloomberg, der Preisschock durch den Ausfall von LNG aus dem Nahen Osten könnte mit jenem nach Russlands Einmarsch in die Ukraine im Jahr 2022 vergleichbar sein – mit „gravierenden Folgen für die Staatshaushalte in Europa und Asien“.

Verschärfend kommt hinzu, dass Europas Gasspeicher zum Ende der Heizsaison ungewöhnlich niedrig gefüllt sind. EU-weit liegt der Füllstand laut Daten von Gas Infrastructure Europe derzeit unter 30 Prozent.

Deutschland und Frankreich sind besonders verwundbar: Die deutschen Speicher lagen am Sonnabend bei 20,5 Prozent, die französischen bei 21 Prozent. Geringe Reserven machen beide Länder anfälliger für weitere Preissprünge, insbesondere falls sich die globalen LNG-Märkte weiter verengen.