Die Philippinen haben am Donnerstag auf der Thitu-Insel im Südchinesischen Meer ein neues Küstenwach-Bezirkskommando eingeweiht – den ersten eigenständigen Kommandoposten des Landes in der Spratly-Inselgruppe. Die Basis soll laut einer Inschrift im Gebäude als „Wächter der Souveränität, der souveränen Rechte und der maritimen Hoheitsgewalt“ dienen, wie die Nachrichtenagentur AP berichtet.
Der philippinische Transportminister Giovanni Lopez, Senator Erwin Tulfo und Küstenwach-Kommandeur Admiral Ronnie Gil Gavan reisten zur Einweihungszeremonie auf die Insel, die zeitlich auf den philippinischen Heldengedenktag gelegt wurde. „Dies ist ein dauerhafter Schritt, um zu zeigen, dass unsere Küstenwache bereit ist, unsere Interessen in den Gewässern, unsere Fischer und vor allem unsere Souveränität zu verteidigen“, sagte Lopez laut AP.
China feuert Leuchtraketen ab
Noch am selben Nachmittag kam es zu neuen Zwischenfällen: Laut dem philippinischen Küstenwach-Konteradmiral Jay Tarriela feuerten chinesische Kräfte Leuchtraketen auf ein philippinisches Patrouillenflugzeug über dem Subi-Riff und dem Mischief-Riff ab. Die philippinische Küstenwache bezeichnete dies als „eindeutigen und vorsätzlichen Akt der Einschüchterung“, der philippinisches Personal gefährdet habe. Peking äußerte sich zunächst nicht zu den Vorfällen, berichtet AP.
Ein Reporter der Nachrichtenagentur AFP, der sich auf dem Weg zum neuen Kommandoposten befand, beobachtete laut der Straits Times mehrere chinesische Küstenwachschiffe in den umliegenden Gewässern, die per Funk Warnungen an das Flugzeug sendeten.
Wie die Straits Times berichtet, wird das neue Bezirkskommando ein Gebiet von rund 68.000 Quadratkilometern abdecken und von einem Kommodore geleitet. Dauerhaft stationiert werden ein Schiff, weitere Einsatzboote sowie Spezialisten für Strafverfolgung, Umweltschutz und Seenotrettung. Zudem soll der Hafen vertieft werden, damit größere Küstenwachschiffe anlegen können. Kleinere Außenposten auf den Inseln Kota und Parola sollen zu vollwertigen Stationen aufgewertet werden, so Tarriela gegenüber der Straits Times.
„Die Einrichtung des Küstenwach-Bezirks wird auch die Einstellung jedes einzelnen Küstenwach-Mitglieds stärken – dass die Verteidigung der Kalayaan-Inselgruppe höchste Priorität hat“, sagte Admiral Gavan laut der Straits Times.
China sieht die Bewohner der Insel als illegal an
Die kaulquappenförmige Thitu-Insel – auf Tagalog „Pag-asa“ (Hoffnung) – wird von etwa 400 Filipinos bewohnt, überwiegend Fischerfamilien. China betrachtet deren Anwesenheit als illegal. Vizebürgermeister MP Albayda sagte gegenüber AP: „Jeden Tag sehen unsere Bewohner chinesische Küstenwach- und Milizschiffe rund um die Insel. Das neue Kommando ist ein großer Moralschub.“ Die 37 Hektar große Insel verfügt mittlerweile über Internet, Mobilfunk, eine befestigte Landebahn, einen Anleger und eine Schule – bleibt aber laut AP eine bescheidene Siedlung im Vergleich zur chinesischen Subi-Inselbasis.
China beansprucht nahezu das gesamte Südchinesische Meer, obwohl ein internationales Schiedsgericht 2016 diese Ansprüche auf Grundlage des UN-Seerechtsübereinkommens für rechtswidrig erklärte. Peking erkennt das Urteil nicht an. Vor mehr als einem Jahrzehnt begann China, sieben Riffe zu Inselstützpunkten auszubauen – darunter das Subi-Riff mit einer militärischen Landebahn nur 24 Kilometer von Thitu entfernt, so AP.
Im März kündigten die Philippinen laut der Straits Times zudem an, mehr als 100 Inselformationen in den Spratlys umbenennen zu wollen, um ihre Souveränität zu unterstreichen. China warf Manila daraufhin einen Verstoß gegen internationales Recht vor.


