USA

Pentagon stuft KI-Firma Anthropic offiziell als Lieferkettenrisiko ein

Das US-Verteidigungsministerium hat Anthropic als Lieferkettenrisiko eingestuft. Der Streit über Nutzungsbedingungen für das KI-Modell Claude dürfte vor Gericht landen.

Der Chef von dem KI-Unternehmen Anthropic Dario Amodei
Der Chef von dem KI-Unternehmen Anthropic Dario AmodeiANI/imago

Das US-Verteidigungsministerium hat den KI-Entwickler Anthropic formell als Lieferkettenrisiko eingestuft. Anthropic-Chef Dario Amodei kündigte an, die Entscheidung gerichtlich anzufechten. „Wir glauben nicht, dass diese Maßnahme rechtlich haltbar ist“, erklärte Amodei am Donnerstag.

Hintergrund ist ein Streit über Nutzungsbedingungen: Anthropic besteht darauf, dass das US-Militär sein KI-Modell Claude weder für Massenüberwachung von US-Bürgern noch für vollautonome Waffensysteme einsetzen darf. Das Pentagon hingegen fordert die Nutzung für „alle gesetzlich zulässigen Zwecke“ und argumentiert, die von Anthropic genannten Einsatzszenarien seien ohnehin bereits verboten.

Verteidigungsminister Pete Hegseth hatte vergangene Woche angekündigt, Anthropic innerhalb von sechs Monaten aus militärischen Systemen zu entfernen. Präsident Trump nannte das Unternehmen „radikal links“ und ordnete an, dass Bundesbehörden Claude sofort nicht mehr nutzen sollen. Pentagon-Technologiechef Emil Michael warf Amodei einen „Gottkomplex“ vor.

Auch bei Angriffen auf den Iran verwendet

Anthropic ist das einzige KI-Unternehmen, dessen Technologie in den geheimen Netzwerken des Pentagons eingesetzt wird. Laut CBS News wurde Claude bei den jüngsten US-Angriffen auf den Iran verwendet. Amodei betonte, seine zwei „roten Linien“ – keine Massenüberwachung, keine autonomen Waffen – bestünden seit Gründung des Unternehmens. Ein vom Pentagon angebotener Kompromiss sei mit juristischen Formulierungen versehen gewesen, die die Leitplanken faktisch ausgehebelt hätten.

Microsoft, das Anthropics Technologie in eigene Produkte für Kunden einbettet, erklärte nach juristischer Prüfung, dass Claude außerhalb des Verteidigungsbereichs weiterhin verfügbar bleibe. Lediglich für Kunden des US-Verteidigungsministeriums werde Anthropic-Technologie nicht mehr angeboten. Konkurrent OpenAI schloss derweil eine Vereinbarung mit dem Militär. Laut BBC gilt Anthropic in Teilen der Trump-Regierung als unbeliebt, da Amodei – anders als andere Tech-Größen – weder große Summen an Trump gespendet noch ihn öffentlich gelobt habe. Amodei entgegnete: „Widerspruch gegenüber der Regierung ist das Amerikanischste überhaupt.“